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Sprachprobleme bei Kindern richtig einschätzen

Wichtige Kriterien

"Gei-ja", "Sika"... Der Nachwuchs feiert bald zweiten Geburtstag. Doch wo bleiben die ersten Worte? Ab wann müssen sich Eltern Sorgen machen, wenn es bei der sprachlichen Entwicklung nicht so recht vorangehen will? Mit diesen Kriterien lassen sich die sprachlichen Fähigkeiten des Kinder besser einschätzen.

18.11.2014
Sprachprobleme bei Kindern richtig einschätzen

Sprachprobleme sollten angegangen werden. Festigen sie sich bis zur Schule, wird das Lernen der Schriftsprache schwer.

Robert wird morgen zwei Jahre alt. Wenn er spielt und umherläuft, plappert er ununterbrochen. Aber seine Eltern verstehen nur wenig. Einige Worte können sie übersetzen: Wenn Robert „Gei-ja“ ruft, meint er den Bagger vor der Tür, wenn er „Sika“ sagt, möchte er seine Lieblingsmusik hören. So undeutlich sind seine etwa 50 Worte fast alle. Nur „Papa“ und „Mama“, „ja“ und „nein“ sind verständlich. Bald steht die U7-Untersuchung beim Kinderarzt an. Die Eltern machen sich Sorgen.

Im Vergleich zu seinen gleichaltrigen Freunden scheint Robert hinterherzu hinken. Sollte ein Zweijähriger nicht mehr und besser sprechen können? „Generell ist der Spracherwerb jedes Kindes unterschiedlich“, sagt die Logopädin Sonja Utikal vom Deutschen Bundesverband für Logopädie. Sehr viele Kinder weichen mit ihrer Aussprache, mit ihrem Wortschatz oder der grammatischen Entwicklung von den sogenannten Meilensteinen der Sprachentwicklung ab.

Folgende Kriterien können Eltern bei der Beurteilung der sprachlichen Fähigkeiten ihres Kindes zur groben Orientierung nutzen: 1. Mit rund zwei Jahren sollte das Kind mindestens 50 Wörter beherrschen („da“, „mehr“, „nein“, „heiß“, „Ball“) oder Zwei-Wort-Kombinationen verwenden, wie etwa „armer Wauwau“, „mehr Milch“, „wo Ball“. 2. Ab diesem Zeitpunkt (mit circa 18 bis 24 Monaten) setzt auch der sogenannte Vokabelspurt ein, bei dem sich das Lerntempo des Kindes von ein bis zwei Wörtern pro Monat erhöht auf mehrere Wörter pro Tag. Innerhalb weniger Monate verwendet das Kind 200 bis 300 Wörter als aktiven Wortschatz. Um den dritten Geburtstag herum sind es bereits durchschnittlich 500 Wörter. 3. In der Zwei-Wort-Phase wurden Verben noch überwiegend im Infinitiv und in flexibler Wortstellung verwendet („Sofa sitzen“, „haben Tee“), ab dem zweiten Geburtstag, wenn die Äußerungslänge ansteigt, stehen Verben an zweiter oder letzter Position im Satz („Papa auch lacht“, „ich wieder hüpfen“). 4. Mit etwa drei Jahren verwendet der Nachwuchs bereits Sätze mit korrekter Wortreihenfolge und beginnt mit ersten Nebensätzen sowie dem Erwerb des Akkusativs („jetzt bin ich drei“, „vielleicht bist du weg“, „ich baue einen Turm“). Ab dreieinhalb Jahren beherrscht er die Zeitformen Präsenz und Vergangenheit und verwendet den Dativ: „Da war ein Junge mit einem großen Bus und hat einen Unfall gebaut, weil der nicht aufgepasst hat.“

Die Gefahr solcher Kriterienlisten besteht jedoch darin, sie zu absolut zu sehen. „Das kann dazu führen, dass sie den Eltern Stress machen“, sagt Sonja Utikal. Daher ihr Rat: Sollte das Kind rund um seinen zweiten Geburtstag noch nicht 50 Wörter sprechen können oder auch keine Worte kombinieren, dann können Eltern den Kinderarzt gezielt darauf ansprechen. In der U7-Untersuchung wird er besonders auf die Fortschritte in der Sprachentwicklung achten. Da diese Fortschritte in der zeitlich begrenzten Untersuchungssituation nur ungenau erkennbar sind, wird häufig ein Fragebogen eingesetzt. Hier tragen Eltern ihre Alltagsbeobachtungen ein: Welche Worte spricht das Kind, welche Kombinationen nutzt es bereits? Im Anschluss fällt es leichter, Spätsprecher zu erkennen, sogenannte Late Talkers. Auch die Folgeuntersuchung U7a mit rund drei Jahren hat einen Sprach-Schwerpunkt. Viele Kinder verwenden inzwischen Sätze mit drei bis fünf Wörtern. Die Aussprache ist in diesem Alter aber häufig noch ungenau, zum Beispiel „Nude“ statt „Nudel“. Der Wortschatz wird vom Kinderarzt überprüft, er wird dabei auch die nonverbale Kommunikation berücksichtigen. Gerade die Spätsprecher oder Kinder, die in einem mehrsprachigen Haushalt aufwachsen, zeigen etwa durch Gesten, dass sie viele Dinge schon verstehen, aber noch nicht sprachlich ausdrücken können.

Eine logopädische Sprachtherapie kommt dann in Frage, wenn eine Sprachentwicklungsstörung vorliegt oder eine -verzögerung. Letztere besteht, wenn vor der Altersgrenze von drei Jahren ein Rückstand an sprachlichen Fähigkeiten von mindestens sechs Monaten in einem oder mehreren Bereichen (Sprachverständnis, Aussprache, Wortschatz, Grammatik) festgestellt wird. Sowohl nach der U7 und U7a ist dann eine Überweisung zum Logopäden sinnvoll. „Eine frühe Zuweisung betroffener Kinder ist deshalb wichtig, weil sich der Spracherwerb innerhalb eines sehr kurzen Zeitraums vollzieht.“

Bei der Menge an Wörtern, die ein Kind in dieser Zeit lernt, bedeutet eine Vorstellung beim Logopäden erst mit fünf Jahren, dass zum Beispiel im Fall einer Ausspracheproblematik zehnmal so viele Wörter „umgelernt“ werden müssen. Noch problematischer ist es aber, das Thema zu ignorieren: Wenn sich Sprachprobleme bis zur Grundschule festigen, wird das Lernen der Schriftsprache besonders schwer. Betroffen sind zahlreiche Kinder: Gemäß der Schuleingangsuntersuchungen sind konstant 25 bis 30 Prozent eines Jahrgangs sprachlich auffällig.

Und dennoch machen viele Eltern ihre Sache gut und geben intuitiv ihre Sprache weiter. Laut Sonja Utikal haben sich im Alltag bewährt: Deutliches und korrektes Sprechen, das die sprachlichen Fähigkeiten des Kindes berücksichtigt, Lieder, Fingerreime, Klatsch- und Bewegungsspiele. Falls Eltern bei der Aussprache oder Grammatik helfen möchten, können sie die Aussagen ihrer Kinder direkt korrigiert wiederholen oder um die fehlenden Wörter ergänzen. Wenn Robert also zum Beispiel „Gei-ja“ ruft, wäre eine hilfreiche Replik: „Ja, da ist ein Bagger!“ Um starre Wiederholungsmuster zu vermeiden, eignet sich auch die Form der Nachfrage. Äußert ein Kind beispielsweise den Wunsch „Milch haben“, lässt sich nachhören: „Du möchtest Milch haben?“ – ohne die Natürlichkeit der Gesprächssituation zu stören. Weitere Informationen finden sich auf der Website des Bundesverbands für Logopädie unter

 

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