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Sportkonferenz des Deutschlandfunks

Sport im TV: Der Fußball verdrängt sogar den Fußball

Köln Sport im TV besteht für viele gefühlt nur aus König Fußball. Ob dieser die anderen Sportarten erdrücke, war das Motto der Sportkonferenz des Deutschlandfunks am Donnerstagabend in Köln. Doch der Vertreter des Fußballs war selbst nicht zufrieden.

Sport im TV: Der Fußball verdrängt sogar den Fußball

Glaubt, dass der Amateurfußball unter dem Profifußball leidet: DFB-Vizepräsident Rainer Koch. Foto: picture alliance / Marijan Murat

Rainer Koch war eigentlich prädestiniert für die Rolle als Vertreter des Feindbildes. „Überragend. Übermächtig. Überhöht. Erdrückt die Fußball-Blase den Spitzensport in Deutschland“, lautete das Motto der 7. Sportkonferenz des „Deutschlandfunks“. Und Koch saß als Vertreter jenes überhöhten, erdrückenden Fußballs auf dem Podium.

„Der kleine Fußball leidet“

Doch Koch ist als DFB-Vizepräsident für den Amateurfußball zuständig. Und als solcher sieht er sich mit den Sportarten, die über schwindende bis nicht mehr vorhandene TV-Präsenz klagen, in einem Boot. „Auch der kleine Fußball leidet darunter“, sagte Koch: „Auch wir müssen uns fragen, wie wir da Verbesserungen erzielen.“

Der Amateur-Fußball, so der DFB-Vize in Köln, sei vor allem in den dritten Programmen zu wenig vertreten. Der (große) Fußball verwehrt nämlich auch dem (kleinen) Fußball TV-Zeiten. Aber Koch hat sich in der jüngeren Vergangenheit einiges einfallen lassen. Den „Tag der Amateure“ zum Beispiel, an dem die ARD 21 Kreispokal-Endspiele überträgt. Und bald, so der Präsident des Bayerischen Fußball-Verbandes, „werden wir bis zur 6. Liga alle Spiele im Live-Stream zeigen“.

Hohe Reichweite

All das klingt für andere Sportarten nach einer Drohung. Ist der Amateur-Fußball bald die TV-Sportart Nummer zwei hinter dem „großen“ Fußball aus Bundesliga, Champions League und Länderspielen? Schon heute erreiche „Sport1“ mit der Übertragung von Regionalliga-Spielen 650.000 Zuschauer, berichtete Koch. Und meinte zu dem neben ihm sitzenden Speerwurf-Olympiasieger Thomas Röhler: „Über solche Zahlen wären Sie wahrscheinlich froh.“

DORTMUND Die Belastung im Profisport wird immer größer. Basketball, Handball, Fußball oder Eishockey. Es geht um fast alle Sportarten. Meist ist der Kommerz die Antriebsfeder. Mehr Spiele, mehr Einnahmen. Leidtragende sind die Sportler, und es stellt sich die Frage, wer zuerst streikt: der Körper oder der Spieler?mehr...

Schuld an der Einseitigkeit in der deutschen TV-Sportlandschaft seien die TV-Sender, behaupten immer wieder Funktionäre und Sportler und richten sich damit vor allem an die Öffentlich-Rechtlichen. „Wofür sollen wir denn noch alles verantwortlich sein?“, entgegnete ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky. Und zählte auf: 50 Sportarten zeige das Erste, „mehr als die BBC“. Gar 100 Sportarten waren im Vorjahr in den Dritten zu sehen. Und nur 20 Prozent der Sport-Übertragungen behandelten Fußball. „Im Vorjahr haben wir ganze 22 Live-Spiele gezeigt.“

Kombination aus Erfolgen und Typen

Aber jede Sportart müsse für sich entscheiden, ob sie sich für die Vermarktung öffne. „Biathlon, eine Sportart, die gerade einmal von 500 Menschen in Deutschland betrieben wurde, ist zur TV-Sportart geworden. Und das hat nicht das Fernsehen geleistet, sondern der Verband.“ Wichtig sei eine Kombination aus Erfolgen und Typen. „Sportler ohne Erfolg erzählen selten Geschichten, die die Leute interessieren“, so Balkausky: „Ohne Erfolg geht es nicht.“

Röhler ist diesem Thema gegenüber sehr aufgeschlossen, er arbeitet an Markenbildung, spürt aber zu wenig Unterstützung aus den eigenen Reihen. „Ich bin angenervt, wie langsam sich Strukturen entwickeln“, sagte er: „Und ich weiß nicht, ob ich so lange Sport treibe, dass ich all die schönen Dinge, die jetzt in meinem Kopf sind, noch aktiv erlebe.“ Auch Mark Schober, dem Generalsekretär des Deutschen Handball-Bundes, der sich bei „Sky“ und der „ARD“ wachsender Live-Präsenz erfreut, stellte fest: „Der Fußball hat einfach vieles richtig gemacht. Dass wir bestimmte Dinge in unserer Handball-Welt nicht so gut hinbekommen haben, ist nicht die Schuld des Fußballs.“

„Es braucht den Star-Effekt“

Röhler ist klar: „Es braucht den Star-Effekt. Aber das ist mir auch alles zu hochstilisiert. Man hat das Gefühl, die Athleten müssen noch einen toten Hamster zu Hause haben, damit die Medaille etwas wert ist.“

Klar ist: Eine Entwicklung zur TV-Sportart ist möglich. Einen „gezielten Aufbau von Subkulturen“, erkannte Robert Zitzmann von der Marketing-Agentur Jung von Matt/Sports und verwies auf Darts bei „Sport1“ oder E-Sports. Dieser sei eine Bedrohung für alle klassischen Sportarten, glaubt Röhler: „Wir müssen den Sport als Bewegung stärken. Sonst überflügeln die E-Gamer bald den Fußball.“ Und das würde sicher auch Rainer Koch missfallen.

Von dpa

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