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Der Spaßfaktor macht den Unterschied zum Stammtisch

Kegelklubs auf der Suche nach Bahnen

Sie lassen die Kugel immer noch rollen. Und wenn es nach den Mitgliedern des Kegelklubs Rollsplit aus Südlohn geht, treffen sie sich auch in den nächsten Jahren noch in schöner Regelmäßigkeit. Aber es gibt ein großes Fragezeichen.

Südlohn

, 15.03.2018
Der Spaßfaktor macht den Unterschied zum Stammtisch

Mit Schwung in die Vollen: Ein Mitglied des Kegelklubs Rollsplit in Aktion. © Natalia Walfort

.„Wir treffen uns zum Kegeln schon seit der Gründung unseres Klubs im Südlohner Hof“, berichtet Elle Rave. „Wir haben Anfang Juni dort unser letztes Kegeln“, berichtet die Südlohnerin mit ein wenig Wehmut. Ein Umbau stehe an und damit eine andere Nutzung, berichtet Elle Rave. Aber einfach so umziehen von einer Bahn auf die nächste – das klingt leichter, als es in Wirklichkeit ist. Denn die Zahl der Kegelbahnen in der Region hat sich verringert. „Rollsplit“ ist ein gemischter Kegelklub, dem sechs Ehepaare angehören.

„Beim Kegeln stimmt der Spaßfaktor“

Warum kegeln, wenn ein Stammtisch es viel leichter hat, einen Platz für seine Treffen zu finden? „Beim Kegeln stimmt der Spaßfaktor“, sagt Elle Rave. Ein aktives Vergnügen, das die Mitglieder teilen – „auch wenn wir immer noch nicht kegeln können. Dafür gibt es viel zu lachen.“

Die Südlohnerin sorgt sich um die Zukunft ihres Kegelklubs. Denn der hängt davon ab, dass sich eine neue Bahn findet, auf der sie regelmäßig alle vier Wochen abends am Wochenende die Kugel rollen lassen können. Doch Rollsplit lässt nicht locker und hat sich auf entsprechende Wartelisten eintragen lassen. Die Mitglieder wollen weitermachen, denn ihr Klub bedeutet ihnen ein wichtiges Stück Gemeinschaft nicht nur an den Kegelabenden, sondern auch bei den gemeinsamen Fahrten und Aktionen wie dem jährlichen Familientag. Sich in einen Stammtisch umzuwandeln, das kommt aus Sicht von Elle Rave für Rollsplit nicht in Frage.

Kegel-Cup der VR-Bank bleibt

Doch genau diesen Schritt sind schon einige Klubs gegangen. Oder haben sich ganz aufgelöst. Wie entwickelt sich die Szene der Kegelklubs? Es gibt einen Menschen, der darüber mehr weiß als viele andere. Carsten Wendler kümmert sich bei der VR-Bank Westmünsterland seit Jahren um die Kegelcups in Südlohn, Oeding und Stadtlohn. Diese richtet die Bank schon seit fast 50 Jahren aus. Doch ein Selbstläufer ist so ein Event heute nicht mehr. „Die Anmeldezahlen sind in den vergangenen Jahren zum Teil spürbar gesunken“, berichtet Carsten Wendler. Er veranschaulicht mit Zahlen, was er meint: 70 Klubs hatten sich zum Beispiel in Oeding noch im Jahr 2008 angemeldet, um mit ins Rennen zu gehen um die bei vielen Keglern begehrte Trophäe. Die aktuelle Auflage des Wettbewerbs findet noch 37 Klubs als Teilnehmer – fast eine Halbierung. Für das Turnier der VR-Bank in Stadtlohn wurde schon eine Veränderung vorgenommen: Alles findet an einem Wochenende statt - das wurde gut angenommen.

Wirte müssen kalkulieren

Der Freizeitspaß Kegeln besitzt aber auch eine wirtschaftliche Seite. Und die müssen alle Gastwirte mittlerweile im Blick haben, die Kegelbahnen betreiben. Die Wirte müssen genau kalkulieren, ob sich dieses Angebot noch rechnet. Einer von ihnen ist Wolfgang Westerhoff. Er führt das Restaurant Sicking’s Wirtshaus in Oeding und hat mit Blick auf die Zukunft aufgrund der Entwicklung der letzten zwei Jahre inzwischen Konsequenzen gezogen. Wer auf einer seiner beiden Bahnen Freitag oder Samstagabend regelmäßig kegeln möchte, muss ein Regelwerk akzeptieren.

Wichtige Punkte: Eine Anmietung ist nur im Vier-Wochen-Rhythmus möglich, für die Wochenendtermine nach 20 Uhr ist im Jahresdurchschnitt ein Verzehrumsatz von 200 Euro pro Kegelabend notwendig, hinzu kommt für die Betriebskosten die Bahngebühr für mindestens drei Stunden von zehn Euro stündlich.

Viel Verständnis für Regeln

Um seine wirtschaftliche Lage weiterhin so stabil zu halten wie sie ist, sah Wolfgang Westerhoff sich zu diesem Schritt gezwungen: „Wir müssen Personal vorhalten, die Bahnen sind geblockt und Anfragen von anderen Klubs können nicht bestätigt werden. Wenn dann die Klubs ihre Termine nicht wahrnehmen, ist das ein erheblicher Umsatzverlust.“ Einer, der nicht sein müsste: „Ich habe gerade für die Wochenendtermine Wartelisten.“ Auch der Mindestumsatz sei nicht zu hoch angesetzt: „Die 200 Euro verteilen sich schließlich auf alle Klubmitglieder und zeitlich auf mehrere Stunden.“ Wolfgang Westerhoff bekommt nach Bekanntgeben des Regelwerks im persönlichen Gespräch von den meisten Klubs Verständnis und sogar Tipps, wie man sich bei Anfragen von einmaligen Terminen arrangieren kann: „Es geht für uns und unsere Mitarbeiter um unseren Beruf und damit um die Wirtschaftlichkeit, damit es überhaupt vertretbar ist, die Kegelbahnen weiter zu betreiben.“

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