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Diskussionen um Palliativmedizin betreffen auch Hospiz

Finanzielle Aufstockung

Eines der am heftigsten diskutierten Themen im Bundestag sind derzeit die Sterbehilfe und der Ausbau der Palliativmedizin. Eine finanzielle Aufstockung für palliative Pflege würde auch dem St.-Elisabeth-Hospiz entgegenkommen.

STADTLOHN

22.11.2014
Diskussionen um Palliativmedizin betreffen auch Hospiz

90 Prozent der Kosten für palliative Angebote – wie etwa die Pflege in einem Hospiz – werden derzeit von den Krankenkassen übernommen. In einem Eckpunktepapier spricht sich die Große Koalition für eine Aufstockung auf 95 Prozent aus. Ein entsprechendes Gesetz könnte 2016 in Kraft treten. Derzeit muss das Stadtlohner Hospiz zehn Prozent der Kosten aus Spendengeldern finanzieren. „Die Bedarfssätze gegenüber der tatsächlichen Kosten entsprechen in keinem Hospiz der Realität“, erklärt Geschäftsführer Michael Saffé. Die Differenz sei größer als zehn Prozent: 20 bis 30 Prozent lege das Hospiz jährlich darauf. Der Grund dafür: Das Kalkulationsschema sei an größere Pflegeheime angepasst. „Die individuellen Besonderheiten sind da schlecht abgebildet“, sagt Saffé. Unterhalts- und Wartungskosten seien sehr individuell. Da kommt es schon darauf an, ob eine Einrichtung ebenerdig oder wie in Stadtlohn dreistöckig ist und einen Aufzug hat, der regelmäßig gewartet wird.

Knapp 300 000 Euro an Spendengeldern hat das Hospiz im vergangenen Jahr erhalten. „Die Spendenbereitschaft ist sehr hoch. Aber mit Spenden zu kalkulieren obliegt einem wirtschaftlichen Risiko“, erklärt Saffé. Da sei man froh, wenn man einen Puffer habe, um spendenarme Jahre aufzufangen. Ein Teil des Eckpunktepapiers von Union und SPD bezieht sich auch auf den Ausbau des palliativen Angebots. Im Kreis Borken sei die ambulante Palliativversorgung bereits auf einem sehr hohen Niveau, so Saffé. Viele niedergelassene Ärzte würden sich weiterbilden und sich im Palliativmedizinischen Konsiliardienst (PKD) – ein Netzwerk für palliative Versorgung – eintragen.

Rieke Liesmann, Leiterin des Elisabeth-Hospizes, hat zehn Jahre in der ambulanten Palliativpflege gearbeitet. „Es tut sich etwas durch den PKD, aber es ist noch nicht so viel möglich“, erzählt sie. Deshalb habe sie bei dieser Arbeit den Wunsch nach aktiver Sterbehilfe viel stärker wahrgenommen als im Hospiz. „Die Menschen im ambulanten Bereich sind oft nicht richtig eingestellt.“ Denn: Nicht jeder Hausarzt sei im PKD eingeschrieben. Der Wunsch nach Sterbhilfe komme oft aus der Not heraus – weil die Schmerzen unerträglich sind. Im Hospiz erlebt Rieke Liesmann diesen Wunsch eher selten. „Gäste, bei denen die Tumore nach außen wachsen und zu der extremen Krebsbehandlung noch Scham und Ekel kommen, haben oft den Wunsch“, erzählt sie. Aber man könne den Sterbeprozess nicht beschleunigen. „Wir können den Weg nur leichter machen, indem wir den Menschen ernst nehmen und gut begleiten.“ Aber das Sterben dürfe nicht in unserer Hand liegen.

Manche würden hadern, wünschten sich, doch in die Niederlande gegangen zu sein, wo Sterbehilfe erlaubt ist. „Das ist ein normaler Prozess. Aber bei guter palliativer Pflege gibt sich das. Wir brauchen keine aktive Sterbehilfe“, sagt die Hospizleiterin. „Es gibt viel Pro und Contra zu diesem Thema. Aber man muss auch an die Menschen denken, die damit umgehen müssen. Ein Leben aktiv zu beenden, ist schon ein anderes Standing, als aktiv Schmerzen zu lindern“, meint Saffé. 

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