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Sprachlos neben der Kanzlerin

SCHWEICHELN/LÖHNE So viel Aufregung kann einem schon zusetzen. Mit großen Augen schaut der fünfjährige Jos in die Kamera und lauscht den Fragen des Fernsehmannes.

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Multimedia-Unterricht mit Merkel: Die Kanzlerin lässt sich in der Hauptschule in Löhne-West (Kreis Herford) zeigen, was die Jugendlichen am Computer lernen.

Kanzlerin Angela Merkel (M., CDU), NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (r., CDU) und NRW-Familienminister Armin Laschet (l.) schauen einem Knirps in der Kita der Jugendhilfe Schweicheln in Hiddenhausen (Kreis Herford) beim Spielen zu.

Kanzlerin Merkel (hinten M.), Ministerpräsident Rüttgers (hinten r.) und Minister Laschet nehmen im Sitzkreis einer Kita in Hiddenhausen Platz.

Gefeiert wie ein Popstar: Kanzlerin Angela Merkel gibt bei ihrer Bildungsreise viele Autogramme und unterschreibt auch auf dem Gipsarm eines Schülers.

Wie er denn den Besuch der Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) an seiner Kita - der Kindertageseinrichtung Buchenhof in Schweicheln (Kreis Herford) - findet, wird der Junge gefragt. „Gut“, antwortet der Knirps lapidar. Mehr ist ihm an diesem Freitag nicht zu entlocken - zu sehr hat ihn offenbar der Besuch der Kanzlerin und der Medienrummel darum verschreckt.   Seinen großen Auftritt hatte Jos da bereits absolviert. Gemeinsam mit der gleichaltrigen Laura hatte er - vor Aufregung sprachlos - der Kanzlerin einen Blumenstrauß und eine Mappe mit Zeichnungen der Kita-Kinder übergeben: „Ich gucke mir das alles an“, verspricht die Kanzlerin, während sie die Präsente an ihre Mitarbeiter weiterreicht.

Etwas säuerlich blickt die Regierungschefin kurz bei ihrem verregneten Besuch in Nordrhein-Westfalen, der sie im Rahmen ihrer deutschlandweiten bildungspolitischen Reise in den Kreis Herford führt. Dann streikt auch noch ihr Regenschirm, Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU), der Merkel begleitet, nimmt sie gerne unter seinen Schirm. Vorher hatten die Kinder noch ein Liedchen für Merkel und Rüttgers eingeübt. „Wir laden euch zum Turnen und auch zum Forschen ein“, sangen sie.  Schließlich wollen sich die Politiker an diesem Tag über die Bildungsangebote der Kita informieren. Die Schweichelner Kita gilt als vorbildlich, weil dort rund 60 Kinder betreut werden - mit einem integrativen Ansatz, bei dem behinderte und nicht-behinderte Kinder nach pädagogischen und heilpädagogischen Gesichtspunkten gefördert werden.

Auch dem Familienzentrum, in dem Kinder und Familien gefördert werden sollen, stattet die Kanzlerin einen Besuch ab. Neben der vorschulischen Bildung widmet die Kanzlerin ihren Besuch in NRW auch dem Thema „Hauptschule“. In der Hauptschule Löhne-West lässt sie sich über neuartige und individuelle Bildungsansätze aufklären. Sie besucht unter anderem einen Computer- und Erdkundeunterricht, in einem Schulgarten schaut sie Schülern beim Kartoffeln ernten oder Gemüse säen zu.   Und findet dabei endlich eine Gelegenheit, selber zupackend aufzutreten: „Da habt ihr ja noch etwas vor“, sagt sie mit Blick auf den von Unkraut überwucherten Gartenbereich und rupft selber ein paar Strünge aus. Die mitgereisten Fotojournalisten knipsen das lohnende Motiv eifrig. Sofort tritt Merkel dem möglichen Vorwurf entgegen, sie mache ihre „Bildungsreise“ durch Deutschland vor allem aus wahltaktischen Gründen. Stattdessen sollten die Kritiker sie hier einmal auf ihren Besuchen begleiten und sehen können, was die Bildungseinrichtungen und die Menschen leisteten. Deswegen seien solche Reisen nötig. Die Hauptschule Löhne-West hat die Bundeskanzlerin ausgewählt, weil die Einrichtung in der Schulqualitätsanalyse 2007 als einzige Hauptschule unter die neun besten Schulen in NRW kam.  

Mit ihrem Besuch will die Kanzlerin auch ein Zeichen setzen, dass die Schulform Hauptschule eine Zukunft hat. Die Arbeit hier sei „wunderbar“, lobt sie die Einrichtung. Ministerpräsident Rüttgers hört das gern - und weist noch einmal ausdrücklich daraufhin, dass auch die Hauptschule weiter eine Zukunft hat. Nötig dafür sei, dass „jedes Kind eine individuelle Förderung“ bekommt.   Auf die Schüler der Hauptschule macht der prominente Besuch auf jeden Fall Eindruck. Am Schulhof haben sie sich in einer langen Reihe aufgestellt, um Kanzlerin Merkel die Hand zu drücken. Mit einigen Schülern wechselt sie ein paar Worte, ein Schüler zeigt sich ob des Händedrucks der Regierungschefin besonders begeistert: „Ich werde die Hand nie mehr waschen“, ruft er laut.

Das greifen einige Schüler gleich auf und lassen sich ein Autogramm von Merkel geben - stilecht auf den Handrücken. Und bevor die Kanzlerin zu ihrem Hubschrauber entschwindet, gibt es noch einmal lauten Applaus für den Gast aus Berlin.

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