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Simone war Pornodarstellerin – jetzt ist sie Hausfrau und Mutter

Ausstieg aus der Branche

Eine ruhige Wohnsiedlung in Hamme. Hier, in einem Mehrfamilienhaus neben einem Kinderspielplatz, wohnt die 26-jährige Simone mit ihrem Mann, ihrer kleinen Tochter, einem Schäferhund und drei Katzen. Ruhig ist ihr neues Leben - und ganz anders als früher. Früher drehte sie als Leonie Saint Pornofilme.

BOCHUM

von Von Miriam Instenberg

, 11.01.2013

In der gemütlichen Dreizimmerwohnung von Simone ist viel los: Während des Gesprächs ermahnt die 26-Jährige wahlweise die dreieinhalbjährige Joline oder eines der vier Haustiere, die über den Laminatboden flitzen. Joline ist die ganze Zeit dabei, während von Pornos, Kondomen und Geschlechtskrankheiten die Rede ist. Irgendwann, sagt Simone, wird sie ihrer Tochter genau erklären, womit sie früher ihr Geld verdient hat. „Jetzt ist das einfach ‚Mamas Arbeit‘.“ Und über die spricht Simone ganz offen, ohne nervöses Herumrutschen auf dem Stuhl, ohne Blatt vor dem Mund.

Von September 2005 bis Januar 2008 war Simone als Pornodarstellerin aktiv. Als sie angefangen hat, war sie gerade 19 Jahre alt geworden. „Ich hatte mich mit meinem damaligen Freund schon mal mit der Webcam aufgenommen und hatte Spaß daran. Eine Bekannte, die als Prostituierte gearbeitet hat, hat mir dann den Kontakt zu einem Pornoproduzenten vermittelt.“ Das erste Engagement, ein Hardcore-Fotoshooting, und der erste Dreh seien „komisch“ gewesen. „Ich habe mich am Anfang geschämt, mich vor den anderen auszuziehen – total blöd, am Ende sehen einen doch eh alle nackt.“ Angst habe sie nie gehabt. Aber: „Meine Mutter hat sich Sorgen gemacht, dass mir was passiert oder dass ich zu etwas gezwungen werde, was ich nicht machen möchte“, erzählt Simone. „Ich habe mir aber von Anfang an nichts gefallen lassen. Damit bin ich auch mal angeeckt, aber das war immerhin mein Körper, den ich da verkauft habe.“

Mit Selbstbewusstsein, Natürlichkeit und Durchsetzungsvermögen machte Simone schnell Karriere in der Branche. Die Produktionsfirma Videorama nahm sie unter Exklusiv-Vertrag, sie drehte ihre eigene „Leonie“-Reihe und räumte Preise als „Beste Newcomerin“ und „Beste Darstellerin national“ ab. Für Autogrammstunden und Drehs reiste die Bochumerin durch ganz Deutschland, die Schweiz, Spanien, Tschechien und Belgien. „Ich wurde auf Events eingeladen, habe Promis getroffen, war im Fernsehen zu sehen – man hat einfach eine ganz andere Luft geschnuppert“, erzählt die 26-Jährige. In vielen ihrer Filme durfte sie eigene Ideen umsetzen. Das seien die guten Seiten des Geschäfts gewesen. Dass nicht alles schön war, verschweigt Simone nicht. Ihr Erfolg brachte Missgunst und Neid von Seiten ihrer Kollegen mit sich, auch der Stress und der forsche Ton am Set störten sie irgendwann. „Am Ende hatte ich keinen Spaß mehr, es fühlte sich wie Zwang an.“ Als sie sich dann auch noch mit Chlamydien infizierte und ihren Drehpartner verdächtigte, sie absichtlich angesteckt zu haben, war für die 26-Jährige klar: „Ich höre auf.“ Der Ausstieg aus der Porno-Branche lief problemlos, Simone bekam im Anschluss einige TV-Angebote, moderierte die Sendung „La Notte“ auf 9Live.

Als die abgesetzt wurde, erhielt sie ein Job-Angebot vom Sender DSF. Den Einjahresvertrag hatte sie schon in der Tasche, als ihr etwas dazwischen kam: Simone war schwanger. Seit Herbst 2008 trifft sich die Bochumerin mit ihrem jetzigen Ehemann Marc, im Juni 2009 kommt Töchterchen Joline zur Welt. Seitdem hat sich in Simones Leben viel getan. Ihr Mann ist als Mechaniker im Kart-Sport viel unterwegs, die Bochumerin kümmert sich zuhause um ihre Tochter, den Haushalt, die Tiere. „Langweilig“ findet sie ihren Alltag, gerne würde sie wieder fürs Fernsehen arbeiten, als Moderatorin, in der Werbung oder als Schauspielerin. Auch der Tierschutz liegt ihr am Herzen. „Es läuft gerade alles ein bisschen schleppend“, sagt sie. Vielleicht tut sich mit dem für dieses oder nächstes Jahr geplanten Umzug nach Krefeld etwas. „Da wohnt die Familie meines Mannes und für Joline ist das Umfeld besser, glaube ich.“

Die Zeit in der Pornobranche, die Erfahrungen, die sie gesammelt hat – „das kann mir keiner mehr nehmen“, sagt Simone. Sie steht zu ihrer Vergangenheit, ohne Scham, aber dass sie nichts bereut, das kann sie so nicht sagen. „Bevor ich angefangen habe, Pornos zu drehen, hatte ich zum Beispiel einige Angebote, als Model zu arbeiten. Da frage ich mich schon manchmal: Was wäre, wenn ich das stattdessen gemacht hätte? Wie wäre mein Leben dann verlaufen?“ Eine Antwort darauf wird Simone nie bekommen. Ebenso offen ist aber ihre Zukunft. Schließlich ist sie noch jung. Genug Zeit, für mindestens noch ein neues Leben.