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Mühle verleiht Paaren Flügel

Südlohn Sanft drückt Dieter Gehling die Hand seiner Zukünftigen, tief blicken sich beide in die Augen. Ihr gehauchtes "Ja" wird fast übertönt vom Rattern alter Maschinen, die auch während der Trauung in Betrieb sind - fast so, als wollte die alte Mühle in Südlohn das erste Brautpaar, das sich am Donnerstag unter seinem Flügeldach das Ja-Wort gibt, begrüßen.

28.12.2007

Verdient hätten es Dieter und Astrid Gehling, geborene Hurlemann. Schließlich ist es ihnen zu verdanken, dass nun neues Leben in die Mühle einzieht. "'Wo wollen Sie heiraten?', lautete die Frage auf dem Standesamt. In der Mühle war unsere Antwort", erzählt Gehling. Dann hieß es warten. Eigentümerin Maria Menke war begeistert von der Idee, dass Brautleute in ihrem historischen Gemäuer den ersten Schritt in ein neues Leben wagen. Doch die offizielle Genehmigung ließ auf sich warten. Erst zwei Wochen vor dem großen Tag war klar, dass in der Mühle geheiratet werden darf.

Kein Halten mehr

Doch das ist jetzt alles egal. Nun gibt es kein Halten mehr für das Paar auf dem Holzpodest: Dieter und Astrid Gehling setzen zum leidenschaftlichen Kuss an - und das, ohne das Stichwort des Standesbeamten abzuwarten. Die Hochzeitsgesellschaft, die sich zu ihren Füßen rings um Doppelwalzenstuhl und Grießputzmaschine eingefunden hat, applaudiert. Die Blitzlichter der Fotografen erhellen den festlich geschmückten Raum und lassen die weiß getünchten Wände noch heller, die dunklen Balken an der Decke noch mächtiger erscheinen.

"Einfach romantisch"

Sogar die Holzleiter, die in den Turm der fast 200 Jahre alten Windmühle führt, ist besetzt. Dort, wo der letzte Müller Bernhard Menke in den achtziger Jahren Getreideschrot und Mischfutter hergestellt hat, unterzeichnen die Trauzeugen nun die Heiratsurkunde. "Es war einfach romantisch", schwärmt die Braut und wischt sich eine Träne aus dem Gesicht. "Ein absolut besonderes Flair. Das ist ein wahnsinniges Stück Geschichte hier", schwärmt ihr frisch angetrauter Ehemann.

Er muss es wissen. Seit 25 Jahren unterstützt Dieter Gehling die Mühlenbesitzerin. "Ich hab noch mit dem alten Müller gearbeitet. Ich bin mit jeder Maschine per du", scherzt der 42-Jährige. "Du hast auch schon Öl am Hemd." Astrid Gehling streicht über den Hemdkragen ihres Gatten. Der strahlt nur: "Das ist Glücksöl."

Ein lautes Pfeifen lässt die Gesellschaft zusammenzucken. Eine alte Dampfwalze, Baujahr 1952, parkt direkt vor der Mühle und bläst dichten, schwarzen Qualm in die Luft. Mit gemächlichen sechs Kilometern pro Stunde rollt das Paar nach Hause - und winkt den vielen Schaulustigen noch lange zu. kh

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