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Lebendige Tradition

„Kroamstuten“-Bringen

STADTLOHN Nicht aussterben wird das alte Brauchtum, nach einer Geburt den sogenannten "Weggen" oder "Kraomstuten" zu bringen. Ein Beispiel der immer noch lebendigen Tradition: Jetzt machte sich der Kegelklub "Blaue Engel" aus Stadtlohn auf den Weg, um Sonja und Josef Drees zur Geburt der Tochter Hanna zu gratulieren.

von Von Franz-Josef Schulenkorff

, 17.08.2010
Lebendige Tradition

Die Geburt von Tochter Hanna war für den Kegelclub "Die blauen Engel" Anlass genug den Eltern Josef und Sonja Drees einen Weggen zu überbringen.

Eltern und Gäste ließen sich im Beisein des kleinen Sprösslings das süße Backwerk schmecken. Kraomstuten kommt von dem plattdeutschen Begriff „Kraom“ was Niederkunft oder Geburt bedeutet; “in’n Kraom kommen” bedeutet „Beginn der Wehen“. Weniger bekannt dürfte der Hintergrund des Kraomstutens beziehungsweise des Weggens sein. In der Mitte des 19. Jahrhunderts erfolgte die Taufe ein bis zwei Tage nach der Geburt des neugeborenen Kindes. Bei der damals herrschenden hohen Säuglingssterblichkeit wollte man keine Zeit verlieren. Die Paten und die nächsten Nachbarn gingen allein mit dem Täufling zur Kirche.

Nach vollendeter Taufe bekam die Wöchnerin viel Besuch. Die Verwandten, die in der Zwischenzeit benachrichtigt wurden, kamen “to’t Ansprääken”. Bei diesem Pflichtbesuch mussten vor allem die „abgeheirateten” Brüder und Schwestern sowie die nicht zur Taufe anwesenden restlichen Nachbarn die junge Mutter besuchen. Sie brachten manchmal schon den „Plass”, „Weggen”, „Pilleweggen” oder „Kraomstuten” mit, ein überdimensionales Weißbrot mit Korinthen durchbacken, das gewöhnlich in einen Kissenbezug gepackt war. Diese Verpackung, mit einem Band und Stock versehen, war gleichzeitig die Tragvorrichtung.

Aus dem Borkener Raum wird berichtet, dass der Kraomstuten so lang gewesen sei wie des Bäckers Backofen, an Masse so viel wie fünf bis sechs Bauernbrote. Als „Kraomgeräi” (Zutaten) zu diesem Kraomstuten wurden weitere Geschenke gereicht: Kaffee, Butter, Kandiszucker und „Beschüte” (Zwieback) Der ursprüngliche Zweck dieser Taufvisite hatte einen sozialen Hintergrund: Früher waren die Leute eher arm und die Wöchnerinnen sehr geschwächt, so dass sie sich von diesem Brot sehr gut erholen konnten. Heute ist die Überreichung des Kraomstutens von Kegelclubs und Vereinen übernommen worden.

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