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Stephenie Meyers neuer Fantasy-Roman «Seelen»

Hamburg (dpa) Sie ist Hausfrau, Mutter von drei kleinen Söhnen, gläubige Mormonin, lebt in Phoenix (Arizona) - und zählt laut amerikanischem «Time»-Magazin zu den 100 einflussreichsten Menschen der Welt.

Stephenie Meyers neuer Fantasy-Roman «Seelen»

Stephenie Meyer wird als Nachfolgerin von «Harry Potter»-Erfinderin Rowling gehandelt.

Denn abends, wenn die Kinder schlafen, geht Stephenie Meyer an ihren Schreibtisch, stülpt sich Kopfhörer mit Rockmusik über und verfasst dicke Bücher, die von Millionen junger Mädchen beiderseits des Atlantik förmlich aufgesogen werden: Mit ihrem Vampir-«Bis(s)»- Vierteiler wurde die 34-jährige zur Megaseller-Autorin - von «Bis(s) zum Morgengrauen» bis zum gerade erst auf Englisch erschienenen «Breaking Dawn» rangieren die Titel auch bei uns ganz oben auf den einschlägigen Listen. Die so gefühligen wie keuschen Geschichten über den Teenager Bella und seinen blutdürstigen Lover Edward gingen in 6,5 Millionen Exemplaren über die Ladentische, ließen weltweit Internet-Fanforen boomen. Manche handeln Meyer sogar als Nachfolgerin der «Harry Potter»-Erfinderin Rowling.

Nun legt die Schriftstellerin einen Fantasy-Roman vor, der diesmal Leserinnen verschiedener Altersgruppen auch bei uns ins Herz treffen soll: In den USA erschien «Seelen» - unter dem Titel «The Host» - mit einer Startauflage von 500 000 Exemplaren und landete sogleich auf Platz eins der «New York Times»-Bestsellerliste. Erneut geht es um leidenschaftliche Liebe zwischen Menschen und Außerirdischem - erzählt aus der Perspektive einer Seele namens Wanda.

Szenario ist eine Erde, auf der fast die gesamte Bevölkerung per Zwangsoperation durch Seelen besetzt wurde. Nur wenige Zweibeiner leisten Widerstand und verschanzen sich in Höhlen. Die Seele Wanda, die zuvor in acht Welten gelebt hat, bekommt es mit der störrischen jungen Melanie zu tun, die ihren Eigensinn nicht aufgibt obwohl Wanda von ihrem Körper Besitz ergriffen hat. Das Drama beginnt, weil sich die gute Seele ebenso in den seelenlosen Jared verliebt wie ihr Wirtskörper - und sich bald in allzu Menschliches verstrickt.

Das klingt verwirrend - und so liest es sich in weiten Teilen auch: Die seltsame Dreiecks-Geschichte wirkt konstruiert und langatmig, ihre Figuren bleiben flach. Und dennoch - der Roman verfügt über Hintergründigkeiten, die ihn durchaus bemerkenswert machen: Im Kern formuliert das triviale Werk nämlich ein Unbehagen am gegenwärtigen Zivilisationsstand aus konservativ-christlicher Sicht. Das Wesen, das als «mitfühlend, geduldig, ehrlich, anständig und liebevoll» beschrieben wird, vermag die körperliche Welt distanziert zu betrachten - und als untergeordnet: Wanda empfindet Menschen ohne Seele als Barbaren, als aggressiv, eitel und eigennützig. Und doch können diese auch liebenswert und gütig sein. Mehr und mehr fühlt sich Wanda zu vielen von ihnen hingezogen - und umgekehrt.

«Dieser Ort hier war wirklich die herrlichste und die entsetzlichste aller Welten - die berauschendsten Sinneseindrücke, die wunderbarsten Gefühle ... die finstersten Wünsche, die fürchterlichsten Taten.» Immer wieder mahnt die Ich-Erzählerin, das «übergeordnete Ganze», die Harmonie von Allem und Allen im Sinn zu haben. Dem dient man nach Art der Seele am besten mit Liebe. Erotische Anziehung allein genügt daher bei Meyer keinesfalls, um es unter verantwortungsbewussten Leuten zum Sex kommen zu lassen.

Fast pädagogisch beschreibt die Autorin einzelne Szenen, in denen auch ein Alter unter 18 Jahren oder auch das Nichtvorhandensein von Kondomen den Verzicht verlangen. Ein wichtiges Moment im Seelenweltbild ist zudem die enge Bindung zu Kindern und unter Geschwistern - so liebt Wanda Melanies kleinen Bruder Jamie ebenso intensiv und aufopferungsvoll wie den attraktiven Jared.

Gegen Ende sagt einer der einst feindseligen Menschen über die Überirdische: «Wanda hat hier für mehr Gesundheit und Sicherheit gesorgt, als wie je hatten. Sie ist unerlässlich für das Überleben unserer Gemeinschaft - das der gesamten menschlichen Spezies.»

Wie die Verkaufszahlen belegen, scheinen solche Gedanken zumindest den amerikanischen Leserinnen aus der Seele zu sprechen. Vielleicht ist es Meyer, die an der Mormonenuniversität in Provo/Utah Literaturwissenschaften studiert hat, ja gelungen, auf ihre Weise unterschwellige Sehnsüchte des Zeitgeistes zu formulieren.

Stephenie Meyer

Seelen

Carlsen-Verlag, Hamburg

862 S., Euro 24,90

ISDN 978-3-551-58190-7

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