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Noch zu viel Grün im Oedinger Neubaugebiet

Baugrundstücke an Burloer Straße zurzeit nicht gefragt

Im Neubaugebiet „Burloer Straße West“ sind noch viele Bauplätze frei. Zeichen von Bautätigkeit gibt es zurzeit nicht. Kleine Schilder sollen jetzt Lust darauf machen, dort ein Haus zu bauen.

Oeding

23.02.2018
Noch zu viel Grün im Oedinger Neubaugebiet

Das Neubaugebiet Burloer-Straße-West im Februar 2018 – was fehlt, sind Baustellen und Kräne als Zeichen von reger Bautätigkeit. Foto: Bernd Schlusemann

Von Alex Piccin und Bernd Schlusemann

Seit 1988 hofft die Gemeinde darauf, dass ihr Neubaugebiet „Burloer Straße West“ endlich zur Erfolgsgeschichte wird. Das sind nun 30 Jahre! Nur vereinzelt stehen in dem Baugebiet Häuser – über 100 Bauplätze sind noch zu haben. Kleine, witzige und in Folie eingeschweißte Schildchen an Besenstielen sollen jetzt Grundstückskäufer locken.

Rechtliche Unsicherheiten

Grund für die derzeitige Zurückhaltung der Häuslebauer ist nicht etwa die Lage des Gebietes. Das liegt im Grünen und nah am Dorf, aber auch direkt an der geplanten Umgehungsstraße für den Ort. Ein Lärmschutzwall soll später die vom Verkehr ausgehenden Emissionen abschirmen. Dass die Grundstücke derzeit keine Käufer finden, liegt aber vielmehr daran, dass noch immer ein rechtliches Restrisiko für das Baugebiet besteht. Zuletzt wurde der Bebauungsplan im Juni 2016 vom Verwaltungsgericht für ungültig erklärt. Nur ein Kapitel in der 30-jährigen Geschichte des Baugebietes, für das immer wieder neue Steine in den Weg rollten.

Die Unsicherheit für Häuslebauer dürfte jetzt aber bald zu Ende gehen. Im Mai vergangenen Jahres hat der Gemeinderat einen neuen Satzungsbeschluss getroffen, mit dem die Bebauung wieder möglich wurde. Seitdem sind aber lediglich vereinzelt neue Häuser entstanden.

Grüne Lücken

Damit sich die grünen Lücken schließen, hat nun jemand eine Aktion gestartet, die Interessenten zum Grundstückskauf bewegen sollen. Entlang der Straßen Kookamp und An der Schlinge wurden kleine Schildchen in den Boden gepflanzt. Die Oedinger freuen sich demnach über bauwillige Familien mit Nachwuchs, preisen die örtlichen Handwerksbetriebe an oder werben mit günstigen Preisen – ein Quadratmeter Bauland kostet nach Angaben der Gemeinde 120 Euro. Der Urheber dieser Aktion ist unbekannt. Weder die Anwohner noch Martin Wilmers wissen, wer sich diese Aktion ausgedacht hat. „Das spielt uns von der Gemeinde aber in die Karten“, sagt der Kämmerer.

Noch zu viel Grün im Oedinger Neubaugebiet

Das Interesse an einem Bauplatz war bisher mager, berichtet er. Von den noch verfügbaren Grundstücken befinden sich knapp zwei Drittel in der Hand der Gemeinde, der Rest ist Privatbesitz.

Nachfrage nach Grundstücken könnte ab Mai steigen

Martin Wilmers schätzt, dass ab Ende Mai die Nachfragekurve deutlich ansteigen wird – mit dem Ende der Einspruchsfrist. „Dann ist alles wasserdicht und wir werden verstärkt in die Vermarktung gehen“, blickt der Kämmerer nach vorne.

Die potenziellen Käufer warten offenbar lieber noch die restlichen Monate ab, ehe sie das Risiko eines erneuten außer Kraft setzen des Bebauungsplans in Kauf nehmen, wie es in der Vergangenheit schon der Fall war. Davon weiß Tobias Stephan zu berichten: „Beim Vorbesitzer stand diese Drohung immer wieder im Raum.“ Sein Haus wurde 2006 als eines der Ersten in dem Neubaugebiet an der Burloer Straße gebaut. Tobias Stephan kaufte es vier Jahre später. „Erst habe ich es doof gefunden, dass hier keiner baut. Jetzt genieße ich den Ausblick und die Stille.“ Einem baldigen Baubeginn neuer Eigenheime sieht er trotzdem freudig entgegen. Neue Nachbarn sind ihm willkommen – wie auch dem Schildchen-Pflanzer.

Altes Bauernhaus wird abgerissen

An anderer Stelle soll es in dem Baugebiet endlich etwas werden: Der ehemalige Hof Vornholt wird abgerissen.

Im vergangenen Jahr hatte sich der Bauausschuss vor Ort über den maroden Zustand des lange leer sehenden alten Bauernhauses informiert und den Abriss beschlossen. Weil die Bauverwaltung im Oedinger Rathaus mit dem Neubau für die Vitus-Grundschule und anderen Projekten soviel zu tun hat, kommt es erst jetzt dazu, dass die Bagger anrücken sollen.

Noch zu viel Grün im Oedinger Neubaugebiet

Wird abgerissen: Der ehemalige Hof Vornholt. Foto: Markus Gehring

Das alte Bauernhaus wird jedoch nicht, wie zunächst geplant komplett bis zum angrenzenden neueren Gebäude abgerissen. „Die Umlegung ist sehr teuer“, erklärte Bauamtsleiter Dirk Vahlmann dem Bauausschuss am Mittwochabend, dass die Hausanschlüsse für den neueren Teil des Hofes im Altbau liegen.

Umlegung der Hausanschlüsse ein teures Problem

Teure Umlegung und Platzprobleme im Neubau hätten zu der Überlegung geführt, einen kleinen Teil des alten Bauernhauses stehen zu lassen. Auf das Erdgeschoss soll im Anschluss an den Abriss ein Flachdach gesetzt werden. „Das wäre kostengünstiger“, erklärte der Bauamtsleiter den Politikern, die sich einstimmig für dieses Vorgehen aussprachen.

Bürgermeister Christian Vedder ergänzte am Ende der Diskussion noch, dass die frei werdende Fläche nach dem Abriss für Wohnbebauung genutzt und vermarktet werden soll.

Ein viel zu langer Weg

Chronik - Bebauungsplan wird zwei Mal von Normenkontrollverfahren gestoppt. Die Geschichte des Planverfahrens im Überblick: 1988 erfolgte der Startschuss: Die Gemeinde Südlohn brachte das Neubaugebiet an der Burloer Straße durch einen Bebauungsplan auf den Weg. Mangels verfügbarer Grundstücke ließ es sich aber nicht verwirklichen. 2005 kam es durch den Rat zu einem neuen Satzungsbeschluss für die überarbeitete Planung. 97 Baugrundstücke gab es seinerzeit. 2006 dann die juristische Bremse: Das Oberverwaltungsgericht kippte den Bebauungsplan aufgrund eines Normenkontrollverfahrens. Grund: Formfehler des ursprünglichen Plans. Daneben ging es um das Verhältnis zwischen neuer Wohnbebauung und angrenzender Landwirtschaft. 2010 atmete die Gemeinde auf: Gespräche mit zahlreichen betroffenen Landwirten waren erfolgreich. 2014 kam es zum neuen Satzungsbeschluss für den Plan,. 2016: Wieder bremst ein Normenkontrollverfahren die Entwicklung im Neubaugebiet abrupt ab. Im Juni das Urteil: Der Plan wird gekippt. Eine Hofzufahrt ist nicht deutlich genug eingezeichnet, weitere vier Punkte des Plans werden kritisch gesehen. Juli 2016: In einer Sonderratssitzung kündigt der Bürgermeister an, den Bebauungsplan nachzubessern. September 2016: Der Rat verpflichtet den Bürgermeister, mit dem Kläger, der das Normenkontrollverfahren angestrengt hat, zu reden. Im November teilt Christian Vedder mit, mit dem Anwalt des Antragstellers telefoniert zu haben. Januar/Februar 2017: Der neue Plan liegt vier Wochen öffentlich aus. März 2017: Die auf die Auslegung hin erfolgten Anregungen und Einwendungen erfordern eine erneute Änderung und Auslegung. Mai 2017: Nach dem Satzungsbeschluss des Rates kann wieder gebaut werden. Juni 2017: Ein Einwand von Josef Schleif wurde in der Abwägung des Rates abgelehnt. Schleif lässt das durch seinen Anwalt prüfen – es könnte ein erneutes Normenkontrollverfahren drohen. Juli 2017: Gefahr gebannt: Josef Schleif und die Verwaltung einigen sich auf eine Lösung. Allerdings: Noch bis Mai 2017 hat Schleid die Möglichkeit, seinen Einwand im Rahmen eines neuen Normenkontrollverfahrens prüfen zu lassen. s-n/ewa
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