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Softie-Folk fürs Gemüt: Dan Billu und S. Carey

Berlin. Es ist gar nicht so einfach, sich als Singer-Songwriter im überlaufenen Spielfeld des Indie-Folks zu etablieren. Der Israeli Dan Billu und der US-Musiker Sean Carey versuchen es mit einigem Erfolg.

Der eine hat in Berlin an seinem Album gebastelt, der andere in einem abgelegenen Kaff im US-Bundesstaat Wisconsin. Aber ansonsten haben Dan Billu und Sean Carey - der unter dem verkürzten Alias S. Carey firmiert - einiges gemeinsam.

Zum Beispiel das Genre, dem sie sich zuordnen lassen: Neo- oder Indie-Folk - also die breite Schublade, in die alles von Mumford & Sons über Fleet Foxes und Bon Iver bis zu Jose Gonzalez und Sufjan Stevens reinpasst. Gemeinsam haben beide zudem eine leicht nerdig wirkende Tüftler-Art, mit der sowohl der Israeli Billu als auch der Amerikaner Carey an ihren Klangbildern malen.

„Speech Bubbles“ (IMU Records) von DAN BILLU ist die größere Überraschung, denn diesen Namen kannte man vorher hierzulande noch nicht. „Ein 34 Jahre alter Singer-Songwriter, Komponist und Produzent aus Tel Aviv, der seit dem Jahr 2013 in Berlin lebt“, verrät ein Infoblatt. In Israel erschien 2012 sein erstes selbstproduziertes, fast komplett alleine eingespieltes Soloalbum „New Haircut“, in dem sich Folk, Progressive- und Psychedelic-Rock, aber auch Jazz und Neo-Klassik als Ingredienzen fanden.

Die Songs für „Speech Bubbles“ nahm Billu nun also teilweise in Berlin auf. „Ich spürte, dass dort Kunst und Kreativität willkommen sind, dass das der richtige Ort für eine neue Geschichte ist“, sagt der Musiker über die Entscheidung für die deutsche Hauptstadt, die vor einigen Jahren bereits einem anderen Singer-Songwriter aus Israel, dem wunderbaren Oren Lavie, zur künstlerischen Wahlheimat geworden war.

Billu mischte seinen im Kern akustisch-gitarrenbasierten neuen Liedern Loops, Synthie-Spuren und allerhand elektronische Klacker- oder Knister-Sounds bei. Bläser und ein Streicher-Trio polstern die allesamt sehr melodischen Lieder aus. Dazu singt Billu mit warmer Stimme zu nicht immer vorhersehbaren und daher stets reizvollen Harmonien. Songs wie das zentrale „Stuntmen“ oder der machtvolle Closer „Choirboy“ müssen sich vor britischen, US-amerikanischen oder kanadischen Indie-Folk-Vorbildern jedenfalls nicht verstecken.

Für S. CAREY ist „Hundred Acres“ (Jagjaguwar/Cargo) bereits das dritte Studioalbum nach „All We Grow“ (2010) und „Range Of Light“ (2014). Bekannt wurde er vor allem als Drummer und Mitsänger von Bon Iver, dem zuletzt vom Indie-Folk zum Elektropop konvertierten Projekt des Singer-Songwriters Justin Vernon.

Wer den puren Folkpop-Schönklang hinter all den Störgeräuschen und Beats des jünsten Bon-Iver-Albums nicht mehr fand, dürfte mit „Hundred Acres“ glücklich werden. Mittels Gitarren, Synthesizern, Pedal Steel, Streichern und milder Percussion verabreicht Carey, der auch noch über eine ähnlich sanfte Tenor- und Falsettstimme wie Vernon verfügt, eine fast 40 Minuten lange akustische Streicheleinheit.

Das mit einem Video ausgekoppelte, prachtvolle „More I See“ ist der Höhepunkt eines ultra-harmonischen Albums, das nie über ein mittleres Tempo hinausgeht. Klingt ein bisschen langweilig, und das Ergebnis bleibt im Vergleich zu Dan Billus mutigerem Album auch tatsächlich recht konventionell - aber mit seiner wohltuenden Wirkung ist „Hundred Acres“ nicht zu unterschätzen.

Konzerte Dan Billu: 20.3. Hamburg, Freundlich und Kompetent, 22.3. Chemnitz, Lokomov, 24.3. Berlin, Prachtwerk, 7.4. Leipzig, Noch Besser Leben

Konzerte S. Carey: 21.9. Berlin, Privatclub, 23.9. Wien, Chelsea, 24.9. München, Ampère, 25.9. Dudingen/Schweiz, Bad Bonn, 26.9. Köln, Gebäude 9

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