Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung
Anzeige
Anzeige

Sorge nach Start von iranischer Trägerrakete

Washington/Teheran/Berlin/Tel Aviv (dpa) Nach dem Start einer weiterentwickelten iranischen Trägerrakete vom Typ «Safir Omid» (Hoffnungsbote) haben die USA und Israel besorgt reagiert.

Sorge nach Start von iranischer Trägerrakete

Die vom Iran entwickelte Trägerrakete vom Typ «Safir Omid» (Hoffnungsbote) wurde ins All geschossen. (Archivbild)

«Dass die Iraner Raketen entwickeln und testen ist beunruhigend und wirft Fragen über ihre Absichten auf», sagte US-Regierungssprecher Gordon Johndroe am Sonntag (Ortszeit) in Washington. Die Bundesregierung reagierte mit Kritik. Falls die Meldungen über den Raketenstart zutreffen sollten, sei dies kein Beitrag, um zerstörtes Vertrauen zwischen Deutschland und Teheran wieder aufzubauen, teilte das Auswärtige Amt (AA) in Berlin mit.

Derweil erklärte der iranische Verteidigungsminister Mostafa Mohammed Nadschar, der Raketenstart diene rein wissenschaftlichen Zwecken. Er warf den «Feinden des Irans» vor, die «wissenschaftlichen Errungenschaften» seines Landes als militärische Schritte zu verunglimpfen. Nach iranischen Angaben stand der Test vom Wochenende im Zusammenhang mit der Vorbereitung eines ersten eigenen Satelliten-Transports in den Weltraum.

In Israel löste der Start gemischte Reaktionen von Besorgnis bis zum Herunterspielen möglicher Gefahren aus. Die israelische Regierung wollte den Test zunächst nicht kommentieren. Der israelische Rundfunk zitierte einen Regierungsbeamten, wonach der Raketenstart kein Grund zur Panik bedeute. Der Test sei eher eine Warnung für Europa als für Israel, das sich bislang schon in Reichweite iranischer ballistischer Raketen befunden habe. Der ehemalige Direktor der israelischen Raumfahrtbehörde, Jizhak Ben-Israel, sagte dem Rundfunk, dass der Iran sowohl die USA als auch Israel von einem Angriff auf die eigenen Atomanlagen abhalten wolle.

Die Fähigkeit, Satelliten ins All zu bringen, markiert einen erheblichen Fortschritt im iranischen Raketen- und Raumfahrtprogramm. Die Technik bildet auch eine Voraussetzung zum Bau strategischer Waffen, die Sprengköpfe an jeden Punkt der Welt transportieren könnten. Das Raketenprogramm Teherans wird daher in vielen Ländern mit Sorge betrachtet. Westliche Regierungen befürchten, dass der Iran unter dem Deckmantel der friedlichen Kernenergie-Nutzung für diese Raketen nukleare Sprengköpfe herstellen will.

Die iranische Nachrichtenagentur IRNA zitierte dagegen Verteidigungsminister Nadschar, es handele sich bei dem Raketen-Start um ein wissenschaftliches Projekt und keineswegs um ein militärisches Unterfangen, wie die Feinde seines Landes behaupteten.

Die jetzt verwendete Rakete vom Typ «Safir Omid» ist eine Weiterentwicklung der «Kavoshgar 1» (Forscher), die erstmals im Februar getestet worden war. Die Bilder vom Start in der Nacht zum Sonntag wurden im iranischen Fernsehen mit patriotischen Liedern unterlegt. 2005 war der erste iranische Satellit noch mit russischer Technik ins All gebracht worden.

Seit Jahren hat der Iran ein strategisches Raketen-Arsenal aufgebaut. Auf der Basis hauptsächlich von Nordkorea gelieferter Scud-Raketen wurden bis zu 750 Schahab («Komet»)-Kurzstrecken-Raketen entwickelt. Schahab-1 und Schahab-2 haben mehrere hundert Kilometer Reichweite. Bis zu 2000 Kilometer - und damit weit über Israel hinaus bis in den Mittelmeerraum - reicht die aus der nordkoreanischen Nadong entwickelte Schahab-3. An einer noch weiter reichenden Schahab-4-Rakete wird nach iranischen Angaben bereits gebaut.

THEMEN

Anzeige
Anzeige
Das könnte Sie auch interessieren

Politik

Obama wirbt bei Golfstaaten für Iran-Abkommen

Camp David/Wien (dpa) Die US-Verbündeten im Golf sind nervös wegen des geplanten Atomabkommens mit dem Iran. Bei einem Gipfel in Camp David konnte der US-Präsident ihre Sorgen offenbar ein wenig zerstreuen. Doch die Zeit bis zu einem endgültigen Deal wird knapp.mehr...

Politik

Deutschland und Israel betonen Freundschaft

Berlin (dpa) Mit großer Herzlichkeit wird Israels Präsident Rivlin in Deutschland begrüßt. Die Freundschaft zwischen beiden Ländern erscheint unverbrüchlich. Aber in wichtigen Fragen ist man sich uneinig.mehr...

Politik

Gedenken an die Opfer des Holocaust

Tel Aviv/Jerusalem/Auschwitz (dpa) Bewegende Momente in Israel: Als die Sirenen heulen, steht das Land still. Die Menschen gedenken der sechs Millionen Opfer des Holocaust. In Polen mahnen Überlebende in Auschwitz gegen das Vergessen. 10 000 beteiligen sich am «Marsch der Lebenden».mehr...

Politik

Weiteres deutsches U-Boot für Israel

Berlin (dpa) Israel sieht die Lieferung deutscher U-Boote als wichtiges Zeichen der Abschreckung an Staaten wie den Iran. Hierzulande sind die mit Steuergeldern geförderten Exporte dagegen hoch umstritten. Die Bundesregierung steht dennoch zu ihren Versprechen.mehr...

Politik

Netanjahu kämpft im US-TV gegen Atom-Einigung mit dem Iran

Washington (dpa) Netanjahu auf allen Kanälen: Gleich in mehreren US-Talkshows macht der israelische Regierungschef Front gegen die Iran-Vereinbarung. Dabei hat er offensichtlich auch den Washingtoner Kongress im Blick. Indessen muss der Iran auch die Sorgen der arabischen Nachbarländer ausräumen.mehr...

Politik

Papst lobt bei Osterfeiern die Atomvereinbarung mit Iran

Rom (dpa) Trotz strömenden Regens verfolgen Tausende Pilger die Ostermesse mit dem Papst. In seiner Osterbotschaft würdigt Franziskus den Atomdeal mit dem Iran - und erinnert an die Situation im Nahen Osten.mehr...