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Strom aus Gülle: Bauern sehen sich bei Biogas im Umbruch

Lanke (dpa) Erneuerbare Energie vom Acker, das klang mal verheißungsvoll. Doch die Mais-Monokulturen wuchsen, der Biogas-Ausbau wurde gedrosselt. Dabei gibt es zum Mais eine Alternative. Sie ist nur etwas anrüchig.

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Ein Mitarbeiter von Ökobauer Hauser schaufelt mit einem Radlader Material für die im Hintergrund stehende Biogasanlage. Foto: Maurizio Gambarini/dpa

Landwirt Michael Hauser auf seinem Ökohof in Gut Lanke (Brandenburg) vor der Biogasanlage. Foto: Maurizio Gambarini/dpa

In einem großen Melkkarussell werden auf dem Gelände der Milchwirtschaftsanlage in Dedelow in der Uckermark Kühe gemolken. Foto: Maurizio Gambarini/dpa

Ein großes Biogaskraftwerk auf dem Gelände der Milchwirtschaftsanlage in Dedelow. Etwa acht Prozent des deutschen Ökostroms kommen aus Biogas. Foto: Maurizio Gambarini/dpa

Sie ist braun, blubbert, stinkt - und bringt gutes Geld. Michael Hauser späht durch ein Bullauge auf Gülle und Mist in seiner Biogasanlage. Fünf Meter hoch steht das übelriechende Gemisch und gärt vor sich hin.

Biobauer Hauser mästet in Lanke bei Berlin 1100 Schweine und 250 Rinder, doch jeden fünften Euro verdient der Schwabe mit ihren Hinterlassenschaften: Aus Biogas wird auf seinem Hof Strom für 200 Haushalte.

Etwa acht Prozent des deutschen Ökostroms kommen aus Biogas. "Meiner Meinung nach gehört hinter jeden größeren Viehstall so eine Biogasanlage", sagt Hauser. Elektrische Energie aus Gülle, Treibstoff aus Müll und Wärme aus überschüssigem Strom - Abfälle und Reststoffe können Kohle und Erdgas ersetzen.

Doch besonders beim Biogas hat der Bund den Ausbau der Erneuerbaren Energien gedrosselt. Weil Biogas als relativ teuer gilt und weil in den meisten Anlagen Mais vor sich hingärt - denn Mais-Monokulturen bedrohen die Artenvielfalt, zudem könnte der Rohstoff ja auch zu Nahrung werden.

"Wir haben nahezu eine Vollbremsung hingelegt", sagt Horst Seide, Präsident des Fachverbands Biogas. Künftig müssen sich Betreiber in Ausschreibungen behaupten, um gefördert zu werden. Seide spricht von einem Umbruch. "Ohne eine Kombination aus verschiedenen Erlösquellen werden es die Biogasbetriebe schwer haben."

Um ihre Anlagen rentabel zu halten, nutzten immer mehr Betriebe auch die Wärme oder lieferten Biogas als Kraftstoff. Dass das funktioniert, zeigt sogar die Hauptstadt-Müllabfuhr. Abfall aus Biotonnen vergärt die Berliner Stadtreinigung zu Gas, mit dem sie 150 Müllwagen betankt.

Wie ein Wäschetrockner summt auf dem Bio-Gut in Lanke die Biogasanlage. Ein Luftgebläse sorgt dafür, dass die dunkelgrüne Gummikuppel der Anlage gewölbt bleibt. Hauser hat den Hof im Barnim vor zehn Jahren von den Berliner Stadtgütern übernommen und auf Öko-Landbau umgestellt. Die Gasanlage ist darauf abgestimmt: Es kommt nur rein, was auf dem Hof anfällt. Neun Tonnen Kuh- und Schweinemist kippt er täglich in einen gewaltigen Trichter.

Knapp drei Monate vergärt der Dung bei 40 Grad in dem großen Betonbottich. Das Gas treibt einen Lastwagen-Motor an, der den Strom erzeugt. Künftig will Hauser auch die Abwärme des Motors nutzen. Um Getreide zu trocknen und sein Wohnhaus zu heizen.

Überzeugungstäter sind Edgar Coym und Johann Schulz nicht gerade. Pragmatisch führen sie ihren Großbetrieb in Dedelow bei Prenzlau. Mehr als 5200 Rinder stehen in offenen Ställen, die Hälfte sind Milchkühe. Die Agrargesellschaft Uckermark AG hat mehr als 100 Beschäftigte, produziert Milch in Massen - und liefert Strom für 3000 Haushalte.

Denn hinter den Kuhställen ragen zwei grüne Gärbottiche empor, mit 21 Metern etwa so hoch wie das Brandenburger Tor. Darin: pro Jahr 9000 Tonnen Mist, Futterreste und 120 000 Kubikmeter Gülle - eine solche Menge an Flüssigkeit würde vier Dutzend Schwimmbäder füllen.

"Das ist ein Rohstoff, er ist hier vor Ort und er hat noch Restenergie - warum soll man das nicht verwerten?", sagt Coym. Neben Strom liefert die Anlage im Jahr so viel Wärme wie 210 000 Liter Heizöl. Begonnen hat man mit Biogas in Dedelow übrigens lange vor der deutschen Energiewende: vor 16 Jahren.

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