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So feiern Russlanddeutsche Weihnachten

Väterchen Frost und Jolka

Väterchen Frost und Snegurotschka, Jolka und Verkleidungen: Russlanddeutsche feiern Weihnachten mit besonderen Bräuchen. Die Scharnhorsterin Eleonora Faust erklärt sie.

SCHARNHORST

von Tobias Weskamp

, 23.12.2016
So feiern Russlanddeutsche Weihnachten

Väterchen Frost und seine Enkelin Snegurotschka bringen bei vielen Russlanddeutschen an Weihnachten die Geschenke. Auch Verkleiden steht vor allem bei Jugendlichen hoch im Kurs.

Mehr als 10.000 Russlanddeutsche leben in Dortmund, vor allem in Scharnhorst, aber auch in Hörde oder Nette. Für diese kann zu verschiedenen Zeiten Weihnacht sein. Es kommt darauf an, ob sie evangelischen, katholischen oder orthodoxen Glaubens sind. Orthodoxe feiern vom 6. auf den 7. Januar Weihnachten, alle anderen am 24. Dezember. "Grund für den Termin Anfang Januar ist der julianische Kalender", erklärt die Scharnhorsterin Eleonora Faust, Vorsitzende des Forums Dialog Russlanddeutscher Frauen in NRW.

Auch ein orthodoxer Gottesdienst wird zu Weihnachten besucht. Dieser dauert drei bis vier Stunden. Im Gegensatz zu katholischen oder evangelischen Gottesdiensten werden nur religiöse Lieder, keine Weihnachtslieder gesungen. "Frauen tragen ein Kopftuch. Außerdem steht man während der gesamten Dauer", erklärt Eleonora Faust. "Viele schauen sich auch eine Fernsehübertragung aus Moskau an", sagt sie.

Die Religion wurde unterdrückt

Silvester ist für viele ein Ersatz für Weihnachten. Grund war die Oktoberrevolution im Herbst 1917, die gewaltsame Machtübernahme durch die kommunistischen Bolschewiki. Die Religion wurde vielfach unterdrückt und Weihnachten durfte nicht religiös begangen werden. Um dies zu umgehen, verschoben sich weihnachtlichen Bräuche wie die Bescherung auf Silvester. Zu essen gibt es oft Gans oder Fisch, "nicht Würstchen und Kartoffelsalat, wie es in Deutschland üblich ist", sagt Eleonora Faust.

Jolka ist ein Fest vor allem für Kinder am 31. Dezember und heißt übersetzt Tannenbaum. Der Legende nach kommt Väterchen Frost (auch Djed Moros) mit seiner Enkelin Snegurotschka in einem von Pferden gezogenen Schlitten und bringt die Weihnachtsgeschenke. Diese bekommen die Kinder, wenn sie Väterchen Frost Gedichte aufsagen oder Lieder singen. "Außerdem wird um den Tannenbaum im Kreis gelaufen und gesungen", sagt Eleonora Faust.

Rötkäppchen, Schneewittchen, Musketier

Beliebt ist auch das Verkleiden, was bei vielen in Deutschland meist eher mit Karneval in Verbindung gebracht wird. Kinder schlüpfen in Kostüme von Rotkäppchen oder der Schneekönigin, verkleiden sich als Schneeflocke oder Musketier. Wie mit "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" oder "Dinner for One" zu Silvester gibt es auch im russischen Fernsehen bestimmte Filme. Eine Serie etwa heißt "Jolka" und geht mittlerweile in die fünfte Staffel. "Auch hierzulande wird sie von vielen über Satellit gesehen", sagt Eleonora Faust.

Der Jahreswechsel an Silvester wird von Russlanddeutschen oft mehrfach gefeiert. Grund sind die unterschiedlichen Zeitzonen. "Dann stoßen wir auf das neue Jahr an. Feuerwerk zünden wir gerne, Bleigießen gibt es bei uns dagegen nicht", sagt Eleonora Faust. "Und wer immer noch nicht genug vom Feiern hat, hat am 13. Januar zum letzten Mal Gelegenheit dazu", sagt sie. Der Tannenbaum steht in russlanddeutschen Familien bis zu diesem Tag. 

Eleonora Faust ist Vorsitzende des Forums Dialog Russlanddeutscher Frauen in NRW. Der Verein setzt sich für Belange der Frauen, Familien, Kindern, Jugend und Integration ein.
Es werden unter anderem Reisen unternommen und Seminare abgehalten.