Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung
Anzeige
Anzeige

Flugbegleiter gesprächsbereit

Streiks bei der Lufthansa möglicherweise vom Tisch

FRANKFURT Bei der Lufthansa könnte der für Mittwoch angedrohte Streik der Flugbegleiter doch noch abgesagt werden. Im schwelenden Tarifkonflikt hatte die Gewerkschaft immer wieder Arbeitsniederlegungen bis weit in den September hinein angekündigt.

Streiks bei der Lufthansa möglicherweise vom Tisch

Die Streiks zur Ferienzeit bei der Lufthansa sind möglicherweise abgewendet.

Die Kabinengewerkschaft Ufo ist nach Angaben ihres Chefs Nicoley Baublies zu einer erneuten Tarifverhandlung mit dem Lufthansa-Vorstand bereit. „Ich bin vorsichtig optimistisch“, sagte er am Montag der Deutschen Presse-Agentur. 

Grundlage sei ein über das Wochenende mit Lufthansa-Experten erarbeiteter Fahrplan, erläuterte Baublies. Lufthansa habe dem Papier allerdings noch nicht zugestimmt. Einen konkreten Verhandlungstermin gebe es ebenfalls noch nicht. Das Unternehmen äußerte sich zunächst nicht zum Stand der Sondierungen.

Hintergründe zum Tarifkonflikt

Ufo hatte in der vergangenen Woche mit immer wieder aufflammenden Streiks vom 1. Juli bis weit in den September gedroht. Hintergründe zum Streit zwischen Kabinenpersonal und Lufthansa: 

Das ist der Konflikt: Ufo kämpft um die Besitzstände von rund 19 000 Flugbegleitern bei der Kerngesellschaft Lufthansa. Ähnlich wie die Piloten, wenn auch auf einem deutlich niedrigeren Niveau, konnten sie sich bislang darauf verlassen, ihren Beruf auch vor Erreichen der gesetzlichen Rentengrenze aufgeben zu können und dafür von Lufthansa Übergangsrenten zu erhalten. Im Ruhestand ergänzten zudem Betriebsrenten die Einkünfte des fliegenden Personals.

Das will Lufthansa ändern: In der bisherigen Form sind die Lufthansa-Renten nicht mehr finanzierbar. Das liegt an dem in den vergangenen Jahren ständig gesunkenen Kapitalmarktzins, der es dem Konzern unmöglich macht, die 1994 zugrundegelegten Renditen zu erwirtschaften. Um die Garantierenten darstellen zu können, muss Lufthansa in ihrer Bilanz milliardenschwere Rückstellungen bilden, die das Eigenkapital schrumpfen lassen. Ende 2014 betrugen die Rückstellungen 14,6 Milliarden Euro, wobei ein gutes Viertel auf die Flugbegleiter entfällt. Die jährlichen Auszahlungen an die Betriebspensionäre drücken zudem den Gewinn. 2015 werden sie über 600 Millionen Euro betragen und rund 8 Prozent des Personalaufwands verschlingen.

Das ist bislang passiert: Das Unternehmen hat zum Jahresende 2013 sämtliche Tarifverträge zu den Betriebs- und Übergangsrenten einseitig gekündigt. Mit den Gewerkschaften Verdi, Ufo und Vereinigung Cockpit  wurden Verhandlungen zu Neuregelungen aufgenommen, die bislang aber in keinem Fall zu einem Ergebnis geführt haben. Mit den Piloten befindet sich Lufthansa nach zwölf Streikrunden in der Schlichtung, Verdi wollte das Thema für das Bodenpersonal am liebsten erst mal gar nicht anfassen. Am weitesten ist Lufthansa mit den Flugbegleitern gekommen, die grundsätzlich den gewünschten Systemwechsel weg von den Garantierenten hin zu festen Arbeitgeberzuschüssen akzeptiert haben.

Der Stand der Verhandlungen: Lufthansa will 3 Prozent der "versorgungsfähigen Vergütung" einzahlen und um ein weiteres Prozent aufstocken, falls die Mitarbeiter selbst ebenfalls mit einem Prozent vorsorgen. Wegen der geringen Grundgehälter für die Stewardessen würde das nach Auffassung von Ufo aber nur zu sehr niedrigen Renten führen. Die Gewerkschaft pocht daher auf eine Zusage der Lufthansa aus dem Vorjahr, dass bei realistischen Zinssätzen ein zur alten Regelung vergleichbares Niveau herauskommen müsse. Eine genaue Höhe des geforderten Arbeitgeberanteils hat Ufo noch nicht genannt.

Das große Misstrauen: Ufo steht unter strenger Beobachtung der anderen Gewerkschaften, bloß keinen zu niedrigen Pilot-Abschluss in der Rentenfrage abzuliefern. Außerdem schwindet das Vertrauen in die Lufthansa-Führung, die noch vor wenigen Monaten Wachstumschancen für den Lufthansa-Kern versprochen hat. Immer klarer wird jedoch, dass der Konzern vor allem außerhalb des Kerns mit Billigangeboten der Plattform Eurowings  wachsen will, die vor allem über niedrigere Tarifbedingungen beim Personal finanziert werden.

von dpa

 

Anzeige
Anzeige
Das könnte Sie auch interessieren

Sondierungen in Berlin

Optimismus und Skepsis nach Jamaika-Gesprächen

Berlin Jamaika ausloten, Tag zwei: FDP und Grüne wollten am Donnerstag bei ihrem Treffen bei Blumenkohlsuppe und Streuselkuchen nicht zu sehr in Verletzungen der Vergangenheit rumwühlen. Nebenbei rumort es aber ordentlich - vor allem im konservativen Lager.mehr...

Fußball: Champions League

FC Bayern schlägt Celtic Glasgow ohne Probleme

MÜNCHEN Der deutsche Fußball-Meister FC Bayern München hat den Einzug in das Achtelfinale der Champions League wieder fest im Visier. Die Münchner gewannen am Mittwoch am dritten Spieltag der Gruppe B daheim 3:0 (2:0) gegen Celtic Glasgow.mehr...

Nach ersten Gesprächen

Jamaika: "Gutes Gefühl", aber steiniger Weg

Berlin Ein Anfang ist gemacht: Von einem "guten Gefühl" ist die Rede nach der ersten Jamaika-Runde von Union, FDP und Grünen. In den kommenden Tagen folgen weitere Gespräche nun Schlag auf Schlag. Allerdings ist der Weg bis zu einem Koalitionsvertrag noch lang und steinig.mehr...

Nach ersten Gesprächen

Jamaika: "Gutes Gefühl", aber steiniger Weg

Berlin Ein Anfang ist gemacht: Von einem "guten Gefühl" ist die Rede nach der ersten Jamaika-Runde von Union, FDP und Grünen. In den kommenden Tagen folgen weitere Gespräche nun Schlag auf Schlag. Allerdings ist der Weg bis zu einem Koalitionsvertrag noch lang und steinig.mehr...

Urteil naht

13 Jahre Haft gefordert: Camperin vergewaltigt?

BONN 156 Monate Freiheitsentzug – das fordert die Staatsanwaltschaft im Fall gegen einen 31-Jährigen. Dieser soll im April in der Nähe von Bonn eine junge Frau bedroht und vergewaltigt haben. Am Donnerstag soll das Urteil fallen. Der Angeklagte hat zum Vorfall eine völlig andere Sichtweise.mehr...

Politik

Sachsens Regierungschef Tillich wirft nach Wahlschlappe hin

Dresden (dpa) Bei der Bundestagswahl jubelte die AfD in Sachsen - und löste die CDU als stärkste Kraft im Freistaat ab. Nun zieht Regierungschef Tillich persönliche Konsequenzen. Seine CDU wird kalt erwischt.mehr...