Stromproduzent Steag streicht bis zu 1000 Arbeitsplätze

Einschnitte im Ruhrgebiet

Die Steag setzt den Rotstift an. Der Stromproduzent plant tiefe Einschnitte in sein Kraftwerksnetz. Die Hälfte der Kraftwerksblöcke soll vom Netz gehen. Damit wackeln mehrere Hundert Stellen in Deutschland. Vor allem große Städte im Ruhrgebiet bekommen das zu spüren.

ESSEN

12.09.2016, 11:38 Uhr / Lesedauer: 2 min
Das Verwaltungsgebäude des Energiekonzerns Steag in Essen: Der Stromproduzent will in Deutschland bis zu 1000 Arbeitsplätze streichen.

Das Verwaltungsgebäude des Energiekonzerns Steag in Essen: Der Stromproduzent will in Deutschland bis zu 1000 Arbeitsplätze streichen.

Der Stromproduzent Steag will in Deutschland etwa die Hälfte seiner Kraftwerksblöcke vom Netz nehmen und bis zu 1000 Arbeitsplätze streichen. In einer Mitteilung des Unternehmens vom Montag heißt es, dass die Verschärfung der Marktsituation zuletzt "zu deutlichen Mindereinnahmen" geführt habe. Steag kündigte an, "Kraftwerke, die keinen positiven Ertrag mehr erwirtschaften, zeitweise oder endgültig aus dem Markt zu nehmen". In der Folge werde der Konzern "mehrere Hundert Arbeitsplätze abbauen müssen".

Steag-Chef Joachim Rumstadt sagte dem „Handelsblatt“ (Montag): „In Deutschland werden wohl 800 bis 1000 Stellen wegfallen.“ Damit steht von bundesweit 3500 Stellen etwa jede Vierte auf der Kippe. Betriebsbedingte Kündigungen will der Vorstand einem Bericht der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ (Montag) zufolge vermeiden. 

Kraftwerke gehen vom Netz

„Wir werden wesentlich schneller als geplant Kraftwerke vom Netz nehmen müssen“, erläuterte Rumstadt im „Handelsblatt“. Steag hat in Deutschland neun Steinkohlekraftwerke an acht Standorten - davon liegen fünf Standorte im Ruhrgebiet und drei im Saarland. „Etwa die Hälfte dieser Blöcke werden wir wohl vom Netz nehmen.“ Die Kapazität wird sich dadurch von aktuell 9000 Megawatt halbieren. Eigentlich habe der Essener Konzern die Anlagen altersbedingt langsam bis 2025 auslaufen lassen wollen. Jetzt müsse dies aber teilweise schneller als gedacht gemacht werden. 

In NRW verfügt die Steag über Kraftwerke in Bergkamen, Duisburg-Walsum, Herne, Lünen und Voerde. Im Saarland hat die Steag zudem Standorte in Bexbach, Völklingen-Fenne und Weiher.

Steag leidet wie viele Betreiber von Kohle- und Gaskraftwerken unter der Energiewende und einem dramatisch gesunkenen Strompreis im Großhandel. Die Zukunft einer Reihe von Kraftwerken des Konzerns sei infrage gestellt. „Wir prüfen derzeit, welche Kraftwerksstandorte wir stilllegen, einmotten oder in einen Auslaufbetrieb bringen werden“, sagte Rumstadt. 

Probleme für Ruhrgebietsstädte

Nicht nur Beschäftigte bekommen die Probleme im Kraftwerksgeschäft zu spüren, sondern auch die Ruhrgebietsstädte Bochum, Dortmund, Duisburg, Essen, Oberhausen und Dinslaken als Eigentümer der Steag: „Wir haben uns darauf eingestellt, dass wir in den nächsten Jahren keine Ausschüttung der Steag erhalten“, sagte Guntram Pehlke, Chef der Dortmunder Stadtwerke, der auch Steag-Aufsichtsratschef ist. Die Städte waren vor einigen Jahren bei der Steag eingestiegen. Pehlke verteidigte in der „WAZ“ erneut den Steag-Kauf. „Voraussichtlich ab 2020 erwarten wir wieder eine ordentliche Dividende“, sagte er. 

dpa/obr

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