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Gutachter macht Polizei mitverantwortlich

Spätes Eingreifen begünstigte Silvesternacht-Exzesse

DÜSSELDORF Die massenhaften Übergriffe auf Frauen in der Kölner Silvesternacht sind nach Ansicht eines Gutachters durch das späte Eingreifen der Polizei begünstigt worden. Die Täter hätten den Bereich um den Kölner Dom stundenlang als rechtsfreien Raum erlebt, schreibt der Rechtspsychologe Prof. Rudolf Egg in einem am Mittwoch vorgestellten Gutachten an den Untersuchungsausschuss des NRW-Landtags.

Egg hat 1022 Strafanzeigen von Opfern der Kölner Silvesternacht ausgewertet. Dass kleinere Tätergruppen stundenlang Frauen drangsalieren und bestehlen konnten, habe die übrige Menge wohl entfesselt.

Die mehreren Hundert Männer mutmaßlich nordafrikanisch-arabischer Herkunft seien wahrscheinlich durch Mundpropaganda oder soziale Netzwerke lose verabredet oder eingeladen gewesen, den Jahreswechsel im Bereich des Kölner Hauptbahnhofs zu verbringen. Die Straftaten seien dann zunächst von einzelnen kleineren Gruppen begangen worden, wie sie aus der Trickdieb-Szene bekannt seien.

Sexuelle Übergriff in Silvesternacht

Kölner Polizei sucht mit Fotos nach Verdächtigen

KÖLN Nach den Übergriffen in der Kölner Silvesternacht haben die Ermittler weitere Fahndungsfotos von mutmaßlichen Sexualstraftätern veröffentlicht. Sie werden verdächtigt, in der Nacht im Gedränge drei junge Frauen „sexuell angegangen“ zu haben, wie Polizei und Staatsanwaltschaft am Dienstag mitteilten.mehr...

Nachdem die übrige Menge erlebt habe, dass in der Dunkelheit und Anonymität gefahrlos Straftaten begangen werden konnten, habe dies wohl einen Sogeffekt ausgelöst und die Hemmungen bei den Übrigen herabgesetzt.

Egg hatte 1022 Strafanzeigen von Opfern der Silvesternacht ausgewertet. Mehrere Frauen hätten sich dabei ausdrücklich über die Untätigkeit der anwesenden Polizisten beklagt. Ein syrischer Arzt habe als Zeuge ausgesagt, dass er von einem vermutlich aus Libyen stammenden Mann aufgefordert worden sei, mitzumachen und die „Ungläubigen“ zu bestehlen.

Neuartiges Phänomen in der Geschichte Deutschlands

Der Sachverständige Egg stufte die massenhaften sexuellen Übergriffe der Silvesternacht als neuartiges Phänomen in der Geschichte der Bundesrepublik ein. Mehrere Medien hatten zuvor aus dem Gutachten zitiert.

Ein möglichst rasches Eingreifen wäre erforderlich gewesen, um die Flut von Taten einzudämmen. Die Räumung des Platzes kurz vor Mitternacht sei vermutlich deutlich zu spät erfolgt und habe keine nennenswerte abschreckende Wirkung mehr entfaltet. Ein großer Teil auch der Sexualtaten habe sich bereits zwischen 20.30 und 23.35 Uhr ereignet.

DÜSSELDORF NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft hat vor dem Untersuchungsausschuss zur Kölner Silvesternacht ausgesagt, Vorwürfe zurückgewiesen, aber auch Fehler eingeräumt. Ihre Aussage reiht sich in eine lange Reihe von Ereignissen seit Beginn der Aufarbeitung ein. Die Übergriffe in der Silvesternacht - und was seitdem geschah:mehr...

Die Übergriffe in Köln hatten weitreichende Konsequenzen. Vor allem die Polizei musste für ihren Einsatz viel Kritik einstecken. Polizeipräsident Wolfgang Albers wurde in den Ruhestand versetzt. In der Nacht waren Frauen massenhaft drangsaliert, ausgeraubt und sexuell belästigt worden. Danach gingen weit mehr als 1000 Anzeigen ein. Viele Beschuldigte kommen aus Algerien und Marokko.

Aus der Polizeiführung wurde mehrfach darauf hingewiesen, dass es keine Hinweise auf das gegeben habe, was sich in der Nacht am Kölner Dom ereignete.

Opfer konnten Täter oft nicht identifizieren

Die juristische Aufarbeitung der Vorkommnisse gilt wegen der chaotischen Zustände in der Nacht als schwierig. Oft konnten die Opfer die Täter nicht identifizieren. Bei den ersten Gerichtsurteilen ging es meist um Delikte wie Diebstahl, Hehlerei und Raub. Erst Anfang Juli wurde in Köln erstmals ein Angeklagter wegen eines Sexualdelikts verurteilt. Dass sich die Männergruppe am Hauptbahnhof vorher über soziale Netzwerke ausgetauscht hatte, hatte Kölns neuer Polizeipräsident Jürgen Mathies schon im Februar in einem dpa-Interview als Annahme formuliert: „Einzelne haben da wohl gesagt: „Wir fahren nach Köln, da soll große Party sein.““ Hinweise auf Strukturen organisierter Kriminalität gebe es aber nicht. 

von dpa

Nach Silvester-Übergriffen

Kölner Ex-Polizeichef entschuldigt sich

Düsseldorf Nach den massenhaften Übergriffen auf Frauen in der Silvesternacht musste der ehemalige Kölner Polizeipräsident seinen Hut nehmen. Im U-Ausschuss entschuldigt er sich bei den Opfern - auch wenn er sich eher als Sündenbock sieht.mehr...

DÜSSELDORF Sein Opfer hatte ihn im Fernsehen wiedererkannt, jetzt ist ein 33-Jähriger als erster Silvester-Grapscher verurteilt worden. Er muss für ein Jahr und sieben Monate hinter Gitter. Für die Gefängnisstrafe ausschlaggebend waren aber nicht nur seine Taten aus der Silvesternacht.mehr...

KÖLN Im ersten Prozess wegen sexueller Nötigung in der Kölner Silvesternacht ist ein 26-Jähriger von eben jenem Vorwurf freigesprochen worden. Das Opfer hatte den Angeklagten nicht erkannt. Das Gericht verurteilte den Mann trotzdem zu einer Bewährungsstrafe.mehr...

Vorfälle in der Silvesternacht

Zeuge berichtet von Einflussnahme in Köln

DÜSSELDORF Ein Kölner Kriminalhauptkommissar hat im „Untersuchungsausschuss Silvesternacht“ des Düsseldorfer Landtags von Einflussnahme auf eine Mitteilung des Polizeipräsidiums berichtet. Am Neujahrstag habe ein Beamter der Landesleitstelle bei ihm angerufen und eine sogenannte WE-Meldung über „wichtige Ereignisse“ moniert.mehr...

KÖLN Mehrere Diebe aus der Kölner Silvesternacht waren bereits verurteilt worden, allerdings immer nur zu Bewährungsstrafen. Jetzt muss zum ersten Mal ein Täter ins Gefängnis. Denn in seinem Fall ging es um mehr als nur um Diebstahl.mehr...

KÖLN Zweieinhalb Monate nach den Übergriffen in der Kölner Silvesternacht gibt es Unstimmigkeiten bei der Zahl der eingesetzten Polizisten am Hauptbahnhof. Nach einem Bericht der Kölner Zeitung „Express“ sollen deutlich weniger Polizisten am Bahnhof gewesen sein als bislang bekannt.mehr...

 

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