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Streik-Freitag

WITTEN „Liebe Fahrgäste, aufgrund eines Streiks der Lokführer der Gewerkschaft GDL ist unser Zugverkehr stark beeinträchtigt. Wir bitten um Entschuldigung“, tönt es aus den Lautsprechern. Die Bahnsteige sind leer.

von Von Julia Reidegeld

, 12.10.2007
Streik-Freitag

Am Streik-Freitag der Lok-Führer war am Wittener Bahnhof wenig los.

Viele Pendler scheinen auf andere Verkehrsmittel umgestiegen zu sein. Autofahrer schieben sich in einem 170-km Stau durch das Rhein- und Ruhrgebiet.

Marianne Treuling kam extra früher zum Bahnhof. „Leider habe ich kein Auto“, sagt die Wittenerin. Sie muss nach Dortmund zur Arbeit. Gerade kommt eine Durchsage, dass der Wupper-Express ausfällt, die S 5 Richtung Dortmund 20 Minuten Verspätung hat. Damit kann Marianne Treuling leben: „Hauptsache, es geht heute überhaupt noch in die Richtung.“

Da die Gewerkschaft einen Streik für Freitag bis um Mitternacht angekündigt hat, hofft Marianne Treuling, dass ihre Tochter sie später nach der Arbeit mit dem Auto abholt.

Roland Von der Warth hingegen bleibt nicht so ruhig. Ziemlich aufgebracht über den Streik kann er die Forderungen der Lokführer nicht nachvollziehen. „Ich habe meine Monatskarte bezahlt. Die Bahn ist mir gegenüber verpflichtet“, meint der Bahnfahrer empört.

In der Annahme, dass die Bahn für einen Busersatzverkehr sorgen würde, ist er zum Bahnhof und wartet nun auf seinen Zug nach Dortmund. „Gottseidank muss ich dann nicht nochmal zurück.“

Auch nicht mehr nach Witten, dafür aber nach Berlin geht es für Dr. Hela Ihlhoff. Für ein paar Tage besuchte die Münchenerin ihre Tochter, die an der Universität Witten/Herdecke studiert. „Die Fernzüge streiken doch nicht, oder?“, fragt sie in die Runde der Wartenden.

Falls sie ihren Zug doch verpassen sollte, „ist das nicht so schlimm. Meine Fahrkarte ist zwei Monate gültig.“ In der Zwischenzeit hat sich der Bahnsteig 1 ein bisschen gefüllt.

Die S 5 soll in fünf Minuten kommen. Auf dem gegenüberliegenden Gleis hingegen fällt der Ruhr-Sieg-Express aus - in beide Richtungen. Von elf Zügen fallen innerhalb einer Stunde drei in Witten aus, zwei treffen mit Verspätung ein.

Ein Sprecher der Bahn bezeichnet das als „keine außergewöhnliche Störung über das Maß hinaus“. Streikschwerpunkte würden nicht im Ruhrgebiet, sondern eher in Berlin und München liegen.