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Mehr Zeit füreinander

Südlohn Heute Abend hat die Vorfreude für viele Kinder ein Ende. Während sie den Präsenten des Christkinds entgegenfiebern, hat Mohammed sein Geschenk bereits vor Tagen ausgepackt. Denn der neunjährige Junge und seine drei Geschwister haben wie Muslime überall auf der Welt das Opferfest gefeiert.

23.12.2007

Mehr Zeit füreinander

<p>Muslime überall auf der Welt haben - wie hier vor der Badshahi Moschee im pakistanischen Lahore - haben anlässlich des Opferfestes gemeinsam gebetet. dpa</p>

Adventskalender in den Regalen, Weihnachtsbäume in den Straßen, Jingle Bells im Radio - für seine Schwester Zeinab Ahmed (19) haben all diese weihnachtlichen "Wegweiser" keine Bedeutung, stören sie aber auch nicht. Im Gegenteil: "Es ist schön, das zu sehen und zu hören. Aber wir machen es eben anders", erklärt die junge Muslima selbstbewusst. Jeder Mensch hat seinen Glauben. Das haben ihr Vater und ihre Mutter sie gelehrt. Und so hätten sie es auch im Libanon, ihrer Heimat, gehalten.

Frohes Fest

Und was macht die Familie in einem Land, an dem zu Weihnachten alles Kopf steht? "Wir freuen uns, das wir mehr Zeit füreinander haben", meint Zeinab gelassen. So hat die Familie es auch anlässlich des Opferfestes gehalten - in der vergangenen Woche. Neben dem Zuckerfest ist es das wichtigste islamische Fest, an dem die Kinder ebenfalls schulfrei haben. Bereits früh morgens wünschen sich die Menschen ein frohes Fest. Vater Akram steht in der Küche, telefoniert lautstark mit Verwandten. Sie wohnen meist zu weit weg, um auf einen Sprung vorbeizukommen. Seine Kinder und Frau Intssar haben sich fein gemacht. Bereits einen Tag vor dem Opferfest hat die Familie die Wohnung geputzt und hergerichtet, leckere, vor allem süße Speisen von weither geholt. Die wichtigste ist Baklawa, mit Nüssen gefüllter Blätterteig. Zu Mittag stehen gefüllte Hähnchen auf dem Tisch. Ein Schaf, wie es in ihrer Heimat üblich ist, schlachtet die Familie nicht. Nach dem Besuch in der Moschee geht es auf den Friedhof, um Verstorben en zu gedenken. Später bekommen die Kinder ihre Geschenke oder Geld. An mehreren Tagen besuchen die Muslime Verwandte, Nachbarn und Freunde - vor allem ältere Familienmitglieder. "Eben so wie bei euch zu Weihnachten", meint Zeinab. Ihre Eltern kann Mutter Intssar, die gemeinsam mit ihrem Mann vor 16 Jahren vor dem Bürgerkrieg im Libanon geflüchtet ist, nicht sehen. "Es wäre schöner zuhause zu feiern. Da ist das Haus voll, meine Eltern, Geschwister sind da." Sie ist hin- und hergerissen. Einerseits würde Intssar Ahmed gern für immer nach Beirut zurückkehren, andererseits weiß sie, ihre Kinder, von denen drei in Deutschland geboren sind, möchten hier bleiben. "Für uns ist dort alles fremd, die Sprache, die Menschen. Unserer Freunde sind hier", meint ihre 15-jährige Tochter Iman.

Nur ein Wunsch

Aussuchen kann es sich die Familie letztlich nicht. "Wir sind geduldet. Alles hängt von meinem Vater ab. Darf er bleiben, bleiben wir auch. Muss er zurück, gehen wir auch", sagt Zeinab. Tag und Nacht begleiten die Familie diese Gedanken. Ob sie sich etwas für 2008 wünscht? Zeinab schüttelt den Kopf: "Oder doch. Einen Wunsch habe ich. Ich möchte was in der Tasche haben." Die Ausbildung, den Führerschein, die ihr als geduldetem Flüchtling bislang verwehrt geblieben seien. kh

Mehr Zeit füreinander

<p>Wie alle muslimischen Kinder freuen sich auch Iman, Mohammed und Akram Ahmed (v.l.) nicht nur auf die vielen Leckereien, die während des Opferfests auf den Tisch kommen, sondern auch auf die Zeit, die sie mit ihren Eltern verbringen. Herbers</p>

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