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Studenten begleiten ehrenamtlich Schüler in den Beruf

Vorurteil: Hauptschüler

Die Jungen wollen Kfz-Mechatroniker lernen, die Mädchen Bürokauffrau werden. Laut aktuellem Ausbildungsmarktbericht haben sich die meisten Bochumer Schüler zum 1. August um diese zwei Berufe beworben. Das liegt oft daran, dass viele Schüler über Jobalternativen nicht Bescheid wissen. Die Folge: Viele Betriebe haben noch offene Lehrstellen.

BOCHUM

von Von Eva Mühle

, 23.10.2013
Studenten begleiten ehrenamtlich Schüler in den Beruf

Studenten agieren als Mentoren für Hauptschüler, um deren Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen - und kämpfen gegen Vorurteile gegenüber ihren Schützlingen.

Der studentische Verein „Rock your life Bochum“ (RYL) will das ändern, indem er Hauptschüler mit Unternehmen zusammenbringt. „Wir wollen Brücken zwischen Schülern, Studierenden und Unternehmen vor Ort bauen“, sagt die Vorsitzende Saskia Bommert (27). Seit Anfang des Jahres (RN berichtete) versucht die Kulturmanagement-Studentin, einen Standort an der Ruhr-Uni aufzubauen. Mittlerweile engagieren sich zehn Studenten ehrenamtlich im Organisationsteam des Vereins. Das Konzept ist simpel: RYL bringt Hauptschüler, die zwei Jahre vor ihrem Abschluss stehen, und Studenten in einer Eins-zu-Eins-Coachingbeziehung zusammen. Zwei Jahre begleitet der Student seinen Schüler regelmäßig – ein bislang einzigartiges Mentorenprogramm, das durch den geringen Altersunterschied der Teilnehmer profitiert. „Für die Studenten ist die Pubertät noch nicht so lange her. Sie kennen die Ängste eines 14-Jährigen und die Schüler können sich besser mit ihnen identifizieren als mit Älteren“, sagt Bommert.

Im Organisationsteam sind gleich zwei ehemalige Hauptschüler vertreten. Schatzmeister David Schuhmacher (22) ist einer von ihnen. Er hat den Weg von der Hauptschule über die Berufsschule hin zum Biologiestudium geschafft, obwohl er lange keine Zukunft für sich sah. „Ich war der typische Hauptschüler. Ohne Perspektive und Lust, etwas zu machen“, so Schuhmacher. Immer wieder wurde er in Praktika gesteckt, die ihn langweilten.Nur durch einen glücklichen Zufall schlug er einen anderen Weg ein. „Wir hatten zum ersten Mal Vertretungsunterricht mit einem Biolehrer. Das war wie eine Kettenreaktion, da wollte ich mehr wissen.“ Er entschied sich für eine Ausbildung zum Biologisch-Technischen Assistenten und kam über den zweiten Bildungsweg an die Uni.

Motivation ist der Schlüssel, davon ist Saskia Bommert überzeugt. „Jeder Mensch hat etwas, das ihn motiviert, worin er gut ist. Wir wollen die Hauptschüler in dieser Hinsicht stärken.“ Dabei agieren die Studenten nach professioneller Schulung als ein Mix aus Freund, Vorbild, Elternteil und Lehrer – Freizeitaktivitäten inklusive. Dafür ist der gemeinnützige Verein auf die Unterstützung der Unternehmen angewiesen. „Wir bauen ein Netzwerk mit Schulen, Sponsoren und Unternehmen auf, die uns Praktika und Ausbildungsplätze oder Besichtigungen ermöglichen“, sagt Bommert.

Einen Ausbildungsplatz zu finden, ist auch für motivierte Schüler oft schwierig. „Wir kämpfen stark mit Vorurteilen. Man muss Schülern aber eine Chance geben, zu zeigen, was in ihnen steckt“, so Bommert. Denn das Studentenprojekt hat eine langfristige Relevanz für die Gesellschaft: RYL-Studenten und Schüler, die später vielleicht selber in einer Personalabteilung sitzen oder Chef eines Betriebes sind, sollen sich bei der Ausrichtung ihres Unternehmens an das Projekt erinnern.„Sie können als Vorbild eintreten und auch vermeintlich schlechteren Bewerbern eine Chance geben“, sagt Bommert. Im Januar 2014 will RYL Bochum mit den ersten Coaching-Beziehungen an den Hauptschulen starten. Bis dahin muss der Verein noch verschiedene Dinge organisieren, Schulen ansprechen und Kooperationspartner sowie Sponsoren gewinnen.