Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung
Anzeige
Anzeige

So schön wie noch nie: „Der Himmel über Berlin“

Berlin. Dreimal war Wim Wenders für einen Oscar nominiert. „Der Himmel über Berlin“ gilt als eines seiner Meisterwerke. Jetzt kommt der Film neu restauriert ins Kino.

So schön wie noch nie: „Der Himmel über Berlin“

Schutzengel Damiel (Bruno Ganz) wird wegen seiner Liebe zu einer Trapezkünstlerin zum Menschen. Foto: StudioCanal

Es ist eine der schönsten Liebeserklärungen an Berlin, die es gibt. Wim Wenders' Kinomärchen „Der Himmel über Berlin“ ist eine poetische Hommage, die die Stimmung in der geteilten Stadt mit viel Wehmut und wunderschön komponierten Bildern einfängt.

Der Film wurde nach seinem Erscheinen 1987 mit Preisen überhäuft und gilt bis heute weltweit als Kult. 30 Jahre später kommt die Geschichte von einem Engel, der für die Liebe auf seine Unsterblichkeit verzichtet, in einer aufwendig restaurierten Fassung wieder neu in die Kinos - in höchster Auflösung digitalisiert und mit dem heute üblichen Surround Ton.

Das Faszinierende: Die Qualität des Films ist jetzt so gut wie bisher noch nie. „In seiner digitalen Restaurierung hat „Der Himmel über Berlin“ seine Kindheit wiederentdeckt - oder zumindest die Unschuld seines ursprünglichen Negativs“, so formuliert es der 72-jährige Filmemacher Wenders im Presseheft zu seinem Projekt.

Grund dafür ist das Farbkonzept, das Wenders („Paris, Texas“) und sein legendärer französischer Kameramann Henri Alekan („Die Schöne und die Bestie“) damals entwickelten. Alle Passagen, in denen die beiden Schutzengel Damiel (Bruno Ganz) und Cassiel (Otto Sander) die Menschen in Berlin unsichtbar begleiten, sind in Schwarz-Weiß gedreht. Erst am Schluss, als Damiel wegen seiner Liebe zur Trapezkünstlerin Marion (Solveig Dommartin) Mensch wird, wechseln die Bilder ins Bunte.

Wegen der damaligen analogen Technik mussten die ursprünglichen Negative im Kopierwerk getrennt gehalten und mehrmals dupliziert werden, ehe sie schließlich auf einem endgültigen Farbnegativ zusammenkamen, erläutert Wenders. „So waren aus filmtechnischen Gründen alle Kopien, auch die Festivalkopie in Cannes, letztlich sechs Generationen (!) vom Originalnegativ entfernt, was zu erheblichen Einbußen an Schärfe und Kontrast führte.“

Die Restaurierung gehört zu einem umfassenden Projekt der Wim Wenders Stiftung. Die Experten griffen dabei auf die ursprünglichen Negative des Kameramanns zurück. In fast einjähriger Arbeit wurden die unzähligen kleinen Filmrollen in der Superauflösung 4K (Ultra HD) gescannt, retuschiert und von Grund auf neu lichtbestimmt. „Die versunkene Stadt von damals stieg wirklich noch einmal vor unseren Augen auf, mit ihrem melancholischen Lebensgefühl und ihrem Blues“, schreibt Wenders.

Und so können denn auch die Zuschauer diese Zeitreise noch einmal neu erleben: vom Aussichtspunkt der Engel auf der Berliner Siegessäule bis zu den Wunden der geteilten Stadt am Potsdamer Platz; von der Begegnung mit dem Lebensmüden auf dem Hochhaus bis zum Treffen mit dem Ex-Engel und „Columbo“-Darsteller Peter Falk - immer begleitet von einer kunstvollen Toncollage, für die Peter Handke mit am Drehbuch schrieb. Zugleich wird in den 127 Kinominuten aber auch deutlich, wie sehr sich die Sehgewohnheiten seither beschleunigt haben.

In Cannes gewann „Der Himmel über Berlin“ 1987 den Preis für die beste Regie. Es folgten der Deutsche Filmpreis in Gold, der Bayerische und der Europäische Filmpreis. Andererseits zählt etwa das Magazin „Rolling Stone“ den Titel zu den meistüberschätzten Filmen aller Zeiten („Edelkitsch“). Für die restaurierte Fassung gab es nach der Uraufführung im Februar bei der Berlinale indes großen Applaus.

- Himmel über Berlin, BRD/Frankreich 1987, 127 Min., FSK ab 6, von Wim Wenders, mit Bruno Ganz, Otto Sander, Solveig Dommartin.

THEMEN

Anzeige
Anzeige
Das könnte Sie auch interessieren

Filmbesprechung

„Deadpool 2“: Ein Superheld mit grenzenloser Ironie

Berlin. Ein selbstironischer Antiheld, eine actionreiche Story: „Deadpool 2“ knüpft da an, wo der erste Film aufgehört hat. Daraus ist ein erfrischend witziger, knalliger Actionfilm geworden. In mancher Hinsicht bleibt die Comic-Verfilmung aber hinter ihren Möglichkeiten zurück.mehr...

Filmbesprechung

„Nach einer wahren Geschichte“: Roman Polanski eher schwach

Hamburg. In seinem neuen Film „Nach einer wahren Geschichte“ erzählt Roman Polanski von der kontraproduktiven Beziehung zweier Frauen. Das ist im Anbetracht allzu bekannter Versatzstücke ziemlich beliebig.mehr...

Filmbesprechung

„Wohne lieber ungewöhnlich“: Geschwister-WG

Berlin. Heiraten, Kinder kriegen, scheiden lassen - und wieder von vorn: In dieser Pariser Familie wird der Patchwork-Wahnsinn auf die Spitze getrieben. Doch dann haben die sieben Halbgeschwister die Kapriolen ihrer Eltern satt. Sie gründen einfach eine WG.mehr...

Filmbesprechung

„The Cleaners“: Die Putzkolonnen des Internets

Berlin. Gewalt und Terror-Propaganda verschwinden nicht von allein aus dem Netz. Die großen Online-Plattformen beschäftigen dafür Zehntausende Menschen, die zum Teil unaussprechliches zu sehen bekommen. Ein Dokumentarfilm stellt einige von ihnen vor.mehr...

Filmbesprechung

„Maria by Callas“ - Bewegender Dokufilm

Berlin. Maria Callas hat die Höhen und Tiefen des Ruhms wie kaum jemand anderes erlebt. Ein berührender Dokumentarfilm lässt die vor gut 40 Jahren gestorbene „Primadonna Assoluta“ nun selbst zu Wort kommen.mehr...

Filmbesprechung

Emily Mortimer als Buchhändlerin Florence Green

Stuttgart. Wenn ein Buch verfilmt wird, hat er der Film bei Kritikern oft schwer. Noch komplizierter wird es, wenn ein Buch über Bücher verfilmt wird. „Der Buchladen der Florence Green“ ist so ein Fall.mehr...