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Studie klärt umstrittene Herkunft des Kennewick-Mannes

London (dpa) Um den etwa 8500 Jahre alten Kennewick-Mann tobt in den USA seit Jahren ein erbitterter Streit. Indianer betrachten ihn als Vorfahren und fordern die Überführung der in einem Museum liegenden Knochen - bislang vergeblich. Nun zeigt eine Studie: Der Mann ist tatsächlich mit den Indianern der Region eng verwandt.

Studie klärt umstrittene Herkunft des Kennewick-Mannes

Die Außenansicht des Burke Museum of Natural History and Culture in Seattle. Foto: Handout/Burke Museum/dpa

Forscher haben die Herkunft von einem der berühmtesten Skelette Amerikas geklärt: Der im US-Staat Washington gefundene sogenannte Kennewick-Mann, dessen Alter auf etwa 8500 Jahre geschätzt wird, ist demnach mit den heutigen Ureinwohnern in der Region eng verwandt.

Das berichtet ein internationales Forscherteam um Eske Willerslev von der Universität Kopenhagen in der Zeitschrift «Nature». Die Studie dürfte weitreichende Folgen haben, denn um die Abstammung des Skeletts, das 1996 bei der Stadt Kennewick entdeckt worden war, dreht sich seit Jahren ein erbitterter Rechtsstreit zwischen Indianern und Forschern.

Die Gebeine lagern derzeit in einem Museum in Seattle. Doch fünf Indianerstämme aus der Fundregion ehren den Kennewick-Mann als frühen Ahnen. Sie fordern die Überführung der Knochen, um sie nach ihren Ritualen zu bestatten. Nach einem US-Gesetz können die Ureinwohner über die Überreste ihrer Vorfahren selbst bestimmen. Allerdings wandten einige Forscher gegen eine solche Rückgabe ein, der Kennewick-Mann sei kein Vorfahr der Indianer. Eine gerichtlich angeordnete Studie ergab 2014, dass die Anatomie des Kennewick-Mannes sich deutlich von heutigen Indianern unterscheide und eher Bewohnern von Japan oder Polynesien ähnele.

Um die Abstammung zu klären, analysierten die Forscher nun Genmaterial aus einem Handknochen und verglichen es mit genetischen Daten von Bevölkerungsgruppen aus aller Welt. Eine solche Untersuchung sei kurz nach dem Fund und zu Beginn des Rechtsstreits wegen der nur schlecht erhaltenen DNA nicht möglich gewesen, erklärt Erstautor Morten Rasmussen, ebenfalls von der Universität Kopenhagen: «Die Technologie ist seitdem viel besser geworden. Wir können heute Informationen aus kürzeren Sequenzen ziehen.»

Das Ergebnis der Analyse ist eindeutig: «Die neue Genanalyse zeigt, dass der Kennewick-Mann näher mit modernen Indianern verwandt ist als mit jeder anderen lebenden Bevölkerungsgruppe», schreibt das Team. Zwar können die Forscher ihn keiner bestimmten Gruppe von Indianern zuordnen. Er sei jedoch eng verwandt mit den in der Region lebenden Colville. Diese hatten ebenfalls Anspruch auf die Gebeine erhoben.

Damit dürfte der Streit um die Gebeine in eine neue Runde treten. «Zurzeit können wir unmöglich bestimmen, welche heutigen Indianer am engsten mit dem Kennewick-Mann verwandt sind», sagt Willerslev. «Denn unsere Vergleichsdatenbank ist begrenzt, vor allem was die Indianer in den USA betrifft.»

Das Museum in Seattle zum Kennewick-Mann

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