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Senioren spielen „Walking Football“

Essen. Wenn es in der Hüfte zwickt und die Puste ausgeht, ist Fußballspielen meist nicht mehr drin. Anhänger einer kuriosen Trendsportart aus England wollen das ändern: Beim „Walking Football“ spielen sie nach seniorenfreundlichen Regeln. Rennen ist verboten!

Senioren spielen „Walking Football“

Die Mannschaft der TUS Essen Holsterhausen Abteilung „Walking Football“ trainiert auf dem Kunstrasenplatz. Die erste Regel bei Walking Football ist, dass die Spieler nicht rennen dürfen. Foto: Roland Weihrauch

„Und gehen, gehen, nur gehen!“, ruft Rainer Küpper einem seiner Fußball-Spieler zu. „Du kannst dir Zeit lassen.“ Der 63-Jährige macht die Übung noch einmal vor.

„Ich spiele zurück und dann gehe ich!“ Flotten Schrittes bewegt sich der Trainer auf das kleine Tor zu. Die Arme schwingt er demonstrativ mit - wie ein Nordic Walker es machen würde. Fußball im Gehen eben.

„Walking Football“ heißt die kuriose Trendsportart aus England, die Küpper, Vorstandsmitglied beim TuS Holsterhausen in Essen, seit kurzem jeden Donnerstag mit den Senioren trainiert. Die meisten von ihnen sind langjährige Hobby-Kicker über 60, die „irgendwann nicht mehr so konnten, wie sie wollten“. Beim Geh-Fußball sollen sie trotzdem auf den Platz. „Hier kann man auch mit einer kaputten Hüfte oder einem Ersatzknie spielen“, sagt Küpper.

Die wichtigste und zugleich schwierigste Regel: Mindestens ein Fuß muss auf dem Boden sein. „Es ist eine unheimliche Umstellung, nicht zu laufen“, sagt Küpper. Im Spiel fällt das den Senioren sichtlich schwer. „Nicht rennen!“ etwa rufen sich die Männer immer wieder zu. Sonst gibt es Freistoß. Verboten außerdem: Reingrätschen, Körperkontakt, den Ball über Hüfthöhe spielen. Es gibt weder Abseitsregel noch Torwart. Die Teams, die etwa halb so groß wie eine normale Mannschaft sind, spielen auf etwa 20 mal 40 Metern.

In England und Holland ist der Sport schon weit verbreitet. In Deutschland haben Vereine wie Werder Bremen, Schalke oder der VfL Wolfsburg „Walking Football“-Teams. Wie viele Amateurvereine den Sport aber in Nordrhein-Westfalen anbieten, ist nicht bekannt - „gefühlt eine Handvoll“ am Niederrhein, sagt Florian Baues vom Fußballverband Niederrhein. „Es steckt noch in den Kinderschuhen.“

Meike Ebbert vom Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen meint: „Das kommt wirklich gut an.“ Ein Grund: Viele Vereine mit Altherrenmannschaften würden sich an den Verband wenden und sagen: „Uns geht die Puste aus.“ Und es sei auch eine Möglichkeit, ältere Menschen an den Verein zu binden, sagt Ebbert.

Auch Werner Hensch spielt in Essen mit - er kann nicht ohne Fußball. Schon als Jugendlicher war das so: Wenn der heute 64-Jährige von der Schule heimkam, pfiff ein Freund und rief: „Werner, kommste runter?“ Dann ging es zum Kicken auf die Straße, erzählt Hensch. Mittlerweile hat er zwei operierte Knie. Beim „Walking Football“ bekomme er Bewegung und sei an der Luft, sagt der Mann mit dem weißen Schnauzer. Zwar sei das nicht mit normalem Fußball zu vergleichen - aber als Pensionär immer noch besser, als zuhause zu sitzen.

Für seinen Mitspieler Heiko Kleszka, der zwei künstliche Knie und eine Gefäßstütze am Herzen hat, ist der Geh-Fußball „Reha-Sport“, wie er sagt. „Hier macht jeder so viel, wie er eben kann.“

Die Intention hinterm „Walking Football“ sei vor allem der Spaß - „und man tut was für die Gesundheit“, sagt Trainer Küpper. „Die sind froh, mal wieder spielen zu können und gegen den Ball treten zu dürfen.“ Aber dennoch nähmen die Spieler das Ganze sehr ernst - über eine verfehlte Torchance ärgerten auch sie sich.

Wer sich aber bei einem erhöhten Blutdruck zu sehr aufregt, soll nach Meinung des Sportmediziners Herbert Löllgen vom Deutschen Sportärztebund DGSP besser verzichten. Generell hält „Walking Football“ die Senioren aber fit: Trainiert würden die Beweglichkeit, die Aufmerksamkeit und das Reaktionsvermögen. „Auch das langsame Bewegen hat einen moderaten Trainingseffekt“, sagt Löllgen.

Nach dem Sommer, wenn die Essener Gruppe etwas größer ist, will Trainer Küpper auch mal ein richtiges Spiel auf die Beine stellen - zum Beispiel gegen einen Verein aus Holland. Er ist optimistisch: „Ich glaube, dass sich das durchsetzen wird.“

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