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Kunst mit Kettensäge

Bernard Lammerding

Man darf ihn getrost als Holzwurm bezeichnen. Denn ganz gleich, ob Eiche, Pappel oder Esche – Holz ist sein Element. Mit der Motorsäge und der Flex verwandelt Bernhard Lammerding grobe Klötze in filigrane Kunst.

STADTLOHN

, 18.08.2017

Die monumentale Weltkugel, getragen von zwei Händen, erfreut schon seit Jahren die Passanten in der Töpferstraße – genauso wie der zungenstreckende Einstein oder die Hand mit den Spielkarten. Der Garten der Lammerdings mausert sich immer mehr zu einem Skulpturengarten. Und manch einer hat schon neugierig das neueste Werk in Augenschein genommen: Einen Schwarzbären, den Bernard Lammerding aus einer 40 Zentimeter dicken Pappelholzscheibe mit anderthalb Meter Durchmesser geschält hat.

Glückliche Stunden

Wieviele Stunden Arbeit stecken in der Skulptur? Der 53-jährige Hobby-Holzkünstler zuckt mit den Achseln. Er weiß nur, dass es viele glückliche Stunden waren. „In der Werkstatt vergesse ich die Zeit, das ist Entspannung pur, die beste Erholung.“ Damit das so bleibt, hat Bernhard Lammerding zwei Vorsätze gefasst. Erstens: „Ich nehme keine Aufträge an, denn dann beginnt die Pflicht und der Stress.“ Zweitens: „Ich verkaufe keine Skulpturen. Ich verschenke sie höchstens an Freunde.“ Bei seinem dritten Vorsatz ist er glücklicherweise nicht ganz so streng: „Eigentlich will ich damit ja gar nicht in die Zeitung.“ Tiere sind sein liebstes Motiv: Uhu, Wildschwein und Rehe. Eine kleine Katze ist der Außenseiter im hölzernen Zoo: sie ist aus Sandstein. „Die habe ich vor kurzem in einem Bildhauerkurs der Volkshochschule aus Billerbecker Sandstein geschlagen.“ Und es hat ihm gefallen. Der Stein sei zwar härter, dafür biete er anders als Holz weniger Überraschungen.

Schon der Opa war Tischler

Doch gerade die liebt Bernhard Lammerding. Beruflich hat der Tischlermeister in dritter Generation mit glatten Möbelflächen zu tun. In seiner Freizeit liebt er das Unberechenbare des Holzes.

So wie bei seinem Neptun. Der Kopf des Meeresgottes mit wallendem Haar trägt die gläserne Tischplatte seines Gartentisches. Die Skulptur aus Eschenholz war gerade fertig, als sich ein großer Riss auftat und Mund und Nase spaltete. „Ich finde das nicht schlimm“, sagt Bernhard Lammerding. Das Holz lebt. Feuchtigkeit, Holzwürmer und Pilze setzen seinen Skulpturen im Freien zu. Aber der Stadtlohner will keine Kunst für die Ewigkeit. „Ich freue mich einfach nur daran, dass ich meine Skulpturen täglich in meinem Garten sehen kann.“ Und ein Kunstwerk auf Zeit war ja auch schon sein erstes Schnitzwerk vor 40 Jahren: ein Schützenvogel für die Otgerusschützen. Vergänglichkeit stört Bernhard Lammerding nicht. Er schätzt vielmehr die Schaffensfreude: „Mein Herz lacht, wenn eine Skulptur fertig ist.“

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