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«Siegfrieds Frauen» eröffnet Nibelungenfestspiele

Worms (dpa) Der Nibelungenstoff hat von seiner Faszination nichts verloren, obwohl oder vielleicht auch gerade weil er schon Jahrhunderte alt ist. Die Anziehungskraft gilt gleichermaßen für Theatermacher und Publikum.

«Siegfrieds Frauen» eröffnet Nibelungenfestspiele

Roland Renner und Meret Becker wurden für ihre Rollen in «Siegfrieds Frauen» umjubelt.

Und wo könnte eine Aufführung besser zur Geltung kommen als an historischer Stätte? So bringt Dieter Wedel schon im siebten Jahr eine Nibelungen-Inszenierung in Worms auf die Bühne. Am Freitagabend starteten die Nibelungenfestspiele mit «Siegfrieds Frauen». Die neu bearbeitete Fassung nach dem Text von Moritz Rinke traf den Geschmack der rund 1500 Zuschauer - sie feierten das Ensemble nach der Vorstellung minutenlang mit Ovationen.

Das Stück lebt vor allem von der großen Leistung und Bühnenpräsenz der Schauspieler. Besonders Meret Becker als Brünhild und Uwe Bohm als Hagen konnten das Publikum mit ihrem darstellerischen Können überzeugen und heimsten viel Applaus ein. Doch auch Annett Renneberg (Kriemhild) und Robert Dölle (Siegfried) gefielen.

Es ist Teil des Konzeptes von Intendant Wedel, aus dem Fernsehen bekannte Namen für seine Aufführungen nach Worms zu holen. So ist dieses Jahr beispielsweise Walter Plathe («Der Landarzt») als Sänger Volker von Alzey dabei - eine neu in das Stück eingefügte Rolle, die Plathe glaubwürdig auszufüllen verstand. Die Erzählfigur ist eines der neuen Elemente, mit denen Wedel die Rinke-Fassung neu inszeniert hat. An einigen Stellen sind Texte von Friedrich Hebbel eingebaut. Erstmals spielt zudem eine Band live am Bühnenrand und sorgt so für eine zusätzliche musikalische Untermalung dramatischer Szenen.

In «Siegfrieds Frauen» verleiht Wedel seinen Hauptfiguren einen sehr wandelbaren Charakter. Die kindlich-naive Kriemhild wird zur boshaften und machtbewussten Frau, Siegfried vom arroganten Kraftprotz zu einem eher langweiligen Helden. Am Ende stirbt er ausgerechnet durch die Hände von Hagen, den er für seinen Vertrauten gehalten hat. Betont wird in der Inszenierung auch die unerfüllte Liebe von Hagen zu Kriemhild und von Brünhild zu Siegfried, was die spätere Katastrophe einleitet.

Intendant Wedel wagt in diesem Jahr ein kleines Experiment und erzählt die Nibelungengeschichte in zwei Teilen, die er im täglichen Wechsel auf die Bühne bringt. Eine kleine Premiere für die Festspiele und ein durchaus geschickter Schachzug, denn der erste Teil machte Appetit auf mehr. Am Samstagabend stand dann der Untergang der Wormser Sippe auf dem Programm: «Die letzten Tage von Burgund.»

Einen grandiosen Hintergrund für das Schauspiel bietet der Wormser Dom, der zum Teil in blutrotes Licht getaucht war. Auf seiner Nordseite wird das riesige Gotteshaus mit seinem dortigen Portal Teil der Theaterkulisse. Wetterfest muss das Publikum der Freilichtbühne dafür schon sein: Am Freitagabend störten aber nur ein paar wenige Tropfen die Aufführung. Die Nibelungenfestspiele gehen noch bis zum 17. August.

www.nibelungenfestspiele.de

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