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Rettungsschwimmer bewachen Nordseeküste

Rote Flagge und Nudelabend

Der Wecker klingelt. Es ist 7.45 Uhr, Hendrik Abbing liegt in einem wackeligen Etagenbett, eigentlich hat er Urlaub. Er steht auf, erledigt die Morgentoilette, danach zieht er die rote Einsatzkleidung an. Auf dem Rücken steht in gelben Buchstaben „DLRG Wasserrettung“.

STADTLOHN/ST PETER-ORDING

von Von Simon Sax

, 12.06.2012

Viele Badegäste lesen den Schriftzug in Freibädern und an Seen. Aber es melden sich jährlich auch 4000 Rettungsschwimmer für den Wachdienst an der Küste. So verbrachte Abbing die letzte Woche an der Nordsee, zusammen mit Christin Fischer und Simon Sax. Die drei Rettungsschwimmer der DLRG Ortsgruppe Stadtlohn bewachten die Strände in dem Badeort St. Peter-Ording. Um 8.30 Uhr haben sich alle Wachgänger im Flur der DLRG-Unterkunft versammelt. In dem ehemaligen Amtsgebäude von St. Peter-Ording können bis zu 14 Wachgänger wohnen. Morgens treffen Abbing, Fischer und Sax auf sieben andere Rettungsschwimmer. Sie gehen zusammen zum Bauhof. Dort stehen sie etwas verschlafen in der großen Halle und warten auf die hauptberuflichen Wachleiter. Die teilen die Rettungsschwimmer auf fünf Stationen auf. Diese Stationen sind Pfahlbauten, ausgestattet mit Küchen, Sanitäts- und Wachräumen. Christin Fischer kommt auf die Wachstation „Bad“. Mit dem Wachleiter der Station sitzt sie in einem Geländewagen. Das Fahrzeug ruckelt über den Strand, bis sie den Pfahlbau erreichen. Dort hisst Fischer zuerst die DLRG Flagge. Danach bestimmt sie die Windrichtung, misst die Windgeschwindigkeit und die Außentemperatur. Die Daten gibt sie über Funk an die anderen Stationen weiter.

Am Nachmittag erhält Fischer einen Funkspruch von der benachbarten Station. Gerade ist sie noch an der Wasserkante Streife gelaufen. Jetzt sitzt sie in dem Wachraum, beobachtet die dunklen Gewitterwolken am Horizont und hört den Funkspruch aus den knackenden Lautsprechern. „Möwe vier für Möwe. Packt schon mal die rote Flagge aus. Absolutes Badeverbot.“ Wegen des drohenden Gewitters sollen die Strandbesucher das Wasser verlassen. Fischer muss die rote Flagge hissen und dann unten am Strand die Strandbesucher auf die Gefahr hinweisen. Deren Reaktionen auf die Arbeit der Wachgänger ist meist anerkennend. Insa Wolfrum wohnt in Bremen und kommt seit 18 Jahren als Rettungsschwimmerin nach St. Peter-Ording: „Ich bekomme von den Strandbesuchern oft eine positive Rückmeldung. Sie finden es gut, dass wir da sind und für Sicherheit sorgen.“

Um sich überhaupt für den Wachdienst bewerben zu können, mussten Abbing, Fischer und Sax einige Vorraussetzungen erfüllen: Neben dem Mindestalter von 18 Jahren, dem Rettungsschwimmabzeichen in Silber und einem gültigen Erste-Hilfe-Schein brauchten die Stadtlohner vor allem eines - Zeit. Für seinen ehrenamtlichen Einsatz an der Küste nahm sich Abbing eine Woche Urlaub. Die DLRG zahlt den Rettungsschwimmern Verpflegungsgeld und die Fahrtkosten. Am Abend treffen sich die Wachgänger im Aufenthaltsraum der Unterkunft. Nach dem gemeinsamen Nudelkochen sitzen sie an dem großen Tisch und unterhalten sich ausgelassen. Das gefalle ihr am meisten erzählt Fischer. „Wir lernen Leute aus ganz Deutschland kennen und schließen hier neue Freundschaften.“ Die rote Flagge ausgenommen, sei es in dieser Woche ziemlich ruhig gewesen. „In der Hauptsaison müssen wir auf viel mehr Menschen aufpassen und haben dann auch mehr Einsätze.“, erzählt Fischer, die zum vierten Mal in St. Peter-Ording ist. Die erfahreneren Rettungsschwimmer am Tisch stimmen ihr zu.

Ob sie schon einmal extreme Einsätze erlebt hätten? Es wird still im Aufenthaltsraum. Zwei der anwesenden Rettungsschwimmer mussten in St. Peter-Ording schon Herz-Lungen-Wiederbelebungen durchführen. „Aber über die schlimmen Sachen redet man eigentlich nicht.“, sagt Meike Brosi. Sie ist zum vierten Mal in St. Peter Ording. Sie stockt kurz „Am nächsten Tag geht es einfach weiter.“ Abbing, Fischer und Sax gehen eine halbe Stunde später schlafen. Sie reisen am nächsten Morgen ab.

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