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Streit in Erbengemeinschaften kann man verhindern

Oldenburg/Angelbachtal (dpa/tmn) Als der Vater starb, hinterließ er eine Frau und drei Kinder. Und er hinterließ ihnen drei Grundstücke und Wertpapiere. Auf den ersten Blick ist in einem solchen Fall im Erbrecht alles klar geregelt.

Streit in Erbengemeinschaften kann man verhindern

Neid und Feindseligkeit kann die Entscheidungsfindung in der Erbengemeinschaft zum Spießrutenlauf machen. (Bild: dpa/tmn)

Die Mutter bekommt die Hälfte der vererbten Vermögenswerte, die Kinder je ein Sechstel. Aber das Wort «Vermögenswert» bringt auch schon das erste Problem ins Spiel: Wie hoch ist er? Und wie einigen sich die Beteiligten darauf, ihn mit Geld aufzuwiegen?

Das ist nur ein Fall, dessen Klärung sich in der Kanzlei von Erbrechtsanwalt Wolfgang Schwackenberg aus Oldenburg über mehrere Jahre hingezogen hat. Bares lässt sich mit simpler Mathematik nach Quoten auf mehrere Erben aufteilen. Aber kommen Wertpapiere und Immobilien ins Spiel, müssen die Werte erst verflüssigt werden. Der Weg dahin ist hürdenreich, beobachtet der Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Erbrecht im Deutschen Anwaltverein: Unterschiedliche Erwartungen, Misstrauen oder langjährige Feindschaft können den Erbfall zum Spießrutenlauf machen.

«Zu großen Teilen liegt das daran, dass nicht jeder Nachlass 'teilbar' ist», erläutert Michael Rudolf, Vorstand in der Deutschen Vereinigung für Erbrecht und Vermögensnachfolge in Angelbachtal (Baden-Württemberg). Gemälde und Grundstücke zum Beispiel sind es nicht. Und gibt es keine klare, also testamentarische Regelung des Erblassers darüber, wer welche Güter bekommen soll, kommt es meist zur Teilung des Erbes per Versteigerung - zumindest dann, wenn sich die Erben uneinig sind. Und das sind sie häufig.

Das geht schon bei vermeintlich simplen Dingen los: Soll die Immobilie vermietet werden oder nicht? Wenn sie es wird, an wen darf sie vermietet werden? «Manche erkennt man dann gar nicht wieder», sagt Klaus Michael Groll vom Deutschen Forum für Erbrecht in München.

Diese menschlichen Probleme gedeihen auf einem harten juristischen Fundament: «In der Erbengemeinschaft gehört allen alles. Und deshalb muss einstimmig über die Verwendung des Erbes entschieden werden.» Das macht vieles kompliziert, schützt aber jeden einzelnen davor, Nachteile bei der Aufteilung des Erbes zu erleiden. Laut dem Forum gibt es nur für ein Viertel der Erbfälle ein Testament. In der Mehrzahl der übrigen Fälle liegt also eine Erbengemeinschaft vor. Und auch mit Testament ist nicht immer nur einer allein da.

Soll zum Beispiel ein Haus verkauft werden, stellen sich oft viele Fragen: «Vielleicht muss vorher noch renoviert werden, und einer will das nicht, weil er die Investition scheut - schon gibt es ein Problem», sagt Schwackenberg. Und ist nach langem Hick-Hack endlich alles geklärt, legt einer einen Teilungsplan vor. «Da muss dann alles haargenau drinstehen - und das ist ein unendlich kompliziertes Verfahren.»

Praktisch ist dagegen die sogenannte Notgeschäftsführung, wie Groll erläutert: «Wenn es zum Beispiel ins Dach hineinregnet und das repariert werden muss, müssen alle dafür zahlen, ohne dass dafür vorher eine Abstimmung stattfinden muss.» Auch eine Ausgleichszahlung ist möglich, wenn zum Beispiel einer nur sein Geld will, zwei andere aber die Immobilie halten wollen. «Dann verlässt einer die Erbengemeinschaft - das geht. Aber meist gibt es auch hier Uneinigkeit über den zugrunde zu legenden Wert, der durch drei zu teilen ist», sagt Rudolf.

Kluge Erblasser formulieren frühzeitig ein möglichst genaues Testament. «Darin ist am besten festgelegt: Jeder kriegt genau das und das», sagt Groll. «Nach mir die Sintflut» sei das schlimmste, der Wahlspruch aus dem Werbehandbuch für das Testament dagegen besser: «Rechtssicherheit schaffen, Steuern sparen, Frieden stiften.»

Literatur: Die Fachorganisationen haben Broschüren zum Thema aufgelegt. So sind zum Beispiel aus der Schriftenreihe des Deutschen Forums für Erbrecht (Deutsche Forum für Erbrecht e.V., Prannerstraße 6, 80333 München) erhältlich: «Vererben mit Sinn und Verstand» (10 Euro) und «Die Erbengemeinschaft» (5 Euro). Bei der Deutschen Gesellschaft für Erbrecht und Vermögensnachfolge ( DVEV - Deutsche Vereinigung für Erbrecht und Vermögensnachfolge e. V., Hauptstraße 18, 74918 Angelbachtal) gibt es die Titel «Erbrecht verständlich» (5 Euro, oder kostenlos als Download im Internet) und «Was tun im Erbfall?» (2,50 Euro).

Ratgeber «Vererben mit Sinn und Verstand»: www.erbrechtsforum.de

Ratgeber «Erbrecht verständlich» (kostenloser pdf-Download): www.dvev.de

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