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Stasi-Mann verzichtet auf Gillhoff-Preis

Schwerin (dpa) Der frühere Stasi-Mann Jürgen Rogge verzichtet auf den Johannes-Gillhoff-Preis 2012 für niederdeutsche Literatur. Das teilte der Vorstand der Gillhoff-Gesellschaft am Donnerstag mit, wie der Ludwigsluster Bürgermeister Reinhard Mach bestätigte.

Mach zeigte sich erleichtert über die Entscheidung Rogges. Dadurch werde Schaden vom Thema Johannes Gillhoff und der Gillhoff-Gesellschaft abgewendet, sagte er der Nachrichtenagentur dpa. Zuvor hatte es massive Kritik an der Auswahl des Preisträgers gegeben.

Die Auszeichnung sollte am Samstag in Glaisin, dem Geburtsort des niederdeutschen Dichters Johannes Gillhoff (1861-1930), überreicht werden. Glaisin ist ein Ortsteil von Ludwigslust (Mecklenburg-Vorpommern). Dort hat auch die Gillhoff-Gesellschaft ihren Sitz.

Zu den bisherigen Preisträgern gehören Schriftsteller wie Walter Kempowski und Ulrich Schacht. Schacht hatte angekündigt, sich von der Liste der Preisträger streichen zu lassen, sollte Rogge die Auszeichnung erhalten. Johannes Gillhoff wurde mit Werken wie dem Auswanderer-Roman «Jürnjakob Swehn, der Amerikafahrer» bekannt.

Jürgen Rogge hatte in den 1970er und 1980er Jahren die psychiatrische Abteilung des Haftkrankenhauses Leipzig geleitet und war Stasi-IME (IM im besonderen Einsatz). In dem Haftkrankenhaus wurden auch politische Gefangene behandelt. Rogges Tätigkeit sei per se eine gewesen, bei der eng mit der Staatssicherheit zusammengearbeitet wurde, sagte der Landesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen in Sachsen, Lutz Rathenow. «Das war in der Psychiatrie extrem der Fall.»

Auch die Landesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen in Mecklenburg-Vorpommern, Marita Pagels-Heineking, und Landespolitiker hatten Unverständnis über die Auswahl des Gillhoff-Preisträgers geäußert. Die stellvertretende Landtagspräsidentin Silke Gajek (Grüne) hatte ihre Teilnahme an der Preisverleihung abgesagt.

Der Vorstand der Gillhoff-Gesellschaft, Hartmut Brun, hatte noch am Mittwoch die Wahl des Preisträgers verteidigt. Der Gillhoff-Preis würdige Verdienste um die niederdeutsche Literatur, die berufliche Vergangenheit des Preisträgers spiele bei dessen Auswahl keine Rolle.

Bürgermeister Mach zufolge wird es nach dem Wirbel in diesem Jahr keinen Johannes-Gillhoff-Preisträger geben. 2013 werde es aber weitergehen, sagte er.

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