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1000 Schicksale mahnen

Stadtlohn erinnert an Opfer der beiden Weltkriege

Am 21. März 1945 zerstörten Bomben die Stadt. 330 Menschen starben. Gedenktafeln sollen an sie erinnern, auch an die 650 gefallenen Soldaten.

Stadtlohn

, 20.03.2018
1000 Schicksale mahnen

Weit über 1000 Tote in zwei Weltkriegen: Heimatvereinsvorsitzender Hermann Hintemann, Bürgermeister Helmut Könning, Jürgen Assing, Klaus-Dieter Weßing, Erster Beigeordneter Wewers und Stadtarchivar Ulrich Söbbing (von links) zeigen die Vorlagen für die Gedenktafeln der Kriegsopfer. © Stefan Grothues

Theodor Hintemann. Einer von über 1000 Namen. Der 34-jährige Stadtlohner musste im Februar 1942 seine Frau und seine zwei Kinder verlassen und in den Krieg ziehen. Ein halbes Jahr später war er tot, gefallen nach langen Fußmärschen in Russland. Seiner Familie blieben nur 80 Feldpostbriefe voller unerfüllter Hoffnungen auf eine gesunde Heimkehr.

„Theodor Hintemann war mein Onkel“, sagt Hermann Hintemann, der Vorsitzende des Stadtlohner Heimatvereins. Gemeinsam mit Jürgen Assing sowie Stadtarchivar Ulrich Söbbing hat der Heimatforscher in fünfjähriger akribischer Arbeit weit über 1000 Namen zusammengetragen: die der 258 gefallenen Soldaten des Ersten Weltkriegs, die der 648 gefallenen Soldaten des Zweiten Weltkriegs, die Namen der 330 Opfer der Bombardierung Stadtlohns, die Namen der Menschen, die beim Bau des Westwalls in Stadtlohn starben, die Namen der Menschen, die in den Nachkriegsjahren bei Explosionsunglücken ihr Leben verloren. Über 1000 Opfer bei gerade einmal 14.000 Einwohnern. Fast jede Familie war betroffen.

Hinter jedem Namen verbirgt sich die Geschichte eines Lebens, weiß Hermann Hintemann. Er kennt vielen von ihnen. „Ich habe ja mit vielen Angehörigen gesprochen. Das war nicht selten zu Tränen rührend.“

Die Namen hängen jetzt im Foyer des Rathauses, zusammengetragen auf fünf 80 mal 110 Zentimenter großen Papierbögen. Es sind die Vorlagen für fünf ebenso große Bronzetafeln, die künftig in der Gedenkhalle am Rathaus an die Schrecken des Krieges und an seine Stadtlohner Opfer erinnern sollen. An jedes einzelne, mit Namen und Altersangabe.

Einweihung am Volkstrauertag

Am Volkstrauertag 2018 sollen die Gedenktafeln eingeweiht werden, 100 Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkriegs, 73 Jahren nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs.

Warum hat es so lange gedauert, bis die Namen der Opfer zusammengetragen wurden? Es gab ja in den sieben Bauerschaften schon frühzeitig Ehrenmale. Und im Heimatbuch von 1951 werden auch viele Namen genannt, erklärt Ulrich Söbbing. Allerdings, so ergänzt Hermann Hintemann, seien die alten Listen lücken- und fehlerhaft. Manche Opfer wurden gar nicht erwähnt, andere doppelt. Nun aber gibt es die eine Namensliste für die ganze Stadt. Hintemann: „Es war sehr schwierig, die korrekte Namensschreibung in jedem Fall zweifelsfrei zu klären.“ Noch bis zum 29. April hängen die Papiervorlagen öffentlich im Rathaus aus. Solange sind auch noch Korrekturen möglich. Danach nicht mehr. Dann wird die Erinnerung in der Gescher in Bronze gegossen.

Wo die Tafeln in der Ehrenhalle zwischen Rathaus und St.-Otger-Kirche genau hängen werden, ist noch nicht geklärt. Bürgermeister Helmut Könning: „Wir werden bei einem Ortstermin eine Lösung finden.“ Auch die Finanzierung ist noch nicht vollständig gesichert. Rund 30.000 Euro kostet das Vorhaben. 10.000 Euro übernimmt die Stadt Stadtlohn, das hat der Rat bereits beschlossen.

„Es gibt auch schon erste großzügige Spenden“, sagt Hermann Hintemann. Er ist optimistisch, dass die Finanzierung am Ende gemeistert wird. Am kommenden Montag hat Bürgermeister Helmut Könning Vertreter aller zehn Stadtlohner Schützenvereine eingeladen, um weitere Unterstützung für das Vorhaben einzuwerben.

Infos und Kontakt: Stadtarchivar Ulrich Söbbing, Tel. (02563) 97797 oder Heimatverein, Hermann Hintemann, Tel. 5676.
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