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Aktuelles Sportstudio

So begründet das ZDF das "Verhör" von Peter Fischer

Dortmund Der Präsident von Eintracht Frankfurt spricht sich gegen Rassismus aus und muss sich dafür im "Aktuellen Sportstudio" mehrfach rechtfertigen. Für das ZDF "eine journalistische Selbstverständlichkeit."

So begründet das ZDF das "Verhör" von Peter Fischer

Sven Voss. Foto: ZDF und Ralph Orlowski

Was ist vor dem Auftritt im Sportstudio passiert?

Peter Fischer, Präsident von Eintracht Frankfurt, hatte in einem Interview mit der Frankfurt Allgemeinen Zeitung gesagt: "Ich werde auf der Mitgliederversammlung eine deutliche Position beziehen, dass es sich mit unserer Satzung nicht verträgt, AfD zu wählen. Es kann niemand bei uns Mitglied sein, der diese Partei wählt, in der es rassistische und menschenverachtende Tendenzen gibt." Eintracht Frankfurt sei als Gegner der Antisemiten bekannt und "von unserer Geschichte geprägt, die jedem bekannt sein sollte, der sich mit uns identifizieren möchte."

Daraufhin sprach die hessische AfD von "haltlosen Unterstellungen" und warf dem Präsidenten der Eintracht vor, er instrumentalisiere den Fußball und den Verein "für seine eigenen politischen Ansichten." Auf der angesprochenen Mitgliederversammlung wurde Fischer mit 99 Prozent wiedergewählt. Kritik an seinen Äußerungen gab es dort nicht. Er bekräftigte seine Aussagen noch einmal, schränkte nur ein, dass die politische Gesinnung der Eintracht-Mitglieder nicht geprüft werde, sondern erwartet werde, dass sich jedes Mitglied einer kritischen Selbstprüfung unterziehe.

Was passierte dann im Aktuellen Sportstudio?

Moderator Sven Voss befragt Fischer in dem siebzehnminütigen Interview sieben Minuten lang zum sportlichen Höheflug der Eintracht und zu den Gerüchten um Trainer Niko Kovac. Anschließend schwenkt der Moderator mit einer Frage zu Kevin-Prince Boateng, der sich immer wieder aktiv gegen Rassismus engagiert, zu Fischers Aussagen in dem Interview und seiner Wiederwahl um. Es folgt ein zehnminütiges "Verhör" wie es 11Freunde-Chefredakteur Philipp Köster in seiner Stern-Kolumne nannte.

Unterbrochen von einem Einspieler, in dem die AfD sich, wie Voss später selbst zugibt, "in der Opferrrolle sonnt" und einem Ausschnitt von Freiburg-Trainer Christian Streich, der bekräftigt, dass demokratisch gewählten Parteien und ihren Wählern Grundrechte nicht streitig gemacht werden dürften, stellt der Moderator folgende Fragen und Einwürfe:

Voss: 

  • "Brauchten Sie das Thema "Angriff auf die AfD" für Ihre Wiederwahl?"
  • "Ist leicht auf die AfD einzuschlagen oder?"
  • "Halten wir fest, Herr Fischer, dass es Ihrer Wiederwahl im Nachhinein nicht geschadet hat, dieses Thema aufzumachen"

Fragen im Beitrag: 

  • "Wie tolerant muss ein Vereinspräsident sein gegenüber Intoleranz."
  • "Warum das Engagement allein gegen die AfD und ihre sechs Millionen Wähler?"
  • "AfD-Mitglieder überzeugen oder sich von Ihnen distanzieren?"

Voss: 

  • "Ja spannende Frage. Würden Sie jetzt rückblickend sagen, es geht vielleicht doch zu weit, sechs Millionen AfD-Wähler als Rassisten zu bezeichnen oder auszuschließen?"
  • "Es richtet sich also gar nicht gegen die Wähler?"
  • "Dann müssten sich ja alle im Prinzip prüfen, dann müssten Sie ja alle ansprechen und sagen: So ist unsere Satzung! Sie hätten es ja auch so formulieren können: Jeder, der Rassist ist, jeder der homophob ist oder der sich für Gewalt ausspricht, der hat bei uns nichts zu suchen. Nein, sie haben explizit diese Partei angesprochen."
  • "Sie haben ja gesagt, ich werde denen nicht die Hand reichen."
  • "Sie haben natürlich in Kauf genommen, dass die AfD sich so ein bisschen in der Opferrolle sonnt."
  • "Also ist es sinnvoll, dass sich der Präsident eines Sportvereins auch politisch äußert und engagiert, seinen Mitgliedern ins Gewissen redet..."
  • "Auch hier bekommen Sie den Applaus. Vollkommen verständlich. Es ist immer ein bisschen gemein, Herr Fischer, wenn man jemanden mit alten Aussagen konfrontiert, aber es gab ja jetzt auch die Vorwürfe, Sie haben vielleicht auf dem linken Auge so eine kleine Sehschwäche. Wir haben ein Zitat, bitte nehmen Sie es uns nicht übel. "Das braune Pack sollte jede anständige Kurve selbständig aus dem Block prügeln. Das haben wir früher so gemacht, das wird in Frankfurt auch heute noch so gemacht. Und da bin ich stolz drauf." Gilt dieser Satz heute auch noch, das war 2013, oder müssen Sie da ein bisschen aufpassen?"

Fischer bleibt während der gesamten Zeit ruhig und kann alle kritischen Fragen entkräftigen, doch der Eindruck bleibt, dass Voss und die Redaktion des Sportstudios mit den Worten von Fischer nicht zufrieden ist und in ihm einen Populisten sieht, der die AfD als Trittbrett in Richtung Eintracht-Präsidium genutzt hat. Man kann sich das Ganze online hier noch einmal anschauen. 

Was gab es im Anschluss für Reaktionen?

Neben dem Kommentar von 11Freunde-Chefredakteur Philipp Köster, einem Beitrag auf Focus.de, der als "Rechtfertigungsrunde" überschrieben ist, wurde auch bei Sky90, der Talkrunde des Pay-TV-Senders Sky darüber gesprochen. Hier sprang Ewald Lienen Peter Fischer zur Seite. 

Hessische AfD-Mitglieder hatten angekündigt, jetzt erst recht Mitglied bei der Eintracht werden zu wollen. Diese Anträge lehnte der Verein allerdings ab. Der Verein bestätigte am Freitag eine entsprechende Mitteilung der AfD, wollte diese aber nicht kommentieren.

Wie reagierte das ZDF auf die Kritik?

In den sozialen Netzwerken bislang überhaupt nicht. Auf Nachfrage in der ZDF-Pressestelle antwortet ZDF-Sportchef Thomas Fuhrmann für die Redaktion: ""Es ist eine journalistische Selbstverständlichkeit, auch populäre Positionen von Gesprächspartnern zu hinterfragen. Nichts anderes ist im Gespräch mit Peter Fischer passiert. Es galt und gilt auch hier der Grundsatz: Als Journalist macht man sich nicht gemein mit einer Sache, auch nicht einer guten."

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