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Spektakel im Zwielicht

MENGEDE Am Samstagabend glühte der Volksgarten: Unter bunt schimmernden Bäumen zelebrierte das Lübecker Ensemble "Salon del Mar" ein furioses Mörderding-Fest.

von Von Tilman Abegg

, 15.10.2007

Für ihr Programm "Tango Criminal" verwursten die vier Hauptverdächtigen Natalia Osenchakova (Klavier), Miriam Eickhorst (Violine), Àkos Hoffmann (Klarinette) und Lars Olaf Schaper (Kontrabass) Eingängiges aus Klassik, Jazz und Film zu einer schillernden Kriminalrevue. Die Kulisse passt: Grün, blau und rot tauchen die von den "Mommenta"-Machern installierten Lampen den Park in ein surreales Ambiente.

Innen steht die Musik im Scheinwerferlicht: Vom schwermütig geseufzten "Pate"-Thema bis zum Jazz-Mitschnipper "Just Take Five" feuern die vier Lübecker Musikhochschüler aus allen Hit-Rohren. Dazu parodiert die skrupellos absurde Handlung der Geschichte die Verwicklungs- und Verwechslungsklischees von Holmes bis Bond. Beides passt wunderbar, wenn etwa die ungeliebte Oma zu Grabe getragen wird und sich in die gravitätische Würde des Trauermarschs das eine "Pack die Badehose ein" oder andere "So ein Tag, so wunderschön wie heute" einschleicht.

Lamahirten-Heuler

Zum Schmunzeln, wenn der Klarinettist im Minutentakt zwischen der Gleitsichtbrille (dem strebsamen Mamasöhnchen) und den Sonnengläsern (dessen zwielichtigem Italo-Zwilling) wechselt. Zum Schießen, wenn zur Erinnerung an Omis Südamerika-Reise plötzlich Bassist und Bläser im Peru-Poncho auf Blockflöten den typischen Lamahirten-Heuler gniedeln. Zum Genießen, wie das Quartett auch größere Klippen des sprunghaft arrangierten Musik-Mosaiks mit einem getrillerten Lächeln meistert und dabei jedes Melodiesteinchen temperamentvoll funkeln lässt.

Mehr Indizien sind nicht nötig, um die kriminelle Spielfreude des Salon-Syndikats zu belegen und darüber hinaus den verführerischen Charme der Ohrwürmer, der in der Gewalt solch abgebrühter Klangfinger gar unschuldige Zuschauer zur Mittäterschaft hinreißt. Denn wenn am Ende der trickreiche Schurke doch überführt wird und das Publikum - natürlich im Takt - laut dessen Namen skandiert, drängt sich der Eindruck auf, es habe ihm bereits verziehen. Skandal criminal!