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Steht TTIP auf der Kippe? Gabriel: Viele Ängste grundlos

Berlin (dpa) Wenn das Handelsabkommen TTIP noch in der Obama-Ära was werden soll, müssen Brüssel und Washington Tempo machen. Wirtschaftsminister Gabriel tut, was er kann, um kritische Bürger zu überzeugen - auch aus Eigennutz, weil ihm seine SPD auf die Finger schaut.

Steht TTIP auf der Kippe? Gabriel: Viele Ängste grundlos

Die Flaggen der USA und der EU. Foto: Soeren Stache/Illustration

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) will das umstrittene EU-USA-Handelsabkommen TTIP retten und die massiven Vorbehalte der Bürger zerstreuen.

In der TTIP-Debatte «stehen nach meinem Eindruck Ängste und Sorgen im Vordergrund, während über die Chancen zu wenig gesprochen wird», schreibt Gabriel in der Einladung für eine große Wirtschaftskonferenz, an der an diesem Dienstag in Berlin auch der Handelsbeauftragte von US-Präsident Barack Obama, Michael Froman, sowie EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström teilnehmen. 

Durch TTIP («Transatlantic Trade and Investment Partnership») sollen doppelte Standards und Zölle wegfallen und mit 800 Millionen Verbrauchern der größte Wirtschaftsraum der Welt entstehen. Umstritten ist, ob das mehr Wachstum und Arbeitsplätze bringt.

Gabriel betont, viele Bedenken der TTIP-Gegner seien grundlos. «Anders als häufig behauptet, wird TTIP etwa unsere hohen Standards beim Umwelt-, Verbraucher-, Arbeitnehmer- und Sozialschutz und der öffentlichen Daseinsvorsorge wahren und unsere kulturelle und mediale Vielfalt unberührt lassen.» Verständlich sei hingegen die Kritik an den bei TTIP vorgesehenen Schiedsgerichten, vor denen Konzerne Staaten auf Schadenersatz verklagen könnten.

In der SPD gibt es erheblichen Widerstand gegen TTIP, was für Gabriel als Parteichef ein Problem ist. Durch die Spionageaffäre um den US-Geheimdienst NSA ist das Verhandlungsklima mit Washington nicht besser geworden. Am 20. Juni wird sich ein SPD-Konvent mit TTIP befassen. 

Gabriel hat deshalb rote Linien gezogen: Das System der Schiedsgerichte soll komplett reformiert und ein Handelsgerichtshof etabliert werden, der Streitigkeiten beilegen soll. Die einflussreichen Handelspolitiker im EU-Parlament hatten zuletzt mehrheitlich für eine Fortsetzung der Verhandlungen mit den USA gestimmt - das alte System der Schiedsgerichte aber für gescheitert erklärt. 

Die deutschen Wirtschaft fordert Brüssel und Washington auf, Tempo zu machen. «Die Verhandlungsführer aus Europa und den USA sollten den Rückenwind aus dem Europäischen Parlament nutzen, um nun konkrete Fortschritte in den TTIP-Verhandlungen zu erzielen. Die Dynamik darf jetzt in den Verhandlungen nicht verloren gehen», sagte Industriepräsident Ulrich Grillo der Deutschen Presse-Agentur.

Die TTIP-Befürworter fürchten, dass das Abkommen zur jahrelangen Hängepartie verkommt, wenn nicht vor der heißen Phase im US-Präsidentschaftswahlkampf ein Durchbruch erzielt wird. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) will ebenfalls noch 2015 Erfolge sehen - und TTIP beim G7-Gipfel auf Schloss Elmau prominent beraten.

Aus Sicht der Verbraucherorganisation Foodwatch ist durch TTIP eine klare Kennzeichnung der Herkunft von Lebensmitteln in Gefahr. In einer Stellungnahme spreche sich die EU-Kommission gegen verbindliche Angaben aus. Foodwatch-Geschäftsführer Thilo Bode sagte der dpa: «Das Beispiel Herkunftskennzeichnung zeigt einmal mehr: Die Gefahr bei TTIP ist weniger, dass Standards gesenkt werden, sondern dass bestehende Regelungen in Zukunft nur noch sehr schwierig zu verbessern sind.»

Erläuterungen des Wirtschaftsministeriums zu TTIP

Hintergrund Europäische Bürgerinitiative

Pressemitteilung Stop TTIP

Gabriel/DGB-Papier zu TTIP

EU-Kommission zu TTIP

Verhandlungsmandat der EU-Kommission

Klimaschützer zu TTIP

Fragen & Antworten EU-Kommission

US-Regierung zu TTIP

Protest-Netzwerk Campact

Beschluss SPD-Konvent

Wirtschaftsministerium zu Ceta

Ceta-Vertragstext Englisch

Liste regionaler Produkte

SPD-Freihandelskonferenz

Programm der SPD-Konferenz

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