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Stiftungsrat entscheidet über Wagner-Nachfolge

Bayreuth (dpa) Wolfgang Wagner geht - und bei den Bayreuther Festspielen beginnt ein neues Zeitalter. Zwei Tage nach dem 89. Geburtstag des Richard-Wagner-Enkels entscheidet der Stiftungsrat am Montag (1. September) über seine Nachfolge in der Leitung des weltweit renommierten Musikfestivals.

Stiftungsrat entscheidet über Wagner-Nachfolge

Katharina Wagner wird vermutlich ihren Vater Wolfgang Wagner in Bayreuth beerben.

Seit 1951 - mehr als ein halbes Jahrhundert - herrschte Wolfgang Wagner am Grünen Hügel. Damit war er seit langem dienstältester Intendant der Welt. Trotz eines kräftigen Trommelwirbels, den die kurzfristige Bewerbung seiner Nichte Nike Wagner (63) im Verein mit dem belgischen Kulturmanager Gérard Mortier (64) auslöste, scheint das Votum des Gremiums für die Doppelspitze Katharina Wagner (30) und Eva Wagner-Pasquier (63) aber nur noch eine Formsache zu sein.

Sowohl die Vertreter der öffentlichen Zuschussgeber als auch die privaten Mäzene der Gesellschaft der Freunde von Bayreuth hatten sich im Vorfeld klar für die beiden Wagner-Töchter Katharina und Eva ausgesprochen. Natürlich wird der Stiftungsrat formal die erst vor wenigen Tagen eingegangene gemeinsame Bewerbung von Wieland Wagners Tochter Nike und Mortier genauso ernst nehmen und bewerten wie die der Halbschwestern.

Nike Wagner hat es sich mit ihrer immerwährenden harschen Kritik an Wolfgang Wagner nicht nur beim Patriarchen am Grünen Hügel verscherzt, sondern auch bei den Geldgebern. Katharina und Eva Wagner verfügen beide über praktische Erfahrung im Festspielhaus, auch wenn diese im Fall Eva schon 30 Jahre zurückliegt. Nike Wagner musste sich dagegen immer nur mit der Zuschauerrolle zufriedengeben. Ihr Partner Gérard Mortier gilt zwar als Ausnahmetalent der internationalen Kulturszene. Seine Kritiker sehen ihn aber auch als guten Selbstdarsteller. Zudem stellt sich die praktische Frage, wie er eine aktive Mitgestaltung der Festspiele mit seiner neuen Aufgabe als Chef der New York City Opera ab September 2009 vereinbaren kann.

Konzeptionell liegen die beiden Bewerber-Paare nicht weit auseinander. «Das sind nicht zwei Weltanschauungen, die da aufeinanderprallen», hieß es aus dem Stiftungsrat. Im Verein mit Hausdirigent Christian Thielemann stehen die Wagner-Töchter für behutsame Reformen, eine bessere mediale Vermittlung und Vermarktung der Festspiele. «Was im Bayreuther Festspielhaus zu hören und zu sehen ist, soll Inbegriff und Maßstab für die musikalische und szenische Deutung von Richard Wagners Musikdramen sein», heißt es in ihrem Konzept. Eine Verlängerung der Festspiele wird es aus praktischen Gründen nicht geben. Auch an der Beschränkung des Spielplanes auf die von Richard Wagner selbst als festspielwürdig eingestuften Opern wollen sie festhalten.

Revolutionäres hat auch das Duo Nike Wagner/Mortier nicht im Köcher. Ihre gemeinsame Erklärung wirft mehr Fragen auf als aussagekräftige Antworten. «Weitermachen oder Neubeginn, Traditionalismus oder Zukunftsvision? Gepflegtes Museum, Event-Theater oder Musiktheater der Zukunft», heißt es in ihrem Plädoyer für die Weiterentwicklung der Festspiele im Sinne des «Zukunftsmusikers» Richard Wagner. Dass es den beiden um «höchste musiktheatralische Qualität» geht, nicht nur szenisch, unterscheidet sie allenfalls in Nuancen von Wolfgangs Töchtern.

Spekulationen, Wolfgang Wagner werde im Falle eines Votums für seine Nichte Nike den Rücktritt von seinem Rücktritt erklären, sind fernab jeglicher Realität. Als Wagner 2001 auf seinen lebenslangen Vertrag pochte und damit die Ernennung seiner Tochter Eva zur seiner Nachfolgerin verhinderte, wollte er seine zweite Frau Gudrun als Statthalterin für die damals noch junge Katharina durchsetzen. Gudrun Wagners Tod im November 2007 hat den Weg frei gemacht für die Versöhnung mit Eva, seiner Tochter aus erster Ehe. Zudem wäre er gesundheitlich wohl gar nicht mehr in der Lage, die Festspiele über den 31. August 2008 hinaus zu leiten.

Auch organisatorisch beginnt am 1. September am Grünen Hügel ein neues Zeitalter: Die künftige Festspielleitung wird - wie sie auch aussehen mag - keinen Vertrag mehr auf Lebenszeit erhalten. Und die Anteile an der Festspiel-GmbH werden von Alleingesellschafter Wolfgang Wagner zu gleichen Teilen auf den Bund, den Freistaat Bayern, die Stadt Bayreuth und die Gesellschaft der Freunde von Bayreuth übergehen.

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