Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung
Anzeige
Anzeige

Skalpell und Knochenmeißel: Ärzte im römischen Köln

Köln (dpa) Ob Chirurgen, Augenärzte oder Urologen: Schon vor rund 2000 Jahren gab es für Patienten eine medizinische Rundum-Versorgung. Eine Ausstellung zeigt Instrumente der «Medici» im römischen Köln.

/
Skalpelle aus einem Arztgrab aus Bingen. Foto: Oliver Berg

Alte Flakons mit medizinischen Substanzen. Foto: Oliver Berg

Der durchbohrte Schädel eines römischen Patienten. Foto: Oliver Berg

Die Skalpelle und Wundhaken sind sorgfältig geschliffen und mit feinen Mustern verziert. Dennoch ist die Vorstellung, dass ihre Besitzerin - eine Chirurgin - ihre Patienten wohl fast ohne Betäubung damit operiert hat, eher gruselig.

Doch das liegt rund 2000 Jahre zurück. So alt sind die medizinischen Instrumente, die im Römisch-Germanischen Museum in Köln in der Ausstellung «Medicus - Der Arzt im römischen Köln» (12. Juni bis 1. November) zu sehen sind.

Ob Zahnärzte, Urologen oder Chirurgen - schon damals gab es für Patienten eine medizinische Rundum-Versorgung. Davon zeugen Gerätschaften wie Zahnzangen, Blasensteinhaken oder Knochenmeißel. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen 16 Arztgräber aus dem ersten bis vierten Jahrhundert nach Christus, die bei Ausgrabungen in Köln gefunden wurden. So viele Nachweise für Mediziner hätten Archäologen in keiner anderen Stadt des römischen Imperiums entdeckt, betont Museumsdirektor Marcus Trier. Die medizinische Versorgungsdichte in Köln sei mit schätzungsweise 280 Patienten pro Arzt damals fast so hoch gewesen wie heute.

«Die Instrumente sind sehr gut gearbeitet und muten erstaunlich modern an, manche tragen Stempel von spezialisierten Instrumentenmachern», sagt Ausstellungskuratorin Marion Euskirchen. Einige Teile sähen heute noch so ähnlich aus wie damals. «Viele der Instrumente waren von beiden Seiten nutzbar, um dem Arzt ein schnelles, effektives Arbeiten zu ermöglichen.»

Dosen und Flaschen mit gestempelten Aufschriften zeigen, welche Medikamente die Medici einsetzten. So fand sich im Grab eines Augenarztes ein Döschen mit einer Salbe aus Schöllkraut gegen Bindehautentzündungen.

Neben Funden aus Köln sind auch Leihgaben aus anderen Museen zu sehen, etwa ein einzigartiges komplettes Besteck für operative Schädelöffnungen aus Bingen. Der Schädel eines Mannes mit einem kreisrunden Loch über der Schläfe zeugt von einem Eingriff mit einer sogenannten Kronsäge, der vielleicht wegen unerträglicher Kopfschmerzen vorgenommen wurde. Allerdings hat der Patient diese Operation nicht überlebt, wie die unverheilten Wundränder zeigen.

Infos zur Ausstellung

Anzeige
Anzeige
Das könnte Sie auch interessieren

Buch

Vom Lehrplan gestrichen: "Wer die Nachtigall stört"

Jackson (dpa) Jugendliche im Süden des US-Bundesstaats Mississippi sollen zukünftig nicht mehr Harper Lees Klassiker "Wer die Nachtigall stört" in der Schule lesen. Nach Angaben der US-Büchereivereinigung ALA geschieht das nicht der erste Fall in den Vereinigten Staaten.mehr...

Kulturwelt

Judenhass per Postkarte: einzigartige Sammlung

Berlin (dpa) Die Sammlung ist der weltweit wohl größte Bestand antisemitischer Hetzbilder. In Berlin sollen daraus jetzt Lehren gegen Antisemitismus und Fremdenhass gezogen werden.mehr...

Bühne

Hausarrest für Serebrennikow verlängert

Stuttgart/Moskau (dpa) Weil ihn die russische Justiz seit Monaten am Arbeiten hindert, muss die Oper Stuttgart die erste Premiere der Spielzeit ohne den Regisseur Kirill Serebrennikow bestreiten. Einfallen lässt sie sich einiges, um an sein Schicksal zu erinnern.mehr...

Bühne

Drei Projekte von Milo Rau in Berlin

Berlin (dpa) Er gilt als "Skandal-Regisseur". Zuletzt sorgte sein Stück "Five Easy Pieces" für Aufsehen, in dem Kinder die Verbrechen des Kindermörders Marc Dutroux nachspielen. Jetzt plant Milo Rau drei Projekte in Berlin.mehr...

Buch

Dogan Akhanli kehrt nach Köln zurück

Madrid (dpa) Aus einer einwöchigen Reise durch Andalusien ist für den Kölner Schriftsteller ein zweimonatiger Zwangsaufenthalt geworden. Die spanischen Behörden folgten einem von Interpol unterstützten Haftbefehl der Türkei. Nun ist ein Buch daraus entstanden.mehr...

Buch

Man-Booker-Preis für US-Autor George Saunders

London (dpa) Ein US-Präsident führt Gespräche mit Geistern am Grab seines Sohnes. Für seinen Roman "Lincoln in the Bardo" bekommt George Saunders einen hohen Literaturpreis. Zum Schreiben kam er auf Umwegen.mehr...