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Stahlhaus in Renninhausen: Alte Liebe rostet nicht

RENNINGHAUSEN Für den Hausputz könnte Familie Strasser den Hochdruckreiniger nehmen. Für's Bilder Aufhängen reicht ein Magnet. Christine und Dr. Helge Strasser wohnen in einem Haus aus Stahl, gebaut 1963 von Hoesch.

von Von Julia Gaß

, 10.07.2008
Stahlhaus in Renninhausen: Alte Liebe rostet nicht

(Fast) alles am Haus der Strassers ist aus Stahl. Nur das Dach haben die Hausbesitzer auf eine Holzpfeiler-Konstruktion aufsetzen lassen.

1,19 Meter ist das Maß, das Räume und Fassade des Bungalows in Renninghausen strukturiert. 1,19 Meter breit sind die Stahlplatten, aus denen das Haus zusammen gesetzt ist.

Strom wird nur als Schwachstrom zum Sicherungskasten geleitet - damit die Wände nicht unter Strom stehen können.

Die Decken sind mit Rigipsplatten abgehängt, rundum läuft ein Band aus Stahl, an dem Bilder an Perlonfäden hängen. Der Fußboden ist auch aus Stahl, drüber liegt Pressholz, darauf der Teppich. Selbst die Terrasse und die Jalousiekästen sind aus Stahl. Ein Gebläse im Keller pustet warme Luft von der Gasheizung durch Schächte im Fußboden.

Gesamtkunstwerk ist ein Unikum

Sieben Stahlhäuser stehen an der Lütgenholthauser Straße. In der Nummer 86 wohnen die Strassers. Ein "Gesamtkunstwerk" sollte die Siedlung sein - im Dortmunder Süden ist sie ein Unikum.

78 500 DM hat ein Haus damals ohne Grundstück und Extras gekostet. "Wir wohnten in der Nähe und suchten als junge Familie mit zwei Kindern etwas Preiswertes", erinnert sich der Diplomkaufmann und Wirtschaftswissenschaftler, der ehemaliger Hoeschianer ist und sich als Rentner heute im Hoesch-Museum engagiert.

Zur Miete haben die Strassers zunächst zehn Jahre in ihrem Stahlhaus gewohnt, dann waren sie die ersten, die eines der sieben Häuser gekauft haben.

Wenn der Klüngelkerl vorbei fährt scherzt Strasser, dass der es auf sein Haus abgesehen habe. Gerostet ist noch nichts; der Stahl ist mit Kunststoff beschichtet und lackiert. "Nachbarn haben versucht, zu tapezieren, aber die Tapete ist gerissen", weiß Strasser. Für die Kinder war das Leben im Stahlhaus praktisch. Als die Tochter eine Wand mit Filzstift bemalt hat, brauchte die Mutter nur einen feuchten Lappen.

Große Herausforderung für den Klempner

Eine größere Herausforderung war der Stahl für den Klempner, der mit Spezialstahlschrauben den großen Spielgelschrank über dem Waschbecken montiert hat.

"Wie schlägt man denn in diese Wände Nägel?", hat Helge Strasser überlegt, als er die 150 m² bezogen hat. Sie lieferten die Bohrmaschine mit, teilte die Herstellerfirma mit. Doch die Strassers greifen lieber zum Magneten - auch, um eine Notiz an der Stahltür zu hinterlassen.

"Wenn etwas kaputt ist, kann man es so reparieren, wie Blech am Auto. Mit Spachtelmasse", hat Helge Strasser gelernt.

"Man musste Mut haben, so ein Haus zu kaufen", sagt der Hausherr. Ihre Stahlhäuser verkauft haben die Nachbarn aber nur, wenn sie berufsbedingt wegziehen mussten. Nie, weil sie mit dem Haus nicht zurechtgekommen sind. - Alte Liebe rostet eben nicht.

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