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Sozialverband steht Hilfesuchenden seit 70 Jahren zur Seite

VdK-Jubiläum

Der Sozialverband VdK ist im Jubiläumsjahr auf 904 Mitglieder angewachsen. Das jüngste Mitglied ist 14, das älteste 102 Jahre alt.

Stadtlohn

, 05.07.2018
Sozialverband steht Hilfesuchenden seit 70 Jahren zur Seite

Im Einsatz für de VdK (v.l.): Willi Schütte (stellv. Vorsitzender), Georg Eilhardt (Vorsitzender) und Karl Heinz Sievers (Schriftführer) vor der ehemaligen Marienschule. Hier bietet der VdK regelmäßig Sprechstunden an. © Stefan Grothues

Sie sind fast gleich alt, der Stadtlohner VdK und sein Schriftführer. Der VdK-Ortsverband feiert in diesem Jahr sein 70-jähriges Bestehen, Karl Heinz Sievers kam vor 69 Jahren zur Welt. Und doch: Jahrzehnte lang nahm er überhaupt keine Notiz vom Sozialverband in seiner Heimatstadt. „Bis vor 20 Jahren wusste ich gar nicht, was VdK bedeutet“, sagt der Rentner lachend. Dann aber meldete sich sein Rücken. Der Bandscheibenvorfall war nicht nur schmerzhaft. Der Betriebselektriker machte sich auch Sorgen um seine berufliche Zukunft. Ein Kollege riet ihm: „Du brauchst einen Schwerbehindertenausweis. Geh‘ mal zum VdK.“ Wenig später hielt Karl Heinz Sievers den Ausweis in seinen Händen. Der sollte später noch mal eine wichtige Rolle bei der Verrentung spielen. „Ich wäre da nie drauf gekommen. Wenn man alleine ohne Experten vor diesen Fragen steht, hat man keine Chance“, sagt Karl Heinz Sievers.

Durch die Archive gewühlt

Heute kennt er die Geschichte des VdK Stadtlohn wie kaum ein zweiter. Zum 70-jährigen Bestehen hat er eine kleine Ortsverbands-Chronik verfasst. Dafür hat Karl Heinz Sievers sich mit Unterstützung von Georg Eilhardt, Willi Wirtz und Inge Nagelschmidt „in mühevoller Kleinarbeit“ durch das Zeitungs- und das Stadtarchiv gewühlt. „Wir mussten mit unseren Recherchen bei Null anfangen“, sagt Sievers.

Schon vor 101 Jahren wurde in Stadtlohn ein Ortsverband des Reichsbundes der Kriegs- und Zivilbeschädigten gegründet. Diese Organisation wurde aber 1933 im Jahr der Machtübetragung an die Nationalsozialisten aufgelöst. 1948 gründete sich der VdK-Ortsverband in Stadtlohn neu. Damals zählt der Verband rund 300 Mitglieder, viele von ihnen waren Kriegsversehrte oder Hinterbliebene. 1962 ging aus dem VdK die Stadtlohner Versehrtensportgruppe hervor.

Von Anfang an, so zeigen die alten Zeitungsausschnitte, hatte der VdK in Stadtlohn zwei Standbeine. Erstens: die Vermittlung von fachkundiger Beratung in Fragen des Sozialrechts. Und zweitens: das gesellige Miteinander. Weil sich in den 1950er-Jahren nur wenige Leute ein Auto leisten konnten, organisierte der VDK die ersten Ausflugsfahrten.

Die Zahl der Kriegsversehrten und Hinterbliebenen nahm im Laufe der Jahrzehnte immer weiter ab, die Mitgliederzahl des Ortsverbandes aber stieg, vor allem in den letzten zehn Jahren.

904 Mitglieder zwischen 14 und 102

„Heute haben wir 904 Mitglieder im Alter von 14 bis 102 Jahren“, sagt Karl Heinz Sievers stolz. Der Vorstand hat in den letzten Jahren eifrig die Werbetrommel gerührt und auch über Bingonachmittage, Ausflüge, Weihnachts- und Karnevalsfeiern viele neue Mitglieder gewinnen können. Vor allem aber schätzen viele Mitglieder die Rechtsberatung durch den Kreisverband, die alle Mitglieder für einen monatlichen Beitrag von fünf Euro in Anspruch nehmen können.

„Zu oft werden berechtigte Ansprüche für kranke und behinderte Menschen abgeblockt. Wenn man sich allein dagegen wehren muss, hat man kaum eine Chance“, auch so erklärt Karl Heinz Sievers den Mitgliederzuwachs.

Ehrenamt macht Spaß

Willi Schütte (65) klopft drei Mal auf die hölzernere Tischplatte. „Ich hatte noch keine rechtlichen oder gesundheitlichen Probleme“, sagt er. Mitglied im VdK ist er dennoch seit zwei Jahren. Jetzt ist er sogar zum zweiten Vorsitzenden gewählt worden. Kennengelernt hat er den VdK als Ausflugsteilnehmer bei einer Fahrt zum Weihnachtsmarkt nach Bad Lippspringe. „Und dann haben die mich gefragt, ob ich nicht Mitglied werden will.“ Er wollte. Und er wollte sich auch engagieren. „Ich finde, dass Rentner, die noch fit sind, im Alter noch irgendetwas ehrenamtlich machen sollten. Helfen ist doch eine gute Sache.“ Und ganz abgesehen davon, so sagt Willi Schütte: „Es macht einfach Riesenspaß. Wir haben hier ein spitzenmäßiges Team.“

  • Der VdK ist mit fast 1,9 Millionen Mitgliedern der größten Sozialverband Deutschlands.
  • Als eine seiner wichtigsten Aufgaben sieht der VdK die Vertretung der Interessen seiner Mitglieder gegenüber der Politik an.
  • Darüber hinaus versteht sich der VdK als Ratgeber für seine Mitglieder bei Fragen zur Rente, Gesundheit und Pflege, Teilhabe und Behinderung, Leben im Alter oder soziale Sicherung
  • Der Verbandsname „VdK“ war ursprünglich eine Abkürzung: Gegründet wurde der VdK Deutschland 1950 unter dem Namen Verband der Kriegsbeschädigten, Kriegshinterbliebenen. Dieser Name wird nicht mehr verwendet.
  • Der VdK Stadtlohn hält an jedem ersten und dritten Donnerstag im Monat von 17 bis 18 Uhr in der Marienschule, Butenstadt, 13 eine Sprechstunde (keine Rechtsberatung) ab.
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