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Sozialwissenschaftlerin: Beschimpfungen gehören zur Jugendkultur

Darmstadt/Berlin (dpa) Dem tödlichen Schlag gegen die Studentin Tugce sind üble Pöbeleien vorausgegangen. Was manchen Zuschauer in dem Darmstädter Prozess schockiert, ist nach Einschätzung einer Expertin kein neues Phänomen. Es ist Teil von Jugendkulturen.

Sozialwissenschaftlerin: Beschimpfungen gehören zur Jugendkultur

Kerzen und Fotos erinnern in Offenbach an Tugce A. Foto: Boris Roessler

Schwere Beleidigungen standen nach Aussage von Zeugen am Anfang der Eskalation zweier Gruppen, die im Vorjahr zu Tod der Studentin Tugce führte.

Beschimpfungen unter jungen Leuten seien aber kein neues Phänomen, sagt die Leiterin des Archivs der Jugendkulturen in Berlin, Gabriele Rohmann. «Dieses Verhalten von Jugendlichen zieht sich durch die Jahrzehnte des letzten Jahrhunderts mit unterschiedlichen Ausformungen.» Jugendliche seien früher allerdings stärker darauf bedacht gewesen, herabsetzende Wörter nicht in Anwesenheit Erwachsener zu gebrauchen. «Es gibt schon Verrohungserscheinungen, die auch mit gesellschaftlichen Entwicklungen zu tun haben», erläutert die Sozialwissenschaftlerin.

Der Prozess gegen Sanel M. wegen der Gewalttat geht am Mittwoch (3. Juni) weiter. Der 18-Jährige ist wegen Körperverletzung mit Todesfolge angeklagt. Ihm wird vorgeworfen, der 22 Jahre alten Studentin Tugce im November 2014 auf dem Parkplatz eines Fast-Food-Lokals im hessischen Offenbach so heftig ins Gesicht geschlagen zu haben, dass sie stürzte, mit dem Kopf hart aufschlug und später starb.

Beleidigungen seien keine Erfindung Jugendlicher, sondern sie lernten diese von Erwachsenen. Schon Grundschüler schnappten Schimpfwörter auf und nutzten sie, ohne immer die Bedeutung zu kennen. «Irgendwann merken sie dann, das hat eine Wirkung und setzten sie gezielter ein», sagt Rohmann.

Junge Leute im Alter von Tugce und dem Angeklagten Sanel M. wollten andere mit Pöbeleien dagegen stoppen oder kränken. In Konfliktsituationen - so wie es sie im Fall Tugce wohl auf dem Parkplatz eines Schnellrestaurants in Offenbach gab - gehe es oft darum, mit Beschimpfungen Stärke und Dominanz zu zeigen. Nach dem Motto: «Wer ist der- oder diejenige, der oder die mehr zu sagen hat?»

Welches Schimpfwort genutzt wird, hänge mit der Sozialisation, dem Habitus, dem Wissen und dem kulturellen Kontext zusammen. «Jemand, der die Mutter als sehr zentral, rein und untouchable (unantastbar) wahrnimmt, den trifft das härter, wenn jemand «Hurensohn» sagt.» Auch die Musik, die viele Jugendliche hörten, sei voll mit Schimpfwörtern. «Damit wird aber auch gespielt in den Jugendbewegungen», betont Rohmann. So könne ein Begriff wie «Bitch» - übersetzt aus dem Englischen kann das Miststück oder Schlampe heißen - herabsetzend verwendet werden, aber auch für emanzipierte, starke Frauen stehen.

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