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BVB-Gegner in der Taktikanalyse

Sporting spielt einen ganz speziellen Fußball

DORTMUND In Lissabon geht es für Borussia Dortmund heute Abend (20.45 Uhr) um entscheidende Punkte für den Einzug ins Achtelfinale der Champions League. Sportings Trainer Jorge Jesus lässt sehr speziellen Fußball spielen. Damit hat er auch einen Anteil an Portugals Titelgewinn bei der Europameisterschaft. Der BVB-Gegner in der Taktikanalyse.

Sporting spielt einen ganz speziellen Fußball

Sportings Edeltechniker: Bryan Ruiz.

Es gibt wenige Trainer im Spitzenfußball, die sich so auf attraktiven und harmonischen Fußball fokussieren wie Jorge Jesus. Bereits bei Benfica baute er eine äußerst erfolgreiche und komplette Mannschaft auf. Auch beim Lokalrivalen Sporting wird sein Stil in der zweiten Saison immer klarer. Dabei setzt Jesus aber nicht auf so klare Abläufe wie Pep Guardiola und organisiert auch seine Defensive wesentlich weniger rigide als die meisten Trainer. Sein Mittelfeld befindet sich immer in Bewegung.

 

1. Wie agiert Sporting bei eigenem Ballbesitz? 

Das Aufbauspiel der Portugiesen ist gut, ohne herauszuragen. Sie versuchen, die Sechser einzubinden, durch das Zentrum oder über die Halbräume nach vorne zu kommen und besetzen dabei die Offensivräume gut. Besonders ist, dass sie bereits beim Übergang in die Offensive häufig mit kurzen Kombinationen arbeiten, wodurch sie auch oft verhindern können, am Flügel isoliert zu werden.

Außergewöhnlich ist, wie ruhig und konstruktiv das Spiel im Angriffsdrittel bleibt. Wenn sich der Gegner an den eigenen Strafraum zurückzieht, versuchen sie nicht mit der Brechstange oder Einzelaktionen durchzukommen. Sie umstellen den gegnerischen Block und spielen häufig Verlagerungen innerhalb des Mittelfelds. 

Unterschiedliche Varianten

Dann versuchen sie mit Kombinationen in die Zwischenräume zu kommen und mit unterschiedlichsten Varianten in den Strafraum zu spielen. Sie können aus dem ruhigen Kombinationsspiel mit Flanken auf Bas Dost und Distanzschüssen ausbrechen oder spielen sich flach bis vor das Tor durch.

 

2. Wie agiert Sporting gegen den Ball?

Im Pressing starten die Portugiesen meist aus einem recht weit aufgerückten 4-4-2. Dann versuchen sie, dem Gegner geschickt und anpassungsfähig die Räume zu versperren. Ähnlich wie es der BVB häufig macht, rücken immer wieder Spieler aus der Grundformation, um beim Schieben nach außen Dreiecke herzustellen. 

Staffelungen können stark variieren

Häufig ist das der offensivere Sechser - wie bei Europameister Portugal rückt Adrien Silva auf die Zehn nach vorne, während die Flügelspieler etwas einrücken und William Carvalho mit seiner Athletik die Linie vor der Abwehr kontrolliert. 

Kapitän und Schlüsselspieler Silva fehlte zwar verletzt, doch dieser Mechanismus wird auch von seinem Ersatzmann so umgesetzt werden. Die daraus entstehenden 4-1-3-2-Staffelungen können stark variieren. Es kann eine Raute im Mittelfeld entstehen, ebenso wie ein 4-2-3-1 oder ein 4-3-3. 

Flexible Organisation 

Jesus' Mannschaft orientiert sich kollektiv am Raum, am Gegner und den Mitspielern und versucht gute Ausgangssituationen für die Balleroberung zu schaffen. Diese flexible Organisation führt zwar phasenweise zu mangelnder Stabilität, besonders gegen brachiale Gegner. Es kann schnell passieren, dass ein Matchplan durch Sportings Anpassungsfähigkeit sofort gekontert wird.

 

3. Auf welchen Spieler muss der BVB besonders achten?

In Bryan Ruiz hat Sporting einen der wohl kreativsten Techniker im Weltfußball in den eigenen Reihen. Dem 31-Jährigen blieb die große Karriere wegen einer eher durchschnittlichen Athletik und mangelnder Konstanz verwehrt. In der kreativen Spielweise von Jorge Jesus kann er sich jedoch optimal ausleben und sorgt immer wieder für den entscheidenden Impuls. 

Ruiz kann sich hervorragend in engen Situationen orientieren und zwischen mehreren Gegnern gute Lösungen finden. So erzeugt er immer wieder Räume für seine durchschlagskräftige Nebenleute wie den schnellen Lazar Markovic oder Torjäger Bas Dost.

 

4. Wo liegen die Chancen für den BVB?

Die Borussen sind taktisch ähnlich flexibel wie Sporting und haben etwas klarere, direktere Abläufe, um aus dem Ballbesitzspiel heraus Tore zu erzielen. Die Frage ist, ob diese Abläufe greifen. Ansonsten sollte der BVB trotz der Verletzungssituation auch individuell leicht überlegen sein. 

Da beide Mannschaften aber so vielseitige Spieler haben und in allen Spielphasen versuchen, dominanten Fußball zu spielen, ist die genaue Gestalt des Spiels sehr schwer vorherzusagen. Man darf sich auf ein attraktives, organisches Fußballspiel mit vielen kreativen Momenten freuen.

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