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«Stauffenbergs Schwur» uraufgeführt

Albstadt (dpa) Die Entwicklung Claus Schenks Graf von Stauffenberg vom national-konservativen Patrioten zum Hitler-Attentäter auf einer Theaterbühne zu beschreiben, ist nicht einfach. Das Theater Lindenhof stellt sich dieser Aufgabe in Albstadt (Baden-Württemberg) in «Stauffenbergs Schwur» mit einer zurückhaltenden Inszenierung.

In wechselnden Rollen erzählen drei Schauspieler die Geschichte Stauffenbergs nach, zur Untermalung ein Cello-Spieler, einfache graue Klötze als Kulisse, kein Szenenwechsel. Die Zuschauer haben in etwas mehr als anderthalb Stunden eine Menge Text zu verdauen. Trotzdem kommt das dokumentarische Stück an - die Uraufführung im Rahmen der Baden-Württembergischen Literaturtage würdigt das Publikum mit langanhaltendem Applaus.

In Stauffenbergs Kindertagen beginnt die Nacherzählung seines Lebens. Er wurde am 15. November 1907 geboren, als Spross einer schwäbischen Adelsfamilie. Damit kamen auch regionale Bezüge auf der Bühne zur Sprache; Stauffenberg ist in Stuttgart aufgewachsen und hat die Sommermonate häufig auf dem Landsitz seiner Familie in Albstadt-Lautlingen auf der Schwäbischen Alb verbracht.

Die Schauspieler Oliver Moumouris, Gerd Plankenhorn und Linda Schlepps schlüpfen in die verschiedensten Rollen, sie spielen Brüder und Eltern, zitieren Bekannte Stauffenbergs aus dem Kreis um den Dichter Stefan George und geben die Aussagen von Mitverschwörern wieder. Vorgetragen werden auch die Ansichten der Hauptperson selbst - überliefert in Briefen und Schulaufsätzen. Charles-Antoine Duflot sorgt auf der Bühne für Begleitmusik, mit einem Cello - auch Stauffenberg spielte dieses Instrument.

Zitiert wird auch ein Brief des Oberleutnants Stauffenberg an seine Frau aus dem ersten Kriegsjahr aus Polen: «Die Bevölkerung ist ein unglaublicher Pöbel, sehr viele Juden und sehr viel Mischvolk. Ein Volk, welches sich nur unter der Knute wohlfühlt.» Unter Historikern umstritten bleibt bis heute, wann genau Stauffenberg mit den Nazis brach. Dass es spätestens Anfang 1942 gewesen sein dürfte, als Stauffenberg von der Massenerschießung von Juden in der Ukraine erfuhr, legt auch das Theaterstück nahe. Eindringlich und detailliert wird ein solches Verbrechen auf der Bühne geschildert.

Zitate belegen die inneren Konflikte Stauffenbergs und vor allem die Frage, ob er den Eid auf den Führer brechen sollte. «Derjenige allerdings, der etwas zu tun wagt, muss sich bewusst sein, dass er wohl als Verräter in die deutsche Geschichte eingehen wird. Unterlässt er die Tat, so wird er zum Verräter vor seinem eigenen Gewissen.» Gemeinsam mit engen Freunden hatte Stauffenberg im Juli 1944 einen Text verfasst, in dem es hieß: «Wir glauben an die Zukunft der Deutschen.» Letztlich war es dieser «Schwur», das legt das Theaterstücke nahe, der Stauffenberg zu dem Attentat bewegte.

Es sind solche Schilderungen und die zum Teil widersprüchlichen Zitate von Stauffenberg und von Menschen aus seiner Umgebung, die bei «Stauffenbergs Schwur» auf die Zuschauer wirken. Dem Publikum ist es überlassen, eigene Schlüsse daraus zu ziehen. Die Inszenierung lässt dafür Raum.

Stauffenberg, der 1944 zum Oberst im Generalstab befördert wurde, wäre am 15. November 100 Jahre alt geworden. Er wurde nach dem gescheiterten Attentat auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944 im Führerhauptquartier «Wolfschanze» hingerichtet - er wurde 36 Jahre alt.

www.theater-lindenhof.de

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