Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Streit und Ärger um den Pfosten

Stadtverkehr Bochum

Seit drei Jahren kämpft Oliver Bruckenauer für einen Pfosten. Den Pfosten, der aus seiner Anliegerstraße eine Sackgasse macht. Denn als Anlieger fühlen sich viele – die Galgenfeldstraße gilt als Abkürzung. Eine, in der die 30er-Zone unbeachtet bleibt – hier wird Gas gegeben. Die Stadt sieht bei „nur“ 380 Autos am Tag kein Problem.

STIEPEL

von Von Stefanie Platthaus

, 15.06.2012
Streit und Ärger um den Pfosten

Oliver Bruckenauer weiß nicht mehr weiter: Die ruhige Galgenfeldstraße für Anlieger gilt unter den Auswärtigen und Anwohnern der Nebensiedlung als Abkürzung.

Friedlich liegt sie da, die Galgenfeldstraße zwei bis 56. Die schmale Straße schlängelt sich durch dicht bewachsene Grundstücke – eine grüne Oase mit Vogel-Orchester mitten in Stiepel. Nur fern rauscht leise ein Auto vorbei. Nein, doch nicht. Ein kleiner Lieferwagen ist abgebogen, bekommt durch die Absenkung Schwung, ruckelt über den unebenen Asphalt – und rast in einem Tempo am bewaldeten Abhang vorbei, dass die Äste knacken und schwanken. Im nächsten Moment ist der Wagen um die nächste Ecke gerauscht. Eines steht fest: 30 ist der nicht gefahren. Der Vergleich wird schnell deutlich: Eine Anwohnerin nähert sich im Schritttempo, wird weit vor ihrer Auffahrt langsamer. Sie hat selbst Kinder, genau wie Oliver Bruckenauer.

Das heißt aber nichts: „Die Leute aus dem Wohngebiet nebenan rasen hier durch und die Kinder gehen in denselben Kindergarten wie meine“, so Bruckenauer. Die Anwohner wünschen sich die Umwandlung in eine Sackgasse – also das Aufstellen eines Pfostens. Die Stadt lehnt ab und begründet: „Eine Sackgasse ist juristisch nicht umsetzbar, ohne Wendemöglichkeiten zu schaffen.“ Segmentschwellen zur Verkehrsberuhigung wären möglich, aber die 18 000 Euro Kosten von der Stadt nicht zu stemmen. Denn: „Die Probleme halten sich in Grenzen.“ Die Stadt Bochum prüfte an drei Werktagen, wie viele und welche Autos mit welcher Geschwindigkeit die Straße nutzen. Ergebnis: Kaum Überschreitungen, kaum Auswärtige. „Wer dort lang fuhr, wohnte auch in der Gegend“, so Stadtsprecherin Tanja Wißing. Im Schnitt 380 Autos am Tag passieren die Anliegerstraße – erscheint viel für die paar Anwohner. Die Geschwindigkeits-Messungen erklärt sich Bruckenauer so: Nicht in der Mitte der Straße, sondern an beiden Einfahrten sei gemessen worden – „da wird man doch langsamer“.  

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Gefahrenzone Galgenfeldstraße

Die Anwohner in der Galgenfeldstraße 2 bis 56 kämpfen seit drei Jahren dafür, dass ihre Anliegerstraße zu einer Sackgasse wird. Weil der Durchgangsverkehr, der diese Straße als Abkürzung nutzt, zu sorglos mit der 30er-Zone umgeht. Doch die Stadt sieht keine Notwendigkeit.
14.06.2012
/
Warum ist das so schwer? Oliver Bruckenauer weiß nicht mehr weiter: Die Anwohner aus den umliegenden Wohngebieten und Auswärtige nutzen die Anliegerstraße als Abkürzung. Sie halten sich nicht an die Geschwindigkeites-Begrenzung und bringen damit Kinder und Rentner in Gefahr. © Stefanie Platthaus
Die Einfahrt an der Hevener Straße: Fußgänger haben hier ein Problem: Sie sehen nicht, wenn ein Auto abbiegt und werden auch nicht gesehen. Ausweichen geht aber nicht.© Stefanie Platthaus
Links geht es in den Wald hinein, für den Fußgänger ist nur Platz in der Rinne, wenn ein Auto vorbei fährt. Falls es rechtzeitig bemerkt wird.© Stefanie Platthaus
Seit Neuestem gilt hier rechts vor links - von den Durchreisenden weiß das aber keiner, oder beachtet es nicht, so Oliver Bruckenauer. © Stefanie Platthaus
Wem ein Auto entgegen kommt, der kann nur eines tun: Auf die Böschung springen. Diese Böschung könnte asphalitert werden, damit die Straße breiter wird - doch die Eigentümer sind gegen diesen Vorschlag.© Stefanie Platthaus
Schlagworte Bochum

Viele Raser sind den Anwohnern bekannt, weil sie aus den angrenzenden Wohngebieten kommen. Andere sind bekannt, weil sie jeden Tag zur selben Zeit unerlaubt durch die Anliegerstraße rasen. Verletzt wurde noch niemand. Ein Anwohner wurde 2011 von einem Seitenspiegel gestreift, Anzeige erstattet hat er nicht. Und da liegt für Tanja Wißing auch das Problem: „Es gibt keine aktenkundigen Unfälle.“

Das Tiefbauamt prüft jetzt, welche Möglichkeiten man noch hätte: Verbreitern zum Beispiel – auf 4,60 Meter Breite, damit zwei Autos nebeneinander passen. Dazu würde ein Stück des Waldes asphaltiert und Teile der Grundstücke. Die Eigentümer wollen sich darauf aber nicht einlassen – „dann fahren hier ja noch mehr Autos durch“. Oliver Bruckenauer weiß nicht mehr weiter: „Sosehr ich es liebe, in Bochum zu leben, sosehr hasse ich unsere Verwaltung.“