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Stadtrundfahrt ohne Bremse: Segways in Großstädten

Berlin (dpa) Mit einer eleganten Gewichtsverlagerung kurven Berlin-Touristen durch das Brandenburger Tor. Ein wenig nach vorne gelehnt und ihr Segway rauscht auf den Bundestag zu.

Stadtrundfahrt ohne Bremse: Segways in Großstädten

Mit ihren Segways rollen Touristinnen vor dem Konzerthaus auf dem Gendarmenmarkt in Berlin. (Bild: dpa)

In vielen Bundesländern sind die skurrilen, einachsigen Elektroroller auf zwei Rädern inzwischen unterwegs, bisher jedoch nur mit Ausnahmegenehmigungen. Jetzt will Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) die Roller bundesweit auf Radwegen zulassen - und erntet damit Skepsis und Kritik.

«Segways sind auf Radwegen eine unberechenbare Gefahr», kritisiert Bettina Cibulski, Sprecherin des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC). Sie spricht von «Verkehrsmitteln, die man eigentlich nicht braucht». Die gut fünfzig Kilogramm schweren Roller können bis zu zwanzig Stundenkilometer schnell werden. Gelenkt werden sie einzig durch Gewichtsverlagerung des Rollerfahrers. Eine Bremse gibt es nicht.

«Damit sind die Roller schwerfällig und nur schlecht kontrollierbar», sagt Cibulski. Viele Radwege in den Städten erfüllten bereits jetzt kaum die Vorschrift von 1,5 Metern Breite. «Da passt der Segway nicht auch noch mit drauf», kritisiert die ADFC-Sprecherin. Nach ihrer Ansicht sollten Elektroroller nur außerhalb von Ortschaften auf Radwegen geduldet werden, denn «dort sind die Wege breiter».

Siegfried Brockmann hingegen, Unfallforscher der Deutschen Versicherer, würde Segways sogar in Fußgängerzonen zulassen - allerdings mit einem Tempolimit von 6 Stundenkilometern. Er hat Crashtests ausgewertet, wonach bereits bei Tempo 15 ein Unfall tödlich ausgehen kann, sowohl für einen angefahrenen Passanten wie für den Segway-Fahrer. «Wir empfehlen, Segways auch außerhalb von Fußgängerbereichen nicht schneller als neun Stundenkilometer zu erlauben», sagt der Unfallforscher. Wo es Radwege gebe, sollten sie auch von den Elektrorollern genutzt werden.

Offiziell hat der Segway noch keine Betriebserlaubnis, doch viele Bundesländer haben Ausnahmegenehmigungen erlassen. In Hessen und Hamburg hat Anfang des Jahres sogar die Polizei den Einsatz der Elektroroller getestet. «Wir halten sie als polizeiliches Einsatzmittel aber nicht für geeignet», sagt eine Hamburger Behördensprecherin. In den Innenstädten erreiche man die Menschen zu Fuß besser. Die hessische Polizei will noch nicht über einen dauerhaften Einsatz von Segways entscheiden. «Wir müssen die Tests auswerten und schauen, an welcher Stelle der Einsatz sinnvoll ist», sagt Innenministeriums-Sprecher Thorsten Neels.

In München, Köln, Worms und Berlin kurven Touristen bei Segway-Stadtführungen auf den Elektrorollern von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten. Eine offizielle Zulassung würde der Berliner Segway-Stadtführer Engin Cömert aber nur befürworten, wenn es strikte Kontrollen gäbe. «Wenn man nicht verantwortungsvoll ist, können Segways mit ihrem Gewicht gefährlich sein», sagt Cömert. Aus seiner Sicht wäre die Einführung eines Segway-Führerscheins und eine Altersbegrenzung ab 16 Jahren sinnvoll. Dann brauche man auch keine Geschwindigkeitseinschränkung. «Denn Segway fahren macht langsam keinen Spaß», sagt der Stadtführer.

In Berlin kurven Touristen inzwischen fast täglich mit dem Segway durch die Stadt und sind trotz Tempobegrenzung auf maximal neun Stundenkilometer meistens hellauf begeistert. Aber auch wenn der Elektroroller bundesweit zugelassen werden sollte, wird er wohl ein Exot bleiben. «Solch ein Gerät kostet über 7000 Euro», sagt Engin Cömert. «Ein Massenphänomen wird der Segway nie.»

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