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Studie: Ostdeutschland ist Notstandsgebiet

Berlin (dpa) Ostdeutschland ist aus Sicht des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung das demografische Notstandsgebiet des europäischen Kontinents.

Studie: Ostdeutschland ist Notstandsgebiet

Geschäft mit zugemauerten Schaufenstern am Marktplatz des vorpommerschen Demmin.

Nirgendwo in Europa seien so viele junge Frauen abgewandert, was den Abwärtstrend in der Bevölkerungsentwicklung beschleunige, heißt es in einer am Donnerstag in Berlin vorgestellten Studie des Instituts. Deshalb werde es in den neuen Bundesländern an Müttern der nächsten Generation fehlen. Die Hauptstadt Berlin weise mit durchschnittlich 1,14 Kindern pro Frau die niedrigste Geburtenrate in Deutschland auf.

Die Bevölkerungsprognose bis zum Jahr 2030 fällt düster aus: Unter den zehn am stärksten vom Schwund betroffenen Regionen Europas liegen mit Sachsen-Anhalt, Chemnitz und Thüringen drei in Ostdeutschland. Institutsdirektor Reiner Klingholz nannte Deutschland das Pionierland Europas beim demografischen Wandel. Kein anderer Staat habe so starke wirtschaftliche und demografische Verwerfungen zu bewältigen. Insofern sei die Bundesrepublik Vorreiter einer Entwicklung, der auch andere Länder nicht entkämen.

Die Wissenschaftler bewerteten insgesamt 285 europäische Regionen anhand von Merkmalen wie Kinderzahl, Einkommen, Investitionen in Bildung und Wissenschaft, Arbeitslosigkeit oder Altersbeschäftigung. Verglichen wurden alle 27 EU-Staaten sowie Island, Norwegen und die Schweiz. Auf Platz eins rangiert Island, gefolgt von Stockholm und Oslo. Die beiden letzten Plätze belegen bulgarische Regionen. Als zukunftsfähigste Region Deutschlands bewerten die Autoren Oberbayern, gefolgt von Freiburg, Tübingen und Stuttgart. Schlusslicht ist Sachsen-Anhalt hinter Mecklenburg-Vorpommern.

In den Jahren 2015 bis 2020 würden verschiedene Einflüsse die Lage verschärfen, sagt die Studie voraus. Bis dahin komme im Osten die in ihrer Zahl halbierte Nachwende-Generation ins Elternalter, was zu einem weiteren dramatischen Rückgang der Kinderzahlen führen werde. 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung würden dann in Rente sein, was Steuerkraft und Kaufkraft weiter reduzieren werde. Zudem würden die Zahlungen für den Osten aus dem Solidarpakt II auslaufen. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf bis 2020 wieder auf 60 Prozent des West-Niveaus sinken werde. 2007 hatte es etwa 67 Prozent erreicht.

Berlin ist aus Sicht der Autoren ein Sonderfall. Kaum eine andere Metropolenregion in Europa habe sich ökonomisch so schwach entwickelt und zudem Bevölkerung verloren. Zwischen den Jahren 2000 und 2005 habe die Hauptstadt praktisch kein Wachstum ihrer Wirtschaftskraft verzeichnet.

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