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Siemens hebt Gewinnziel - Kraftwerkssparte auf Talfahrt

München. Licht und Schatten bei Siemens: Die Probleme im kriselnden Kraftwerksgeschäft werden drängender - trotzdem hebt der Konzern sein Gewinnziel an. Bis zu 6,8 Milliarden Euro sollen in diesem Jahr unterm Strich stehen. Die Börse ist positiv überrascht.

Siemens hebt Gewinnziel - Kraftwerkssparte auf Talfahrt

Die Zentrale der Siemens AG in München. Foto: Matthias Balk

Der Elektrokonzern Siemens sieht sich angesichts wachsender Probleme in der Kraftwerkssparte bei seinem massiven Sparkurs unter Druck.

Im zweiten Geschäftsquartal verschärfte sich die Krise der Sparte und überlagerte die gute Entwicklung vor allem in der Digitalisierungs- und der Zugsparte. „Die Division Power and Gas, die für 15 Prozent unseres Umsatzes steht, agiert weiterhin in einem enorm wettbewerbsintensiven Markt“, sagte Finanzvorstand Ralf Thomas. Siemens will in der Kraftwerkssparte weltweit tausende Jobs kappen.

Erst am Vortag hatte der Dax-Konzern die Einigung auf Eckpunkte für Verhandlungen über einen Interessenausgleich und Sozialplan mit Arbeitnehmervertretern verkündet. So ist eine ursprünglich geplante Werkschließung in Görlitz zwar vom Tisch, doch der Standort soll ebenso wie jene in Berlin, Duisburg, Erfurt und Mülheim die Kosten drücken. Zudem gibt Siemens das Werk Offenbach perspektivisch auf.

Zwischen Januar und März drückte das kriselnde Kraftwerksgeschäft auf das Ergebnis im industriellen Kerngeschäft von Siemens, das im Jahresvergleich um 8 Prozent auf 2,3 Milliarden Euro schrumpfte. Unter dem Strich schnellte der Gewinn aber dank eines Buchwertgewinns um 39 Prozent auf gut 2 Milliarden Euro in die Höhe. Hintergrund ist, dass Siemens seinen Anteil am IT-Unternehmen Atos in seinen Pensionsfonds einbrachte.

Auch die Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr (30. September) hob das Unternehmen an. Unter dem Strich peilt Siemens jetzt 6,5 bis 6,8 Milliarden Euro Gewinn an, statt wie bisher 6,1 bis 6,5 Milliarden Euro. An der Börse sorgte das für gute Stimmung: Am Mittag notierten die Siemens-Aktien zeitweise um mehr als vier Prozent im Plus bei mehr als 115 Euro.

Im zweiten Quartal blieb der Umsatz mit 20,1 Milliarden Euro auf Vorjahresniveau und der Auftragseingang ging um 2 Prozent auf 22,3 Milliarden Euro zurück. Dabei bekam Siemens starken Gegenwind durch Währungseffekte zu spüren. Angesichts eines Rekord-Auftragsbestands von 129 Milliarden Euro zeigte sich Finanzchef Thomas aber zuversichtlich für das zweite Halbjahr. Die starke Entwicklung des Digitalgeschäfts dürfte sich zudem im dritten Quartal fortsetzen, sagte er. Es sei jedoch „naiv“ zu glauben, dass die hohen Wachstumsraten auf Dauer so beibehalten werden könnten.

In der Kraftwerkssparte schrumpften Auftragseingang und Umsatz zwischen Januar und März jeweils kräftig, und das Ergebnis brach um fast drei Viertel ein. „Diese Zahlen untermauern, dass wir unsere Kapazitäten anpassen müssen“, sagte Lisa Davis, die im Vorstand das Energiegeschäft verantwortet.

Dagegen konnte Siemens vor allem im Digitalisierungsgeschäft etwa für Fabriken kräftig zulegen: Hier kletterten Auftragseingang und Umsatz um je rund ein Fünftel, und das Ergebnis legte sogar um 40 Prozent zu. Die Zugsparte profitierte von Großaufträgen, darunter für Hochgeschwindigkeitszüge in der Türkei. Insgesamt hätten sechs von acht Einheiten nicht nur teils beträchtlich beim Umsatz zugelegt, sondern seien auch bei den Renditezielen in der Spur gewesen, sagte Thomas.

Derweil müssten die Folgen des Ausstiegs der USA aus dem Atomabkommen mit Iran zunächst abgewartet werden. Klar sei, dass Siemens sich an alle regulatorischen Vorgaben halten werde, sagte Thomas. Zugleich werde man „Dinge, die wir begonnen haben, so dies im rechtlichen Rahmen möglich ist, zu Ende bringen“. Der Elektrokonzern hatte die Lizenzfertigung für Gasturbinen und Lokomotiven im Iran vereinbart, die auch angelaufen war. Auch eine Absichtserklärung zur Modernisierung der Bahn-Infrastruktur wurde unterzeichnet, weitere Großaufträge daraus erfolgten aber bisher nicht. Wegen angekündigter neuer Sanktionen der USA gegen Iran fürchten viele Unternehmen Strafen, wenn sie Geschäfte mit dem Land machen.

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