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Wie kam die Straße "Baltimora" zu ihrem Namen?

Eine Frage zu

Es gibt sie, diese Fragen, die man sich immer schon mal gestellt hat. Solche Fragen zu Selm wollen wir jetzt von Ihnen hören - und versuchen sie mit Hilfe von Experten zu beantworten. Leser Gerhard Sieberg wollte den Ursprung des Namens der Straße Baltimora wissen.

CAPPENBERG

von Von Anna Gellner

, 18.09.2012

Die feuchte Umgebung rund um die Straße Baltimora ließ einige Cappenberger vermuten, der Name sei schlicht eine Verballhornung des plattdeutschen Ausdrucks "Bald int Moor" ("Bald ins Moor"). Doch weit gefehlt. Um die Antwort auf die Frage, wie die Baltimora zu ihrem Namen kam, zu beantworten, musste tiefer in der Cappenberger Geschichte gewühlt werden.

Von vorne: "Um 1890 war Cappenberg ein beliebtes Ausflugsziel für Industrielle aus dem Ruhrgebiet, vor allem aus Dortmund", erzählt der stellvertretende Vorsitzende des Heimatvereins, Franz-Peter Kreutzkamp. "Ab 1900 wurde es für viele auch als Wohnort interessant." Fortan siedelten sich also wohlhabende Familien in Übbenhagen, so der Name der Bauerschaft, bevor sie 1952 zum Ortsteil Cappenberg wurde, an. "Zu dieser Zeit gab es auch noch keine Straßennamen", sagt Franz-Peter Kreutzkamp. Jede Straße hieß Übbenhagen, die Hausnummern sind einfach nach dem Erbauungsdatum der Häuser vergeben worden. "Da stand dann auch schon mal die 1 neben der 57." Auch der Dortmunder Nagelfabrikant Otto Bolte ließ hier für sich und seine Familie eine Villa im Stil der Landhausarchitektur errichten – und nannte sie: Baltimora. "Der Grund war eine zuvor unternommene Reise in die US-amerikanische Stadt Baltimore", sagte Heino Janssen, der erste Vorsitzende des Cappenberger Heimatvereins.

"Wir können davon ausgehen, dass die Straße, an der die Villa gebaut wurde, schließlich auch nach ihr benannt worden ist." Etwa 1945 kam diese Straße zu ihrem Namen, 1955 wurden im gesamten Stadtgebiet Selm Straßen umbenannt, beziehungsweise wurden Namen vergeben. In Cappenberg war dies Aufgabe des Heimatvereins unter dem Gründungsvorsitzenden Fritz Schulze Wischeler. Ob viel über die Namen diskutiert wurde? "Es gab jedenfalls eine Masse von Straßen, die benannt werden mussten", sagt Heino Janssen.

Die "Villa Bolte" gibt es nach wie vor. Seit ihrer Erbauung 1910 hat es jedoch einige Besitzerwechsel gegeben – einmal war ein Kinderheim dort untergebracht, dann hat sie ein Großindustrieller aus Südkirchen übernommen. Seit 1987 ist der Caritasverband Lünen der Eigentümer. Einst war die Villa in der Baltimora recht einsam: Lediglich vier Häuser haben dort gestanden. Erst in den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts sei dort vermehrt gebaut worden. "Die Baltimora ist baurechtlich nach wie vor etwas Besonderes", sagt Franz-Peter Kreutzkamp. Viele Baustile finden sich in dieser Straße wieder – auf detaillierte Bauformen wird im Bebauungsplan verzichtet.

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