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„Tatort“: Dunkle Zeit

Sonntags-Krimi im Sammelbecken rechter Kräfte

Berlin Der Rechtspopulismus in Deutschland ist Thema eines packenden „Tatort“-Falls. In „Dunkle Zeit“ ermitteln die Bundespolizisten Falke und Grosz am Sonntag um 20.15 Uhr im Umfeld einer scharfzüngigen Parteivorsitzenden. Besonders brisant ist, dass es durchaus Parallelen zur Wirklichkeit gibt.

Sonntags-Krimi im Sammelbecken rechter Kräfte

Grosz (Franziska Weisz) und Falke (Wotan Wilke Möhring) suchen Paula - Szene des „Tatort: Dunkle Zeit“. Foto: NDR/ARD/dpa

Stets nah am gesellschaftlich-politischen Puls der Zeit sein - der Anspruch zeichnet die „Tatort“-Krimis aus. So gerät die Reihe immer wieder zum Schauplatz von Geschehnissen, die aktuelle Debatten spiegeln. Ein prägnantes Beispiel dafür ist der nächste Fall „Dunkle Zeit“ am Sonntag um 20.15 Uhr im Ersten.

Nach dem Buch und unter der Regie von Niki Stein („Rommel“) ermittelt das Bundespolizisten-Duo Falke (Wotan Wilke Möhring) und Grosz (Franziska Weisz) im Milieu einer rechtspopulistischen Partei im Wahlkampf.

Noch mehr Brisanz nach der Bundestagswahl

Gedreht bereits im Frühjahr, hat der Film mit dem Einzug der AfD in den Bundestag noch an Brisanz gewonnen. Denn Parallelen gibt es viele. Dennoch weicht die packende und komplexe Thriller-Handlung natürlich auch wesentlich von der Realität ab.

Rechte und linke Gewalt, Verführbarkeit und Fanatismus, Hass und Verrohung, Demagogie und Demokratie sind Aspekte der differenzierten und keinesfalls einseitig polemischen Produktion der Cinecentrum Hannover im Auftrag des Norddeutschen Rundfunk (NDR). Dabei ist die Rolle der kühlen und schlagfertigen Parteivorsitzenden der Neuen Patrioten (DNP), Nina Schramm, mit der beliebten Anja Kling überzeugend gegen den Strich besetzt.

Mann der Spitzenkandidatin stirbt bei Anschlag

Die 47-Jährige, sonst oft in heiteren Rollen zu sehen, trifft punktgenau einen verführerischen Populisten-Ton, in dem sich Aggressivität mit einer gewissen Weinerlichkeit mischt. Die Geschichte setzt ein, als Falke und Grosz den Auftrag erhalten, die Spitzenkandidatin und ihren älteren Ehemann Richard (Udo Schenk), ein Ex-General, der die Partei einst mitbegründet hat, persönlich zu schützen. Denn im Internet sind anonyme Videobilder aufgetaucht, die einen Anschlag durch Linksradikale auf die beiden befürchten lassen.

Tatsächlich kommt Richard in Ninas Wagen bei der Explosion einer Autobombe ums Leben. In der Zwischenzeit befindet sich die Vorsitzende auf einem kurzfristig anberaumten Termin mit ihrem Generalsekretär Reinders (Ben Braun), mit dem sie eine Affäre hat. Der TV-Zuschauer hat kurz zuvor erfahren, dass ihr Ehemann von dem Verhältnis weiß und seine Frau „hochgehen“ lassen wollte.

Für die geht jedoch der Wahlkampf weiter. Während eines Auftritts in einer Halle im niedersächsischen Uelzen machen Linksautonome davor Krawall. Später stellt sich heraus, dass während der Tumulte die Bombe am Auto platziert wurde. Die Bilder einer Überwachungskamera wurden allerdings nicht der Polizei, sondern einem rechten Blogger (Wilfried Hochholdinger) zugespielt.

Teamgeist mit Grenzen

Die DNP bekommt außerdem Ärger durch eine investigative Journalistin (Tatiana Nekrasov), die der Partei Unregelmäßigkeiten bei deren Abrechnungen mit Brüssel vorwirft. Ein zweiter Handlungsstrang bringt die militante Aktivistin Paula (Sophie Pfennigstorf) ins Spiel, die auf der Suche nach Unterkunft bei den Autonomen im Bett mit dem unbedarften Vincent (Jordan Dwyer) landet. Dass sie noch völlig andere Ambitionen hat, verkennt der Jüngling. All diese und noch weitere Aspekte führt der „Tatort“-Veteran Stein („Der Inder“) zu einem dramatischen Showdown zusammen.

Ängste und gesellschaftliche Spannungen werden dabei genauso herausgearbeitet wie die Konflikte innerhalb der DNP, die sich von einer Partei der Professoren zum rechten Sammelbecken mit modernem Anstrich gewandelt hat. Bauchmensch Falke, der aus Hamburgs ärmerem Viertel Billstedt stammt, kann seine Aversion gegen die Populisten kaum verhehlen. So lässt er sich schon mal zu einem Nazi-Vergleich hinreißen.

Grosz, noch immer unter ihrem Afghanistan-Trauma leidend, arbeitet professioneller. Zwischen den beiden kommt in ihrem dritten gemeinsamen Fall langsam so etwas wie Teamgeist auf - in begrenztem Umfang: Als Falke seiner Kollegin das Du anbietet, lehnt sie ab.

dpa

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