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Sträuben ist zwecklos: Wie stark Eltern einen prägen

Bonn (dpa) Immer fünf Minuten zu früh da und bloß keinen Streit anfangen: Viele Eigenschaften werden von Mutter oder Vater geprägt. Oft sind einem die Ähnlichkeiten gar nicht bewusst. Lohnen kann sich eine Spurensuche aber vor allem bei Macken und nervigen Marotten.

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Carmen Broicher (l) ist davon überzeugt, dass ihre Mutter ihr in vielen Dingen ein Vorbild ist. Foto: Henning Kaiser

Nichts verschwenden: Carmen Broicher (l) ist sich sicher, dass sie den Umgang mit Geld von ihrer Mutter geerbt hat. Foto: Henning Kaiser

Die Sofakissen brauchen eine spezielle Ordnung: Auch darin wurde Carmen Broicher (r) von ihrer Mutter geprägt. Foto: Henning Kaiser

Oft sind es banale Sätze: «Über Geld spricht man nicht.» Oder: «Ohne Fleiß kein Preis.» Fast jeder kennt solche Glaubenssätze aus seiner Familie. Auch in anderen Bereichen - Stresstoleranz, Streitkultur oder Musikalität - entdeckt man im Laufe der Zeit Ähnlichkeiten zu Mutter oder Vater. Manchmal mehr, als einem lieb sind.

Das kennt auch Carmen Broicher. Die 46-Jährige ist davon überzeugt, dass sie viele Dinge so macht wie ihre Mutter. «Ja, ich bin pingelig», sagt sie. «Das habe ich zum Beispiel von meiner Mutter. Was hat sie mich damals genervt mit ihrem ewigen Ordnungsfimmel.»

Penibel war ihre Mutter aber nicht nur mit Haus und Garten. Sie hat auch das Geld zusammengehalten. «Geizig wäre das falsche Wort», sagt Broicher. Sie habe ihr Geld gezielt eingesetzt und nicht wahllos unter die Leute gebracht. «Ich stünde heute nicht hier mit meinem eigenen Betrieb, wenn ich das nicht von ihr übernommen hätte.»

Dass Kinder Dinge bewusst oder unbewusst von ihren Eltern übernehmen, ist unvermeidlich. Schließlich verbringt man jede Menge Zeit mit ihnen. «Schon im Freundeskreis übernimmt man ja kleine Marotten. Welchen Einfluss haben dann wohl die ersten 18 Lebensjahre?», sagt Alexandra Miethner, Diplom-Psychologin in Bonn. Eltern prägen stark, mit welchen Werten, Vorstellungen und Rollenbildern man durchs Leben geht.

Manchmal sind es aber problematische Dinge, die man sich angeeignet hat. Die wenigsten sind so reflektiert, dass sie selbst solche Analogien erkennen. «Man überprüft es oft erst, wenn man durch sein Umfeld immer wieder die Rückmeldung auf sein Verhalten bekommt: «So nicht»», sagt Miethner.

Vor Veränderungen müsse ein gewisser Leidensdruck herrschen, erklärt Holger Simonszent. Er ist Diplom-Psychologe in Gauting bei München. Wer sich beispielsweise über sein eigenes Streitverhalten ärgert, kann sich eine Strategie überlegen. «Wenn ich weiß, eine Auseinandersetzung eskaliert schnell, nehme ich mir beim nächsten Mal vor, vorher rauszugehen.» Das spricht man am besten mit dem Partner ab.

Komplizierter wird es bei Dingen, die wir ganz tief verinnerlicht haben - den Glaubenssätzen. Wer immer mit dem Spruch «Ohne Fleiß kein Preis» getriezt wurde, sollte ihn hinterfragen. «Wie fühle ich mich damit? Stresst mich das?», sagt Miethner. Um solche tief verwurzelten Dinge zu ändern, hilft es, sie aufzuschreiben. Beispielsweise auf einen Zettel, den man dann zerreißt.

Am besten ersetzt man den alten Glaubenssatz durch einen neuen. Man könne etwa aufschreiben «Ich bin ein sehr engagierter Mensch und arbeite gerne für diese oder jene Sache.» «Den Zettel steckt man sich ins Portemonnaie», rät Miethner.

Trotz allem Veränderungswillen: Der Anspruch, auf keinen Fall so zu werden wie seine Eltern, lässt sich nicht erfüllen. «Letztlich ist es eine gesunde Einstellung zu akzeptieren, dass man manche Dinge mitbekommen hat und nicht loswerden kann», sagt Simonszent.

Einen Trost gibt es: Eltern prägen einen zwar sehr. Sie sind aber nicht die Einzigen, von denen man sich etwas abguckt. Freunde, Partner, Kollegen können ebenso prägend sein. Und im Gegensatz zu Mutter und Vater kann man sich diese größtenteils aussuchen.

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