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Europaparlament

Sonneborns Spaß-Partei ergattert einen Sitz

Berlin "Schwarzfahren muss bezahlbar bleiben", "Nein zum EU-Norm-Penis" - mit diesen Forderungen war "Die Partei" von Satiriker Martin Sonneborn bei der Europawahl angetreten. Die sensationelle Quittung: Ein Sitz im Europaparlament. Was die Satire-Partei nun damit anfangen will, steht auch schon fest.

Sonneborns Spaß-Partei ergattert einen Sitz

Seine Partei schickt zwei Direktkandidaten in das Landtagswahlrennen in Münster: der "Partei"-Chef und Satiriker Martin Sonneborn

Einführung der Faulenquote, eine Million Euro Existenzmaximum (pro Person) und ein Wahlalter zwischen 12 und 52: Das sind nur einige Punkte aus dem Programm, mit dem «Die Partei» zur Europawahl angetreten ist. 184.525 Bundesbürger (0,6 Prozent) fanden das offenbar so witzig, dass sie ihr Kreuz der Satire-Vereinigung schenkten. Was wohl niemand gedacht hätte: Das reicht für einen Sitz im Europaparlament. Und nun?

Kaum gewählt, denkt Sonneborn schon wieder an Abschied: Der einzige Europaparlamentarier der Satire-Partei «Die Partei» will bereits nach einem Monat sein Mandat wieder abgeben. «Ich werde mich vier Wochen lang intensiv auf meinen Rücktritt vorbereiten», sagte Martin Sonneborn der Deutschen Presse-Agentur.

Berlin/Straßburg Erster Stimmungstest nach der Bundestagswahl ohne klaren Sieger: Das Europa-Votum bestätigt in Deutschland Merkels Union zwar als Nummer eins - doch die CSU büßt kräftig ein. Rechts davon erstarken die Euroskeptiker. Und EU-weit sind Rechtsaußen-Parteien im Aufwind.mehr...

Der frühere Chefredakteur der Satirezeitschrift «Titanic» erklärte, damit eine Rotation einleiten zu wollen. «Wir werden versuchen, monatlich zurückzutreten, um 60 Parteimitglieder durchzuschleusen durch das EU-Parlament. Das heißt, dass jedes dieser Mitglieder einmal für 33 000 Euro im Monat sich Brüssel anschauen kann und dann zurücktritt und noch sechs Monate lang Übergangsgelder bezieht. Wir melken also die EU wie ein kleiner südeuropäischer Staat.» Seltsam findet der Real-Satiriker das alles jedoch nicht: «Ich glaube nicht, dass wir die Verrücktesten sind im Europaparlament.»

Die Gruppierung um Mastermind Sonneborn wurde 2004 von Redakteuren des Satiremagazins «Titanic» gegründet. Ihr Name setzt sich aus den Anfangsbuchstaben dieser Begriffe zusammen: Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative. Im Jahr nach ihrer Gründung begann «Die Partei» an Wahlen auf praktisch allen Ebenen teilzunehmen. Nicht unberüchtigt sind ihre Wahl-Spots: 2013 war es ein verpixelter TV-Softporno, zur Europawahl 2014 verweigerten WDR und SWR die Ausstrahlung eines Radio-Spots. Das Wahlprogramm für die Europawahl unterschied sich nur geringfügig von dem der Bundestagswahl 2013 (zentraler Punkt: Wiederaufbau der Berliner Mauer). Die Gruppierung betreibt im Wesentlichen politische Parodie sowie die Simulation echter Politik und ihrer Wahlkämpfe. Viele finden das launig, gelungen und sehr lustig, andere unsinnig und schlicht stumpf.

Die ernsthafteren Analysen bescheinigen der «Partei» eine gelungene Systemkritik: Es gelinge ihr, die Austauschbarkeit politischer Positionen und einen oft inhaltsleeren, in Phrasen erstarrten politischen Prozess durch gelungene Null-Aussagen zu karikieren und vorzuführen: «Nein zum EU-Norm-Penis», «Schwarzfahren muss bezahlbar bleiben» - auch das waren Forderungen aus dem Wahlkampf.

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