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Stadtlohner Unternehmen hat keine Angst vor Trumps Strafzöllen

Lichtgitter hat millionste Tonne Stahl-Spaltband produziert

Seit 2004 spaltet Lichtgitter Stahlbänder in eigener Regie. Jetzt knackt die Firma eine besondere Marke – und fürchtet sich nicht vor Trumps Strafzöllen.

Stadtlohn

, 19.03.2018
Stadtlohner Unternehmen hat keine Angst vor Trumps Strafzöllen

Henrik Garwert, Geschäftsführer Dirk Schuchardt und Daniel van Almsick mit dem 40.000. Coil. © Stefan Grothues

Das Heulen der mächtigen Maschine verbreitet wahrlich keinen Wohlklang. Aber in den Ohren von Henrik Garwert und Daniel van Almsick könnte es in diesen Tagen doch auch ein wenig nach Musik klingen, wenn die 40.000. Stahlblechrolle in die Spaltanlage der Firma Lichtgitter eingespannt wird und sich die Rollmesser millimetertief ins abwickelnde Stahlblech schneiden. Dann bricht die Spaltanlage den angeritzten Stahl präzise in schmale Streifen, die in neuen Spaltbandrollen aufgewickelt werden. Das perfekte Ausgangsmaterial für die LichtgitterProduktion.

Mit der 40.000. Stahlblechrolle – die Fachleute sprechen von Coils – knackt die Spaltanlage jetzt eine beachtenswerte Marke: Hier wird gerade die millionste Tonne Stahl-Spaltband produziert. Henrik Garwert, der Leiter der Spaltanlage, Daniel van Almsick, sein Stellvertreter, und das ganze Team sind richtig stolz auf diese Zahl. Und Geschäftsführer Dirk Schuchardt ist stolz auf seine Mannschaft und auf die Spaltanlage.

„Wir haben die Maschine 2004 in den USA gekauft. Es war damals die leistungsfähigste, die weltweit zu haben war“, sagt Dirk Schuchardt. Ein kluger Schritt. Damit hat das Stadtlohner Unternehmen, das seit fast 90 Jahren Lichtgitter produziert, eine weitere Wertschöpfung in die eigene Firmengruppe geholt, an der bis dahin andere Unternehmen verdienten.

Alles außer Hochofen

Rund 70.000 Tonnen-Spaltband produziert Lichtgitter jährlich. 50 bis 60 Prozent werden für Gitterrostproduktion in Stadtlohn benötigt, 30 bis 40 Prozent gehen an die Lichtgitter-Tochterunternehmen in Deutschland und Westeuropa. Zehn Prozent werden außerhalb der Lichtgitter-Gruppe vermarktet. Die Idee, Wertschöpfung ins eigene Unternehmen zu verlagern, hat Lichtgitter auch beim Aufbau eigener Verzinkereien in Stadtlohn, Heek und Sulz am Neckar verfolgt. „Wir sind jetzt mit der Wertschöpfung in der eigenen Gruppe weit vorangekommen. Der nächste Schritt wäre ein eigener Hochofen“, sagt Dirk Schuchardt augenzwinkernd. Soweit wird es natürlich nicht kommen. Aber auch so kann Lichtgitter eine stolze Bilanz vorweisen. 1929 wurde es vom Stadtlohner Carl Martin und den zwei Engländern Allan und Allan Norman Kennedy als erste Lichtgitter-Fabrik in Kontinentaleuropa gegründet.

Zur Lichtgitter-Gruppe, die sich nach wie vor zu 100 Prozent in Familienbesitz befindet und in der dritten Generation durch die Familie geführt wird, gehören aktuell 28 operative Gesellschaften in 18 Ländern. Für das Geschäftsjahr 2018 erwartet Dirk Schuchardt einen Gruppenumsatz von rund 230 Millionen Euro bei „ordentlicher Ertragslage“. Am Standort Stadtlohn beschäftigt Lichtgitter 480 Mitarbeiter. In Deutschland sind es 1050, weltweit 1400 Mitarbeiter. Und es könnten noch mehr sein. „Wir spüren den Facharbeitermangel. Aktuell sind Stellen offen, die dringend besetzt werden müssen“, sagt Dirk Schuchardt.

„Zölle sind großer Irrtum“

Bereitet dem weltweit tätigen Unternehmen die Strafzoll-Drohung des amerikanischen Präsidenten Donald Trump Sorgen? Dirk Schuchardt bleibt gelassen. „Es steht ja noch nicht im Detail fest, welche Stahlprodukte betroffen sein werden. Wir werden auf jeden Fall glimpflicher davon kommen als andere, weil wir ja den Vorteil einer eigenen Dependance in den USA haben.“ Damit spielt der Lichtgitter-Geschäftsführer auf das neue Werk in Houston/Texas an, das die Stadtlohner 2017 eröffnet haben. Dirk Schuchardt lässt aber keinen Zweifel daran, dass er Protektionismus für einen „großen Irrtum“ hält. „Unternehmen müssen sich im Wettbewerb beweisen. Nur so können ihre eigene Leistungsfähigkeit verbessern.“

Wo steht denn Lichtgitter im Wettbewerb? Auf diese Frage gibt Dirk Schuchardt eine selbstbewusste Antwort: „Weltweit gehören wir zu den Top Zehn der Branche, umsatzmäßig zu den Top Fünf, ertragsmäßig zu den Top Drei. Und technisch sind wir an der Spitze.“

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