Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung
Anzeige
Anzeige

Statistisches Bundesamt: Die Arbeitszeit passt vielen nicht

Wiesbaden (dpa) Viele Menschen in Deutschland sind mit ihrer Arbeitszeit nicht zufrieden. Die einen müssen nach ihrem Geschmack viel zu lange schaffen, andere dürfen nicht so ranklotzen, wie sie wollen.

Statistisches Bundesamt: Die Arbeitszeit passt vielen nicht

Laut dem Statistischen Bundesamt wollten knapp 3 Millionen Menschen im vergangenen Jahr mehr arbeiten. Foto: Frank Rumpenhorst

So viel Arbeit war nie in Deutschland - und dennoch können viele Menschen nicht so viel anpacken, wie sie eigentlich wollen. Vor allem für Frauen ist eine Teilzeitbeschäftigung oft nur zweite Wahl.

Neben den rund 2,1 Millionen Erwerbslosen und einer «stillen Reserve» von rund 1 Million Menschen gehören dazu auch gut 2,9 Millionen Jobinhaber, die im vergangenen Jahr im Schnitt satte 11,3 Stunden pro Woche länger arbeiten und entsprechend mehr Geld verdienen wollten.

Aus den Zahlen des Statistischen Bundesamtes geht hervor, dass sich vor allem teilzeitbeschäftigte Frauen mehr Arbeit wünschen. Fast 15 Stunden in der Woche würden die Betroffenen drauflegen, wenn sie denn könnten. Von den 1,6 Millionen nach eigener Einschätzung unterbeschäftigten Teilzeitkräften sind rund drei Viertel weiblich. Sie arbeiten im Schnitt knapp unter 18 Stunden in der Woche, sprich halbtags.

Vor allem Mütter sind gekniffen: «Viele kommen nach der Kinderpause aus der Teilzeitfalle nicht heraus», schildert Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit das Problem. Auch die Pflege älterer Angehöriger bleibt oft genug Sache der Frauen, die dafür im Job zurückstecken. Notwendig seien aus seiner Sicht der Ausbau von Kinderbetreuungsmöglichkeiten und flexible Angebote von Unternehmen.

Genau umgekehrt ist die Geschlechterverteilung bei den 1,3 Millionen Menschen, denen sogar ihr Vollzeitjob mit durchschnittlich gut 40 Stunden nicht ausreicht. Sie wollten 2014 im Schnitt sieben Stunden drauflegen. Nach noch nicht veröffentlichten Teiluntersuchungen sind darunter überdurchschnittlich viele frischgebackene Familienväter, sagt die Statistik-Expertin Martina Rengers. Hier spiele das zunehmend engere Familien-Budget wohl eine wichtige Rolle.

Die Menschen bräuchten mehr Souveränität über ihre Arbeitszeit, um Beruf und Privatleben besser unter einen Hut zu bringen, verlangt die Vize-Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Elke Hannack. «Dem stehen starre Arbeitszeitregeln und eine Präsenzkultur, die ihresgleichen sucht, entgegen.» Der DGB verlangt daher einen gesetzlich geregelten Anspruch auf befristete Teilzeit, damit Beschäftigte ihre Arbeitszeit nach Bedarf wieder aufstocken könnten. Dann würden auch Männer diese Möglichkeit in Anspruch nehmen.

Auf der anderen Seite stehen rund 900 000 Erwerbstätige, die ihre Arbeitszeit auch bei entsprechenden Einkommenseinbußen gerne reduzieren würden, und zwar im Schnitt von knapp 45 Stunden auf 34 pro Woche. In dieser Gruppe sind die Männer leicht in der Überzahl, nach den Gründen wurde nicht gefragt. Besonders lange Arbeitszeiten haben nach der Erhebung Selbstständige, Führungskräfte und Beschäftigte in der Landwirtschaft.

Das von der Wirtschaft nicht genutzte Arbeitspotenzial der Job-Inhaber betrug 2014 in der Summe von Über- und Unterbeschäftigung knapp 22,6 Millionen Arbeitsstunden pro Jahr, was 566 000 Vollzeitstellen (40 Wochenstunden) entsprach. Das Potenzial vor der eigenen Haustür wird langsam besser genutzt: Im Vergleich zum Jahr 2013 ist die Zahl der Unterbeschäftigten um 6,5 Prozent gesunken. Die Zahl der Menschen mit zu viel Arbeit wuchs hingegen um 5,2 Prozent.

Zur «stillen Reserve» des Arbeitsmarktes werden Menschen ohne Job gezählt, die zwar grundsätzlich eine Arbeit suchen, aber aus verschiedenen Gründen nicht kurzfristig zur Verfügung stehen.

Anzeige
Anzeige
Das könnte Sie auch interessieren

Leben : Beruf und Bildung

Wie werde ich Brauer und Mälzer?

Bamberg (dpa/tmn) Bier zu mögen ist ein guter Anfang. Um Brauer und Mälzer zu werden, braucht es aber auch technisches Interesse - und Lust am Zupacken. In großen Betrieben läuft vieles zwar automatisiert. Doch der Trend zum Craft Beer bringt auch die handwerkliche Seite des Berufs zurück.mehr...

Leben : Beruf und Bildung

Raus aus dem Kinderzimmer: Vier eigene Wände für Azubis

Bielefeld (dpa/tmn) Die erste eigene Wohnung ist ein großer Schritt in die Selbstständigkeit ? und der will gut geplant sein. Wohnungssuche, Finanzen, Versicherungen: Das müssen Auszubildende beim Auszug aus dem Elternhaus wissen.mehr...

Leben : Beruf und Bildung

Vier von fünf Arbeitnehmern klagen über psychische Belastung

Berlin/Stuttgart (dpa/tmn) Der psychische Druck am Arbeitsplatz steigt. Laut einer neuen Umfrage klagen sehr viele Beschäftigte über hohe Belastungen. Eine Berufsgruppe ist davon besonders betroffen.mehr...

Leben : Beruf und Bildung

Gericht: Mann kann nicht Gleichstellungsbeauftragter werden

Greifswald (dpa) Männliche Beschäftigte im öffentlichen Dienst Mecklenburg-Vorpommerns dürfen nicht Gleichstellungsbeauftragte werden und diese auch nicht wählen. Das Landesverfassungsgericht hat die Klage eines Landesbeamten zurückgewiesen - der reagiert enttäuscht.mehr...

Leben : Beruf und Bildung

Kreuzfahrt-Reeder suchen neue Crews - in Berlin

Berlin (dpa/bb) Ob Fitness-Profi, IT-Experte oder Frisör - auf einem Kreuzfahrt-Schiff kommen viele Berufsgruppen zum Einsatz. Und die Nachfrage nach Arbeitskräften ist groß in der Branche. Auf einer Jobmesse in Berlin können sich Interessierte informieren.mehr...

Leben : Beruf und Bildung

Checkliste zum Neustart: Fragen für angehende Gründer

Krankenversicherung, Gründungszuschuss, Kundenakquise: Wer aus der Festanstellung in die Selbstständigkeit wechselt, sieht sich plötzlich einem Berg neuer Probleme gegenüber. Den abzuarbeiten, ist nicht unmöglich - etwas Zeit sollten Gründer dafür aber einplanen.mehr...