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Steinzeit-Menschen waren ordnungsliebend

Albersdorf (dpa) Sie aßen mit den Fingern, heizten mit offenem Feuer und kannten auch kein Metall: Die Bauern der Jungsteinzeit besaßen als Handwerkzeug nur Steinbeil, Feuersteinklinge und Knochenmeißel.

Steinzeit-Menschen waren ordnungsliebend

Der Steinzeitpark in Albersdorf (Kreis Dithmarschen)

«Doch die damaligen Menschen sind uns näher, als wir es uns vorstellen können», sagt Archäologe Rüdiger Kelm. Neueste Erkenntnisse zeigen, dass Steinzeitmenschen sauber und ordentlich waren. Um schöner zu wohnen, schmückten sie ihre Wohnungen sogar mit Blumen: Das beweisen frische Blüten, die sie in den feuchten Lehmputz ihrer Hauswände gedrückt hatten.

Kelm betreut in Albersdorf (Kreis Dithmarschen) den Nachbau eines norddeutschen Steinzeitdorfs. Obwohl es über das Leben vor 5000 Jahren keine Augenzeugenberichte gibt, ist das heutige Wissen über den Alltag der sogenannten Bauernsteinzeit (Neolithikum) keine Fantasterei, sondern Ergebnis ernsthafter Forschung, erklärt der Wissenschaftler.

So fanden Chemiker bei Bodenuntersuchungen in den Resten von Häusern unter anderem nur sehr niedrige Phosphatwerte, während es außerhalb einige Stellen mit deutlich höheren Werten gab. Daraus folgerten die Wissenschaftler, dass die Steinzeitler ihren Wohnbereich aufräumten, um ihn mit Reisigbesen zu fegen und sauber zu halten. Als «Toilette» nutzten sie den Dachüberstand draußen an der Hauswand.

Die Menschen in der Jungsteinzeit (3500-1700 v.Chr.) lebten in Großfamilien zusammen. «Es war eine durchweg junge Gesellschaft, mindestens die Hälfte waren Kinder», sagt Kelm. Doch auch die Alten starben damals nach unseren Maßstäben jung: Die durchschnittliche Lebenserwartung der Männer betrug 33 Jahre, die der Frauen 30 Jahre. Durch Analyse der Knochen entdeckte man, dass die Kinder damals bis zu einem Alter von drei bis vier Jahren an der Brust ernährt wurden. Erst danach mussten sie sich das Essen mit den anderen Familienmitgliedern teilen, litten auch sie unter Hunger und Mangelerscheinungen.

Ernährten sich die Jäger der Alt- und Mittelsteinzeit zu 90 Prozent vom Fleisch, lebten die Menschen der Jungsteinzeit «bäuerlich» und löffelten schon morgens einen Brei: Meist aus Gerste, nur selten aus Weizen, und ab der Bronzezeit auch aus Hafer, das Ganze angereichert mit Erbsen, Bohnen oder Fleisch. «Knochenabfälle aus Bauernsiedlungen der Jungsteinzeit zeigen uns, dass zuerst ein sehr großer Anteil Jagdwild dabei war», erzählt Kelm. Doch das Verhältnis änderte sich sehr schnell, bis am Ende überwiegend Haustiere in den Kochtopf wanderten: Rinder, Schafe, Ziegen und Schweine. Dazu kamen Störe und andere Fische, die nicht nur mit Fischspeeren, sondern auch mit Netzen und Reusen gefangen wurden.

Besonders für ältere Steinzeitmenschen waren die Mahlzeiten nicht unbedingt eine richtige Freude, meint Kelm. Da die Menschen mit dem gemahlenen Getreide gleichzeitig das abgeriebene Gesteinsmehl aus den «Mörsern» kauten, wurden die Zähne so stark abgerieben, bis nur noch kurze Stümpfe übrig waren. «Da war ein Brei sicher ein Vorteil, denn der geht einfacher zu essen.» Trotzdem müssen die Menschen damals ständig Schmerzen gehabt haben. «Zahn- und Kopfschmerzen, wie wir es uns gar nicht vorstellen können.» Wie gingen sie damit um? «Es gibt Hinweise, dass sie Kaugummis aus Birkenpech kauten: Die haben eine betäubende Wirkung.» Außerdem bauten die Menschen schon in der Steinzeit Mohn an. «Daraus kann man Schmerzmittel herstellen.»

Nach dem Frühstück brachen sie auf, um ihr Tagwerk zu verrichten: Das Feuer hüten, Felder bestellen, Brennholz und andere Vorräte für den Winter sammeln. «Vielleicht teilten sie sich in Gruppen nach ihren Fähigkeiten auf», sagt Kelm. «Im Gegensatz zur folgenden Bronzezeit gab es damals noch eine Art Universalwissen: Jeder konnte grundsätzlich ein Essen zubereiten, eine Pfeilspitze herstellen und Holz bearbeiten, und jeder wusste, welche Pflanzen man sammeln sollte und welche giftig sind.»

Die Steinzeitbauern waren auch sehr eng mit ihren Vorfahren verbunden. Das zeigen die sogenannten Großsteingräber. Diese im Volksmud «Hünengräber» genannten Grabstätten wurden mit einem viel größeren Aufwand errichtet als die Häuser für die Lebenden. «Die Bestattungszeremonien gehörten wahrscheinlich zu den Höhepunkten im Jahr», erklärt Kelm. Man weiß durch den Erhaltungszustand der Toten, dass Großsteingräber nicht sofort geöffnet wurden, wenn jemand gestorben war. «Dann feierten sie vermutlich in einer gemeinsamen Zeremonie eine Gruppenbestattung.»

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